Unterstützung des Fellwechsel
- Sandra
- 19. März 2022
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Jan.
Der Fellwechsel ist eine anstrengende Zeit – so kannst Du deinen Hund in dieser Zeit unterstützen
Hunde passen durch einen jahreszeitlichen Fellwechsel ihre Behaarung den wechselnden Witterungsbedingungen aktiv an. Der Wechsel von Sommer- zu Winterfell und umgekehrt richtet sich dabei nach den Temperaturen, aber vor allem nach den Lichtverhältnissen der Umgebung. Die Tageslänge, besser gesagt die Tageslichtdauer, wird von der Zirbeldrüse wahrgenommen, einer Hormondrüse im Gehirn des Hundes, die seinen Biorhythmus steuert und so den Startschuss zum Fellwechsel auslöst. Fellwechsel kann man also nicht verhindern.
Gesteigerter Energiebedarf im Fellwechsel
Der Energiebedarf des Hundes steigt im Frühling mit dem beginnenden Fellwechsel, der Körper wirft alte Hautzellen ab und bildet das dünnere Sommerfell mit weniger Unterwolle.
Im Herbst ist es umgekehrt: Das Deckhaar wird reduziert und die Unterwolle verdichtet sich. Das kostet Energie! Um ca. 20 % erhöht sich der Energiebedarf langhaariger Hunde in den durchschnittlich 6 – 8 Wochen des Fellwechsels. Doch nicht nur Kalorien werden benötigt, sondern vor allem die richtigen Nährstoffen und Vitamine. Welche das sind, erfährst Du in diesem Beitrag.

Wichtige Nährstoffe für Haut und Fell des Hundes
Bekommen Hunde dauerhaft Futter mit minderwertigen Proteinen oder werden längere Zeit einseitig oder zu proteinarm ernährt, sieht man ihnen das oftmals schon am Fell und am Hautzustand an: Schuppen, glanzloses Fell oder gar kahle Stellen können Kennzeichen einer nicht adäquaten Fütterung sein. Im Fellwechsel verschärft sich dann das Problem. Wichtige Nährstoffe, die Dein Hund in dieser Zeit benötigt, sind unter anderem die folgenden:
Proteine
Eiweiße liefern die Baustoffe für Haut und Fell: dies sind die Aminosäuren. Es gibt 20 unterschiedliche Aminosäuren, von denen der Hund alle bis auf zehn essenzielle selbst herstellen kann.
Der Eiweißbedarf im Fellwechsel kann bei langhaarigen Hunden und besonders bei kleinen Rassen mit viel und langem Fell um 10 (kurzhaarige Rassen) – 40 % (langhaarige Rassen) steigen. Besonders die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin sind hier zu beachten. Methionin und Cystin sind schwefelhaltige Aminosäuren, von denen Methionin für den Hund essentiell ist und als Vorlage für Cystin dient; sie spielen eine wichtige Rolle für Haut, Fell, Entgiftung und antioxidativen Schutz – und sind insbesondere bei vegetarischer oder veganer Fütterung oft die kritisch zu prüfenden Bausteine im Aminosäureprofil (Besonders viel Methionin findet man übrigens in Paranüsse, Sesam, Cashews und Erdnüssen, in grünem Blattgemüse, Brokkoli(sprossen) sowie in Fleisch von Weiderindern, einigen Fischsorten, Magerquark).
Biotin
Biotin ist ein wasserlösliches Vitamin der B-Gruppe und wird auch Vitamin B7 oder mit einer veralteten Bezeichnung Vitamin H genannt. Es spielt eine bedeutende Rolle im Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel. Besonders wichtig ist es aber zusammen mit anderen Vitaminen für den Aufbau der körpereigenen Aminosäuren und des Keratins der Krallen und des Fells. Damit ist es ein äußerst wichtiges Vitamin für eine gesunde Haut. Besonders reich an Vitamin B7 sind Bierhefe, Eigelb, Leber und Haferflocken und Sojabohnen. Biotin kann vom Hund enteral (im Darm) selbst gebildet werden.
Ungesättigte Fettsäuren
Linolsäure
Linolsäure ist eine essenzielle Fettsäure, die u. a. in der Hundemilch vorkommt und als Bestandteil der Ceramide in der Hundehaut verantwortlich ist für den schönen Fellglanz. Sie gehört zu der Familie der Omega-6-Fettsäuren, die mit den Omega-3-Fettsäuren eng verwandt sind. Ein Linolsäure-Mangel kann entstehen, wenn ausschließlich Olivenöl oder Leinöl verfüttert wird. Distel-, Nachtkerzen- und Sonnenblumenöl sind Sorten, die besonders viel Linolsäure enthalten.
Hanföl besitzt eine ausgewogene Mischung aus Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren und Leinöl ist bekannt für seinen besonders hohen Gehalt an entzündungshemmenden Omega-3 Fettäuren.
Das Ergänzen von ungesättigte Fettsäuren mit einem ausgeglichen Omega-3 und Omega-6 Wert, ist auch außerhalb des Fellwechsels ratsam.
Vitamin A (Retinol)
Vitamin A bzw. seine Vorstufe, das Carotin, wird für Haut und Schleimhäute benötigt. Das Vitamin ist am Aufbau von Eiweißen und Mucopolysacchariden beteiligt: Es hilft bei der Regeneration der Haut nach außen und baut die Schleimhäute (Mucosa) im ganzen Körper mit auf. Es ist ein wichtiges Vitamin für gesunde Schleimhäute und somit für eine funktionierende Infektionsabwehr. Bei einem Mangel an diesem Vitamin trocknet die Haut aus und sie kann übermäßig verhornen. Vitamin A gehört zu den fettlöslichen Vitaminen und kommt in in großen Mengen in tierischen Geweben wie der Leber sowie der Niere vor. Carotin wird im Körper zu Vitamin A in der Leber umgebaut. Durch ein Zufüttern von Möhren, grünem Blatt- und Kohlgemüse, Chicoree und auch Lebertran enthält ein Hund ausreichend Vitamin A. Auch Wildkräuter wie der Löwenzahn sind sehr Vitamin A-reich.
Zink
Zink ist ein wichtiges Spurenelement für Deinen Hund und kommt in tierischen Produkten wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten in größeren Mengen vor. Zink ist wichtig für ein funktionierendes Immunsystem und für eine gesunde Hautbarriere. Ein Mangel zeigt sich in Hautrötungen, Fellverlust und in schlecht heilende Wunden.
Zink ist essenziell für die Funktion verschiedener Hormone und ist Bestandteil zahlreicher Enzyme. Auch im Stoffwechsel von Nukleinsäuren und Proteinen und für das Zellwachstum spielt Zink eine wichtige Rolle (1). Zink kann man auch sehr gut mit Nüssen (Paranüssen), gekochten Hülsenfrüchten wie Bohnen und Linsen sowie mit Haferflocken auf natürliche Weise in den Futterrationen ergänzent werden.
Kupfer
Kupfer ist wie Zink ein Spurenelement und sein Bedarf erhöht sich besonders bei langhaarigen Hunden im Fellwechsel. Kupfer bringt man in den Napf durch gekochte Artischocken, Haferflocken, Cashewkerne, Kichererbsen und Sojabohnen (diese haben einen extrem hohen Kupfergehalt). Auch Hagebutten, die man als Hagebuttenpulver füttern kann, sind sehr reich an diesem Spurenelement. Kupfer und Zink beeinflussen sich gegenseitig, deswegen sollte man von einer einseitigen Zufuhr nur eines Elements absehen.
Eier – ideal in der Zeit des Fellwechsels
Eier sind richtige Nährstoffbomben und enthalten viele der bereits genannten Nährstoffe und Mineralien v.a. im Eigelb. Aber auch im Eiweiß sind viele gute Stoffe enthalten, die u.a. antimikrobiell und antioxidativ wirken, und es sollte auf jeden Fall mit verfüttert werden. Je nach Hundegröße kann man ein bis drei Eier in der Woche in den Napf geben. Da rohes Eiklar sowohl einen Hemmstoff enthält, der die Eiweißverdauung behindert (einen Trypsinhemmstoff) als auch Avidin, das Biotin bindet, ist es vielleicht eine gute Idee, das Ei zu trennen und das Eiweiß separat zu erhitzen. Dies inaktiviert die Hemmstoffe und man maximiert den Nutzen für den Hund. In der normalen Fütterung, in der der Hund vielleicht ein Ei pro Woche erhält, kann man auf diesen Mehraufwand meines Erachtens gut verzichten, ohne dass ein Mangel entsteht.
Vitalpilze
Auch einige Vitalpilze haben einen Bezug zur Haut und können während der Zeit des Fellwechsels kurmäßig eingesetzt werden. Eine Gabe von Vitalpilze wird über ca. 3 Monate empfohlen. So bietet es sich an, bereits einen Monat, bevor der Fellwechsel einsetzt, mit der Gabe einschleichend zu beginnen, so dass dann zum Höhepunkt des Fellwechsels auch die Höchstdosis an den Pilzen gefüttert wird.
Reishi (fördert den (Haut)Stoffwechsel)
Hericium (pflegt das Darmsystem / Verbindung Haut-Darm!)
Pleurotus (hoher Gehalt an Vitamin B7)
PolyporusPolyporus wird gern eingesetzt zur Unterstützung vonHaut und Bindegewebe, zur Aktivierung des Lymphflusses und zur Flüssigkeitsausscheidung
Da ein gut funktionierender Lymph- und Hautstoffwechsel wichtig für gesunde Haarfollikel ist, kann vorallem der Polyporus im Rahmen eines Haut- und Fellkonzepts ein sinnvoller Baustein sein.
Heilpilze können den Fellwechsel auf verschiedenen Ebenen begleiten: über Leber- und Stoffwechselunterstützung, Immunmodulation, Stressregulation und Hautstoffwechsel. Sie ersetzen jedoch keine bedarfsdeckende Fütterung, sondern ergänzen sie.
Bitte beachten: Gerade bei bestehenden Erkrankungen (Leber, Niere, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen) oder wenn bereits Medikamente gegeben werden, sollten Vitalpilze immer gemeinsam mit einer fachkundigen Praxis (Tierarztpraxis, Mykotherapie) ausgewählt und dosiert werden.
Ich berate dich gerne dazu!
Wildkräuter und Heilpflanzen zur Unterstützung des Fellwechsels
Neben einer nährstoffdeckenden Fütterung können ausgewählte Wildkräuter und Heilpflanzen den Organismus im Fellwechsel sanft von innen unterstützen. Besonders bewährt haben sich Pflanzen, die den Stoffwechsel anregen, die Leber entlasten oder Haut und Bindegewebe mit Mineralstoffen versorgen.
Brennnesselblätter
Brennnesseln sind reich an Mineralstoffen (unter anderem Silizium und Eisen) und können die Durchblutung und den Stoffwechsel anregen. Sie werden traditionell eingesetzt, um Haut und Fell zu stärken und den Haarneubildungsprozess zu begleiten. Frische zarte Blätter können leicht gedünstet oder sehr klein geschnitten und blanchiert dem Futter untergemengt werden.
Ackerschachtelhalm (Zinnkraut) Ackerschachtelhalm enthält viel Kieselsäure, die für stabiles Bindegewebe, eine widerstandsfähige Haut und kräftiges Fell wichtig ist. Gerade im Fellwechsel wird er häufig kurweise ergänzend als Tee gegeben. Bei Nierenerkrankungen ist hier allerdings etwas Vorsicht geboten.
Löwenzahn (Blätter und Wurzel) Löwenzahn unterstützt Leber und Galle und fördert so die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Ein gut arbeitender Leberstoffwechsel kann den Körper im belastenden Fellwechsel entlasten und damit indirekt auch Haut und Fell zugutekommen.
Mariendistelsamen Mariendistel gilt als klassische Leberpflanze. Ihre Inhaltsstoffe schützen und unterstützen die Leberzellen. Da die Leber eine zentrale Rolle im Eiweiß- und Fettstoffwechsel spielt, ist sie auch für einen reibungslosen Fellwechsel von Bedeutung.
Klettenwurzel Die Klettenwurzel wird traditionell bei Haut- und Talgdrüsenproblemen eingesetzt. Innerlich angewendet kann sie helfen, die Hautfunktion zu regulieren und so ein gesundes Fellwachstum zu unterstützen. Äußerlich gibt es das Klettenwurzelauszugsöl auch für uns Menschen.
Hagebuttenschalen Hagebutten sind reich an Vitamin C und sekundären Pflanzenstoffen. Sie stärken das Immunsystem und unterstützen mit dem Vitamin C das Bindegewebe und eine gesunde Haut – eine sinnvolle Ergänzung, wenn der Körper im Fellwechsel zusätzlich gefordert ist.
Diese Pflanzen können, passend dosiert und kurweise eingesetzt, eine gute Ergänzung zur Fütterung sein. Wichtig bleibt jedoch: Die Grundlage für einen entspannten Fellwechsel ist immer eine ausgewogene Ration mit ausreichend hochwertigem Protein, Zink, B-Vitaminen und essentiellen Fettsäuren.
Quellen:
(2) Dr. med. vet. J. Fritz: Hunde barfen, 2018, S. 45




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