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Reishi für Hunde – Wirkung und Anwendung

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
27. Nov. 2021
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Aug.

Der Reishi gehört zu den bekanntesten Vitalpilzen. In China wird er Ling Zhi genannt, in Japan Reishi. Wegen seiner langen traditionellen Verwendung trägt er klangvolle Beinamen wie „Pilz der Unsterblichkeit“ oder „göttlicher Pilz“.

Ganz so überschwänglich müssen wir es heute nicht ausdrücken. Dennoch ist der Reishi ein außergewöhnlicher Pilz, dessen Inhaltsstoffe inzwischen intensiv erforscht werden. In der Mykotherapie wird er vor allem eingesetzt, wenn das Immunsystem, entzündliche Prozesse, die Leber oder die Haut unterstützt werden sollen. Auch bei älteren Hunden und in Phasen erhöhter Belastung kann er eine interessante Ergänzung sein.

Seine Stärke liegt dabei nicht in einem einzelnen Wirkstoff, denn der Reishi enthält verschiedene Stoffgruppen, die an unterschiedlichen Stellen im Organismus ansetzen. Besonders wichtig sind seine β-Glucane und die ausgesprochen bitteren Triterpene. Welche davon ein Hund tatsächlich erhält, hängt allerdings stark davon ab, ob der Pilz als Pulver, Heißwasserextrakt oder kombinierter Extrakt gegeben wird.


Rotbrauner Reishi-Fruchtkörper auf Holz neben einem Löffel mit Pilzpulver
Der glänzende, rotbraune Fruchtkörper ist das unverwechselbare Kennzeichen des Reishi.

Reishi – der Glänzende Lackporling

Der Reishi gehört zu den Porlingen und wächst auf dem Holz verschiedener Laubbäume. Er besiedelt geschwächte Bäume, Wurzeln und Baumstümpfe und baut dort Bestandteile des Holzes ab. Dabei entsteht die sogenannte Weißfäule.

Sein Fruchtkörper ist fest, zäh und beinahe holzig. Als Speisepilz eignet er sich deshalb nicht. Dafür gehört er zu den schönsten heimischen Pilzen: Sein fächer- oder nierenförmiger Hut leuchtet rotbraun bis dunkel mahagonifarben und glänzt tatsächlich, als wäre er lackiert worden. Junge Fruchtkörper besitzen häufig einen hellen, gelblichen Wachstumsrand.

Auf der Unterseite befinden sich keine Lamellen, sondern viele kleine Poren. Durch sie gibt der Pilz seine braunen Sporen an die Umgebung ab. Der Stiel sitzt häufig seitlich am Hut, kann aber auch sehr kurz sein oder ganz fehlen.

Der in Europa vorkommende Glänzende Lackporling heißt botanisch Ganoderma lucidum. Unter dem Namen Reishi werden allerdings auch eng verwandte asiatische Lackporlinge angeboten. Für die Verwendung ist deshalb weniger der schöne Handelsname entscheidend als die Frage, welche Pilzart und welcher Pilzteil tatsächlich verarbeitet wurden.


Was steckt im Reishi?

Reishi enthält eine beeindruckende Vielfalt natürlicher Verbindungen. Für seine Verwendung als Vitalpilz stehen vor allem zwei Stoffgruppen im Mittelpunkt:

  • β-Glucane

  • Triterpene, insbesondere die Ganodersäuren

Daneben enthält der Pilz unter anderem Sterole, Proteine, Nukleotide, Fettsäuren und verschiedene Mineralstoffe. Eine lange Aufzählung aller gefundenen Substanzen sagt über die Wirkung eines Präparates jedoch wenig aus. Entscheidend ist, welche Bestandteile in nennenswerter Menge enthalten und für den Organismus zugänglich sind.


β-Glucane und das Immunsystem

β-Glucane sind Bestandteile der Pilzzellwände. Bestimmte Zellen des angeborenen Immunsystems besitzen Rezeptoren, über die sie solche Strukturen erkennen können. Der Kontakt mit β-Glucanen kann dadurch verschiedene Immunreaktionen beeinflussen.

Oft wird in diesem Zusammenhang von einer „Stärkung“ des Immunsystems gesprochen. Treffender ist jedoch der Begriff Immunmodulation. Reishi schaltet die Abwehr nicht einfach stärker ein, sondern kann ihre Reaktionsbereitschaft und die Kommunikation zwischen verschiedenen Immunzellen beeinflussen.

Eine Untersuchung mit gesunden Hunden liefert dafür einen ersten interessanten Hinweis: Hunde, die über vier Wochen Reishi erhielten, zeigten bei der höchsten untersuchten Menge Veränderungen einzelner Immunparameter und eine stärkere Antikörperantwort nach einer Tollwutimpfung. Damit ist Reishi einer der wenigen Vitalpilze, zu denen überhaupt eine kontrollierte Untersuchung am Hund vorliegt.


Triterpene – die bitteren Besonderheiten des Reishi

Seinen charakteristisch bitteren Geschmack verdankt der Reishi vor allem den Triterpenen. Zu ihnen gehören die pilztypischen Ganodersäuren. Diese Verbindungen werden besonders wegen ihrer möglichen Einflüsse auf entzündliche Prozesse, Mastzellen, Leberstoffwechsel und Zellschutz untersucht.

Triterpene sind jedoch nur schlecht wasserlöslich. Ein reiner Heißwasserextrakt, der vor allem auf β-Glucane ausgerichtet ist, enthält deshalb nicht automatisch größere Mengen davon. Sollen neben den β-Glucanen auch die Ganodersäuren genutzt werden, ist ein entsprechend hergestellter und geprüfter Extrakt besonders interessant.

Genau hier beginnt der Unterschied zwischen irgendeinem Reishi-Produkt und einer sinnvoll ausgewählten Zubereitung. Ein Pilz kann schließlich nur mit den Stoffen wirken, die im verwendeten Produkt tatsächlich enthalten sind.


Was kann Reishi für Hunde leisten?

Reishi wird traditionell bei sehr unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt. Daraus sind im Laufe der Zeit lange Anwendungslisten entstanden, auf denen beinahe jedes Organsystem auftaucht. Sinnvoller ist es, den Pilz von seinen grundlegenden Wirkungen her zu betrachten.

Im Mittelpunkt stehen sein Einfluss auf das Immunsystem, entzündliche Prozesse und den Stoffwechsel. Daraus ergeben sich verschiedene Einsatzmöglichkeiten – nicht, weil Reishi jede einzelne Erkrankung behandelt, sondern weil diese Vorgänge bei vielen gesundheitlichen Belastungen eine Rolle spielen.


Reishi und das Immunsystem des Hundes

Die β-Glucane des Reishi treten vor allem im Darm mit dem Immunsystem in Kontakt. Dort werden sie von spezialisierten Abwehrzellen erkannt. Das kann unter anderem die Aktivität von Fresszellen und die Verständigung zwischen verschiedenen Immunzellen beeinflussen.

Reishi für Hunde ist deshalb besonders in Phasen interessant, in denen die Abwehr gefordert ist: im höheren Alter, während der Genesung, bei wiederkehrenden Infekten oder als begleitende Unterstützung bei chronischen Erkrankungen.

Die bisherige Hundestudie wurde allerdings an gesunden erwachsenen Beagles durchgeführt. Die Tiere erhielten den Reishi 28 Tage lang. Bei der höchsten untersuchten Menge zeigten sich eine stärkere Aktivität bestimmter Fresszellen und eine verbesserte Antikörperantwort nach der Tollwutimpfung. Gleichzeitig wurde der Pilz gut vertragen.

Das ist noch kein Beleg dafür, dass Reishi bestimmte Erkrankungen heilen kann. Es zeigt aber, dass seine immunmodulierenden Eigenschaften nicht nur im Labor beobachtet wurden, sondern auch im Organismus des Hundes messbar sein können.


Reishi bei Entzündungen

Entzündungen sind zunächst eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Sie helfen dabei, Krankheitserreger zu bekämpfen, verletztes Gewebe abzubauen und Reparaturprozesse einzuleiten. Problematisch werden sie, wenn sie nicht mehr zur Ruhe kommen oder sich verselbstständigen.

Verschiedene Inhaltsstoffe des Reishi können entzündliche Signalwege beeinflussen. Besonders die Triterpene werden daraufhin untersucht, wie sie die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen und die Aktivität bestimmter Immunzellen verändern.

In der naturheilkundlichen Praxis wird Reishi deshalb unter anderem begleitend bei chronisch-entzündlichen Haut-, Darm- und Gelenkbeschwerden eingesetzt. Auch bei allergischen Reaktionen ist er interessant. Dabei geht es nicht darum, die gesamte Immunabwehr zu unterdrücken, sondern überaktive oder ungünstig verlaufende Reaktionen zu regulieren.

Wie Reishi mit Mastzellen, Histamin und anderen Juckreizbotenstoffen zusammenhängt, verdient einen eigenen Beitrag. Denn gerade beim Hund ist Juckreiz wesentlich komplexer als eine reine Histaminreaktion.


Reishi für Leber und Stoffwechsel

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Sie verarbeitet Nährstoffe, bildet wichtige Proteine, wandelt körpereigene Stoffe um und sorgt dafür, dass viele Abbauprodukte ausgeschieden werden können.

Reishi wird traditionell als Leberpilz verwendet. Experimentelle Untersuchungen zeigen verschiedene interessante Eigenschaften seiner Polysaccharide und Triterpene: Sie können antioxidative Schutzsysteme beeinflussen, entzündliche Vorgänge verändern und Leberzellen unter bestimmten Belastungen schützen.

Die häufig verwendete Bezeichnung „Leberentgiftung“ greift dennoch zu kurz. Reishi zieht keine Gifte aus der Leber. Er kann vielmehr Stoffwechsel- und Schutzprozesse begleiten, auf die eine belastete Leber angewiesen ist.

In der Tierheilkunde wird er daher unter anderem bei erhöhten Leberwerten, chronischen Lebererkrankungen oder während belastender Behandlungen eingesetzt. Welche Zubereitung passt, hängt dabei von der Erkrankung, den Laborwerten, der übrigen Therapie und dem verwendeten Produkt ab.


Reishi bei älteren Hunden

Bei älteren Hunden laufen Erholung, Immunantwort und Gewebereparatur häufig langsamer ab. Gleichzeitig nehmen niedriggradige entzündliche Prozesse zu. Genau an dieser Verbindung zwischen Immunsystem, Entzündung und Stoffwechsel liegt ein klassisches Einsatzgebiet des Reishi.

Viele Tierhalter berichten bei älteren Hunden von mehr Lebensfreude, besserer Belastbarkeit oder einer stabileren allgemeinen Verfassung. Solche Erfahrungen lassen sich nicht auf einen einzelnen Wirkmechanismus reduzieren. Sie passen aber zu der traditionellen Verwendung des Reishi als stärkender und ausgleichender Pilz.

Er ist dabei kein pauschales „Anti-Aging-Mittel“. Richtig ausgewählt kann er jedoch ein wertvoller Begleiter für alte Hunde sein – besonders dann, wenn nicht ein einzelnes Symptom, sondern die allgemeine Widerstandskraft unterstützt werden soll.


Reishi für Hunde: Pulver oder Extrakt?

Ob Reishi als Pulver oder Extrakt gegeben wird, ist keine nebensächliche Produktfrage. Die Zubereitung bestimmt, welche Bestandteile dem Hund in welcher Form zur Verfügung stehen.

Der feste Fruchtkörper des Reishi besteht aus widerstandsfähigen Pilzzellwänden. Durch das feine Vermahlen entsteht zwar ein gut verfütterbares Pulver, die enthaltenen Stoffe werden dadurch aber noch nicht vollständig herausgelöst. Bei einem Extrakt übernimmt bereits die Herstellung einen Teil dieser Arbeit.


Reishi-Pulver

Für Reishi-Pulver wird der getrocknete Fruchtkörper fein gemahlen. Es enthält das natürliche Zusammenspiel der verschiedenen Pilzbestandteile und wird traditionell gerne über einen längeren Zeitraum gegeben.

Pulver eignet sich vor allem für eine sanfte, breit angelegte Begleitung. Es lässt sich gut unter feuchtes Futter mischen, schmeckt allerdings deutlich bitter. Empfindliche Hunde sollten zunächst nur eine kleine Menge erhalten.

Wie viele β-Glucane und Triterpene tatsächlich enthalten sind, kann je nach Pilzart, Anbau, Erntezeitpunkt und Verarbeitung stark schwanken. Die Bezeichnung „Pilzpulver“ allein ist deshalb noch kein Qualitätsnachweis.


Heißwasserextrakt

Bei der Heißwasserextraktion werden vor allem wasserlösliche Bestandteile aus den Pilzzellwänden herausgelöst. Dazu gehören insbesondere die β-Glucane, die für die Kommunikation mit dem Immunsystem interessant sind.

Ein guter Heißwasserextrakt ist konzentrierter als gewöhnliches Pilzpulver. Er kann deshalb bereits in deutlich kleineren Mengen relevante Bestandteile liefern. Ein angegebenes Extraktionsverhältnis wie 8:1 oder 10:1 beschreibt jedoch nur, wie viel Ausgangsmaterial für den Extrakt verwendet wurde. Es sagt noch nicht, wie viele β-Glucane das fertige Produkt tatsächlich enthält.


Reishi-Dualextrakt

Ein Dualextrakt verbindet die Extraktion mit heißem Wasser und Alkohol. Dadurch sollen neben den wasserlöslichen β-Glucanen auch die schlechter wasserlöslichen Triterpene erfasst werden.

Gerade beim Reishi ist das sinnvoll, weil seine Ganodersäuren einen wesentlichen Teil seines besonderen Wirkstoffprofils ausmachen. Soll der Pilz beispielsweise wegen entzündlicher Prozesse, allergischer Reaktionen oder begleitend bei Hautproblemen eingesetzt werden, ist ein ausgewiesener Triterpengehalt besonders interessant.

Ein Dualextrakt ist jedoch nicht automatisch besser als jeder andere Extrakt. Entscheidend bleibt, ob der Hersteller nachvollziehbar angibt, welche Stoffe enthalten sind und wie sie bestimmt wurden.


Fruchtkörper oder Myzel?

Der sichtbare Pilz ist der Fruchtkörper. Das Myzel ist das feine Pilzgeflecht, das den Nährboden durchzieht. Beide können Inhaltsstoffe bilden, ihre Zusammensetzung ist jedoch nicht identisch.

Beim Reishi ist der Fruchtkörper besonders interessant, weil er gewöhnlich ein breiteres Spektrum an Triterpenen enthält. Myzelprodukte sind nicht grundsätzlich wirkungslos. Problematisch wird es aber, wenn das Myzel auf Getreide gezüchtet und anschließend zusammen mit großen Mengen des Nährbodens vermahlen wird. Ein solches Produkt kann überwiegend Stärke enthalten, obwohl auf der Verpackung groß „Reishi“ steht.

Auf dem Etikett sollte deshalb eindeutig erkennbar sein:

  • ob Fruchtkörper, Myzel oder beides verarbeitet wurde,

  • auf welchem Substrat das Myzel gewachsen ist,

  • ob ein Pulver oder Extrakt vorliegt,

  • wie der Extrakt hergestellt wurde,

  • wie hoch der Gehalt an β-Glucanen und möglichst auch Triterpenen ist.

Die Angabe „Polysaccharide“ reicht mir nicht. Auch Stärke und andere Kohlenhydrate gehören zu den Polysacchariden. Aussagekräftiger ist ein tatsächlich gemessener β-Glucangehalt.


Reishi allein oder als Pilzmischung?

Reishi wird häufig mit anderen Vitalpilzen kombiniert. Solche Mischungen können sinnvoll sein, wenn sich die ausgewählten Pilze in ihrem Wirkstoffprofil ergänzen. Mehr Pilze bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Wirkung.

Enthält eine Mischung fünf oder sechs verschiedene Pilze, bleibt von jedem einzelnen möglicherweise nur eine geringe Menge übrig. Außerdem lässt sich schlechter erkennen, welcher Pilz gut vertragen wird und welcher möglicherweise Beschwerden verursacht.

Für einen gezielten Einsatz verwende ich Reishi deshalb häufig zunächst allein. Eine Mischung wähle ich nur, wenn jeder enthaltene Pilz eine nachvollziehbare Aufgabe hat und in einer sinnvollen Menge enthalten ist.


Welche Reishi-Qualität verwende ich?

Bei Vitalpilzen ist mir die Herkunft besonders wichtig. „Hergestellt in Deutschland“ oder „in Europa geprüft“ bedeutet nicht automatisch, dass auch der verwendete Pilz in Europa angebaut wurde. Der Rohstoff kann aus asiatischem Anbau stammen und erst anschließend hier extrahiert oder abgefüllt worden sein.

Ich verwende und empfehle ausschließlich Reishi-Produkte, deren Pilzrohstoff aus kontrolliertem europäischem Anbau stammt. Eine Abfüllung, Extraktion oder Laborprüfung in Europa genügt mir nicht, wenn der eigentliche Pilz außerhalb Europas angebaut wurde.

Darüber hinaus achte ich auf:

  • eine nachvollziehbare Angabe der Pilzart,

  • die Verwendung des Fruchtkörpers,

  • eine klare Herkunftsangabe zum Rohstoff,

  • das verwendete Extraktionsverfahren,

  • einen ausgewiesenen β-Glucangehalt,

  • bei Reishi möglichst auch Angaben zu den Triterpenen,

  • unabhängige Analysen auf Schwermetalle, Pestizide und mikrobiologische Belastungen,

  • möglichst wenige Träger- und Zusatzstoffe.

Ein hochwertiges Produkt erkennt man nicht an einem besonders prachtvollen Etikett, sondern daran, wie offen der Hersteller über seinen Rohstoff und dessen Verarbeitung informiert.


Reishi für Hunde richtig anwenden

Reishi-Pulver und Extrakte können unter das Futter gemischt werden. Wegen des bitteren Geschmacks empfiehlt es sich, mit einer kleinen Menge zu beginnen und diese langsam zu steigern. Feuchtes Futter eignet sich meist besser als Trockenfutter, weil sich das Pulver darin gleichmäßiger verteilen lässt. Akzeptiert der Hund Kapseln lässt sich damit der bittere Geschmack sehr gut umgehen.

Die Tagesmenge kann auf zwei Mahlzeiten verteilt werden. Das ist besonders bei empfindlichen Hunden sinnvoll und erleichtert die Verträglichkeit.

Eine Wirkung lässt sich nicht immer nach wenigen Tagen beurteilen. Reishi wird in der Mykotherapie häufig kurweise über mehrere Wochen oder als längerfristige Begleitung eingesetzt. Wie lange die Gabe sinnvoll ist, hängt vom Ziel, der Erkrankung und der Reaktion des Hundes ab.


Getrocknete Reishi-Scheiben neben einer Schale mit Reishi-Pulver
Getrockneter Reishi kann als fein vermahlenes Pilzpulver verwendet oder zu einem Extrakt weiterverarbeitet werden.

Wie wird Reishi für Hunde dosiert?

Eine allgemeingültige Grammangabe für alle Reishi-Produkte wäre wenig hilfreich. Ein einfaches Pilzpulver, ein konzentrierter Heißwasserextrakt und ein Dualextrakt unterscheiden sich erheblich. Auch zwei Extrakte mit demselben Extraktionsverhältnis können verschiedene Mengen an β-Glucanen und Triterpenen enthalten.

In der bisher veröffentlichten Hundestudie wurden gesunden Beagles täglich 5, 10 oder 15 mg Reishi-Zubereitung je Kilogramm Körpergewicht gegeben. Die deutlichsten Veränderungen einzelner Immunparameter zeigten sich bei 15 mg/kg. Diese Menge ist jedoch eine Studiendosierung für das dort untersuchte Produkt und keine pauschale Dosierempfehlung für jedes Reishi-Präparat.

Für die praktische Anwendung orientiere ich mich deshalb an der Konzentration und Deklaration des konkreten Produktes. Der Hund erhält zunächst etwa ein Viertel bis die Hälfte der vorgesehenen Tagesmenge. Wird diese gut vertragen, kann die Menge über mehrere Tage langsam gesteigert werden.

Bei sehr kleinen, empfindlichen oder bereits schwer erkrankten Hunden sowie bei gleichzeitiger Medikamentengabe sollte die Dosierung individuell festgelegt werden.


Kann Reishi Nebenwirkungen haben?

Reishi wird von vielen Hunden gut vertragen. Zu Beginn können dennoch weicher Kot, Blähungen, Übelkeit oder eine vorübergehende Futterverweigerung auftreten. Häufig hilft es, die Menge wieder zu reduzieren und langsamer zu steigern. Bleiben die Beschwerden bestehen, wird das Produkt abgesetzt.

Besondere Vorsicht ist sinnvoll:

  • bei bekannten Pilzallergien,

  • bei Blutgerinnungsstörungen,

  • vor geplanten Operationen,

  • bei gleichzeitiger Gabe gerinnungshemmender Medikamente,

  • bei sehr niedrigem Blutdruck,

  • bei Medikamenten gegen Diabetes,

  • bei immunsuppressiver Behandlung,

  • während Trächtigkeit und Säugezeit.

Die alte pauschale Aussage, Reishi dürfe grundsätzlich nicht zusammen mit Blutverdünnern gegeben werden, würde ich so nicht mehr übernehmen. Hinweise auf eine mögliche Beeinflussung der Blutgerinnung stammen überwiegend aus experimentellen Untersuchungen. Bei entsprechenden Erkrankungen oder Medikamenten sollte die Kombination dennoch vorher tierärztlich abgeklärt werden.

Auch bei Autoimmunerkrankungen ist eine individuelle Einordnung wichtig. „Immunmodulierend“ bedeutet nicht automatisch, dass Reishi für jede Erkrankung geeignet ist, an der das Immunsystem beteiligt ist.


Reishi in der traditionellen Heilkunde

In China blickt der Reishi auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurück. Bereits im alten Arzneibuch Shen Nong Ben Cao Jing wurde Ling Zhi zu den besonders wertvollen Heilmitteln gezählt. Er stand für Lebenskraft, Langlebigkeit und geistige Ruhe und wurde in der chinesischen Kunst zu einem Symbol für Glück und ein langes Leben.

Diese Vorstellungen lassen sich nicht eins zu eins in moderne Wirkungsversprechen übersetzen. Sie zeigen aber, dass Reishi traditionell nicht nur gegen eine bestimmte Krankheit eingesetzt wurde. Er galt vielmehr als stärkender Begleiter, der dem Organismus helfen sollte, sein Gleichgewicht und seine Widerstandskraft zu bewahren.

Genau darin liegt bis heute ein wesentlicher Teil seines naturheilkundlichen Charakters.


Ein bitterer Pilz mit besonderen Stärken

Reishi muss nicht für jede Erkrankung zuständig sein, um ein wertvoller Vitalpilz zu sein. Seine Stärke liegt in der Verbindung unterschiedlicher Inhaltsstoffe: β-Glucane sprechen das Immunsystem an, während seine bitteren Triterpene für entzündliche Prozesse, Leberstoffwechsel und allergische Reaktionen interessant sind.

Ob diese Stoffe tatsächlich im Napf ankommen, entscheidet jedoch die Produktwahl. Pilzart, Herkunft, Fruchtkörper, Extraktionsverfahren und geprüfte Wirkstoffgehalte sind wichtiger als eine lange Liste vermeintlicher Anwendungsgebiete.

Gut ausgewählt kann Reishi für Hunde ein besonderer Begleiter sein – bei älteren Tieren, in belastenden Lebensphasen und überall dort, wo Immunsystem, Stoffwechsel und Entzündungsregulation Unterstützung gebrauchen können. Und vielleicht liegt gerade darin ein kleines Stück jener Kraft, die ihm vor langer Zeit den Namen „Pilz der Unsterblichkeit“ eingebracht hat.

Quellen

Pulfer, W. M.: Mykotherapie für Tiere. Vitalpilze: Heilkraft, Wirkung und Anwendung. 2. Auflage, 2019.

Mycovet: Schulungsunterlagen zur Mykotherapie für Veterinärmediziner, Tierheilpraktiker und therapeutische Anwender.

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