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  • Sandra

Schonkost bei Exokriner Pankreasinsuffizienz des Hundes

Aktualisiert: 25. Jan.




Die Exokrine Pankreasinsuffizienz ist eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, mit der immer mehr Hunde und ihre Halter zu kämpfen haben.

Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme bis hin zur Abmagerung, große Kotmengen, Durchfälle … all dies sind nur einige der belastenden Symptome.

Die Ursachen sind genauso vielfältig wie die Symptome und die möglchen Behandlungen. Bei einer Exokrinen Pankreasinsuffizienz gibt es leider kein Patentrezept. Wichtig ist eine gute Anamnese und eine sorgfältige Begleitung und Beobachtung des Patienten.


Trotzdem möchte ich hier ein paar Ansätze zur Fütterung und Unterstützung auflisten:


Den erhöhten Tagesbedarf im Blick haben!

Bedarf ermitteln und höher (30 – 40 % über dem Mindestbedarf) ansetzen, bei Malabsorption bis es sich bessert. Das Ziel ist es, das Gewicht zu halten bzw. eine Gewichtszunahme zu erreichen und Durchfälle und Abmagerung zu verhindern.

In der ersten Phase den Hund durch Schonkost entlasten und stabilisieren:


Beispielhund Zielgewicht: 35 kg


Futtermenge Schonkost nach Dr. J. Fritz(1):

Mageres Fleisch bzw. Reinfleisch-Dose

450 g

Gekochter Reis

700 g

Hüttenkäse u/o Magerquark

250 g

Ergibt eine Gesamtfuttermenge von 1.400 g


Futtermenge Ration für Hunde mit gering- bis mittelgradiger EPI nach Meyer/Zentek(2)

(rechte Spalte inkl. 40 % Zuschlag wegen Abmagerung):

Putenfleisch

266 g

445 g

Ei, gekocht

95 g (2 Eier Größe M)

​95 g (2 Eier Größe M)

Magerquark

95 g

160 g

Haferflocken (o. Reis)

304 g

500 g

Möhren

47,5 g

80 g

Ergibt eine Gesamtfuttermenge von 807,5 g + 40% Zuschlag wegen Malabsorption(3) = gerundet ca. 1.300 g


Fütterungsregime


Frequenz: Kleinere Portionen, 3 –4 x pro Tag können besser von den Verdauungsenzymen durchdrungen und aufgeschlüsselt werden.

Temperatur: Das Futter sollte zimmerwarm verfüttert werden, nicht aus dem Kühlschrank.

Zeitpunkt: Regelmässig zu möglichst gleichen Zeiten, da sich die Verdauungssaftsekretion an bestimmte Zeiten gewöhnt (bedingter Reflex).


Enzymzugabe

Eine Enzymsubstitution ist bei der EPI notwendig. Es existieren unterschiedliche Aussagen dazu, ob eine Substitution das Pankreas dazu veranlasst, noch weniger Enzyme zu produzieren oder nicht bzw. ob eine EPI heilbar ist oder nicht.

Unzweifelhaft ist, dass die Enzyme zugesetzt werden müssen, damit nicht unaufgeschlossene Nahrung in den Darm gelangt. Die Folgen hiervon sind: Mangelernährung da die Nahrungsbestandteile nicht resorbiert werden können, Fehlbesiedlung des Darms mit (potentiell) pathogenen Keimen, Dysbakterie, Durchfälle durch ein verändertes osmotisches Verhältnis im Darm u.v.m.


Der saure Magensaft kann die Enzyme in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigen: Im Magen herrscht ein saures Milieu, die Enzyme benötigen jedoch den alkalisierenden Bereich durch das vom Pankreas ebenfalls sezernierten Natriumbikarbonat. So kommen nur 10 – 20 % der zugeführten Enzyme im Dünndarm funktionsfähig an (4). Aus diesem Grund werden häufig Säureblocker eingesetzt.


Tip: Verdauungsenzyme aus Pilzen sind säurestabil und benötigen keine Säureblocker! Herbazym von Vetscreen ist auf Basis von Pilzkulturen hergestellt!


Abhilfe: die Enzyme ins Futter mischen für eine "externe Vorverdauung" und stehen lassen(5). Dies führt zu einem säuerlichen Geruch -> prüfen, ob es den Hund stört:

  • Mindestens 30 Minuten vor Fütterung

  • bis zu 4 Stunden bei Raumtemperatur oder

  • 12 Stunden im Kühlschrank


Die Futterbestandteile


Die Eigenschaften

Das Futter soll besonders leicht verdaulich sein. Was heißt das genau? Leicht verdaulich bedeutet,

  • dass der Körper bei der Aufschlüsselung besonders weniger "Aufwand" in Form von Verdauungssäften einsetzen muss

  • dass die Aminosäuren in einem optimalen Verhältnis vorliegen

  • dass alle Grundnährstoffe (v. a. Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate) in ausreichenden Mengen, im optimalen Verhältnis zueinander und nicht zu viel enthalten sind

  • dass wenig, bzw. genau ausreichend Faserstoffe enthalten sind

  • dass bei der Verdauung möglichst wenig belastende Abfallprodukte entstehen


Tierisches Eiweiß | Fleisch

Hoch verdaulich

Magere Sorten wie Hühnerfleisch, Putenfleisch, Wildfleisch, Pferdefleisch, Hühner- und Putenmägen, Leber und Nieren, Dosenfleisch aus diesen Sorten

Weniger hoch verdaulich

Sehniges Fleisch, bzw. Fleisch mit hohem Kollagenanteil, Pansen und Blättermagen (viel Keratin und Bindegewebe)

Schwerer verdaulich

Lunge und Euter

Besonders schwer verdaulich

Rinderohren, Büffelhaut, Nasen, alle Kauartikel mit "Fell"

Tierisches Eiweiß | Milchprodukte und Eier

Hoch verdaulich

​Ei komplett (weich gekocht), Hüttenkäse, Quark, Kefir, Buttermilch und Joghurt mit geringem Fettgehalt

Weniger hoch verdaulich

Laktosehaltige Milchprodukte

Schwerer verdaulich

Hartkäse (durch den höheren Fettgehalt), Ei (hart gekocht)

Fett

Unter ausreichender Enzymsubstitution ist sowohl pflanzliches als auch tierisches Fett unkritisch. Das Linolsäureangebot soll bei Hunden mit EPI bis zu 50 % über dem Mindestbedarf liegen (Linolsäurehaltige Öle sind zum Beispiel Distelöl, Hanföl, Sonnenblumenöl)(7).


Der pflanzliche Anteil

Bei der Verfütterung von pflanzlichen Bestandteilen ist darauf zu achten, dass die Kohlehydrate, bzw. die Stärke in bereits aufgeschlossener Form verfüttert werden:

  • Gemüse weich kochen oder sehr fein, sämig pürieren (Aufschluss der Fasern und Pflanzengewebe)

  • Stärkehaltige Kartoffeln und Reis sehr weich kochen ("überkochen", 10 Minuten länger als in der menschlichen Ernährung)

  • keine pflanzliche Nahrung mit besonders hohem Faseranteil füttern

Wenn der pflanzliche Anteil nicht richtig aufgespalten in den Darm gelangt, entststeht oft säuerlich riechender Kot, bzw. Durchfall. Daher muss bei einer EPI der (schwerer) verdauliche pflanzliche Nahrungsanteil, insbesondere der mit einem hohen Ballaststoffgehalt bei aktuten Krankheitsverläufen vermieden bzw. kurzfristig reduziert werden.

Sonstige pflanzliche Bestandteile | Ballaststoffe


Ballaststoffe sind lebensnotwendig, aber es sind langkettige und unverdauliche Kohlenhydrate! Deshalb ist es wichtig bei einem kranken Tier in einer akuten Krankheitsphase nur die absolut notwendige Mengen an Ballaststoffen zu füttern ! Ein hoher Pflanzenanteil, bzw. ein hoher Rohfaseranteil beeinträchtigt die Verdaulichkeit negativ. Pseudogetreide wie Hirse, Quinoa, Amaranth und Buchweizen sowie die meisten Gemüse und Obstsorten sind sehr ballaststoffreich, sie sollten weniger verfüttert werden. Der Faseranteil sollte ca. zwischen 2 % und 5 % liegen (6).


Lösliche Ballaststoffe (bspw. InuIin aus Pastinaken und Topinambur oder Pektin aus Äpfeln) binden viel Wasser und lassen bei ihrem Abbau durch die Darmbakterien kurzkettige Fettsäuren entstehen, die wichtig für die Darmschleimhaut und -flora sind.

Zu den unlöslichen Ballaststoffen zählen die Zellulose und die Hemizellulose. Diese binden weniger Wasser, werden schlechter zersetzt und dienen zur Anregung der Darmtätigkeit und fördern somit die Ausscheidung.


>> Fazit: hohe Ballaststoffanteile durch einen hohen pflanzlichen Anteil führen zu einem höheren Kotvolumen und zu weicherem Kot. Verstärkt durch die mangelnde KH-Aufspaltung (mit Dysbiose) und die Unverdaulichkeit der Ballaststoffe sind hohe (!) pflanzliche Anteile bei einer EPI im Akutfall u. U. negativ zu bewerten.


>> Dies erklärt auch den augenscheinlich geringen Anteil an Möhren in der von Meyer/Zentek empfohlenen Schonkostration, bzw. die Angabe zu "poliertem Reis", denn bei diesem werden ja auch die ballaststoffreichen Randschichten entfernt (siehe oben).


Empfehlungen diverser Autoren:

Flohsamen: keine oder nur geringe Mengen Flohsamen (1 TL pro 10kg KG)

Leinsamen: als Leinsamenschleim (3 Teile Wasser, 1 Teil Leinsamen, einweichen und nach einiger Zeit Leinsamen abschütten und nur den Schleim verfüttern)

Haferflocken: Haferschleim aus Feinblattflocken kochen (kein Vollkorn, keine Haferkleie, da hier der Anteil an Ballaststoffen im Verhältnis zu hoch ist), Kochen schließt die Stärke schon vor der Verdauung auf, Haferflocken enthalten viel gut verdauliches Fett und besonders viel Zink und lösliche Ballaststoffe.)


Pflanzliches Eiweiß

Bei einer EPI sollten keine pflanzlichen Eiweiße gefüttert werden:

  • kein Soja, keine Sojaextrakte

  • keine Vollkornprodukte (Vollkornhaferflocken, Vollkornreis etc.)

  • keine pflanzlichen Eiweißextrakte (Erbsenprotein, Weizenprotein etc.)

Ballaststoffarme Gemüse und Kohlenhydrate für Schonkost

  • Stark wasserhaltige Gemüsesorten, z.B. Zucchini, Kürbis, Blattsalate, Gurken (geschält, ohne Kerne)

  • Kartoffeln (gekocht, geschält)

  • Weißer Reis, lange gekocht

  • Haferflockenbrei/schleim (aus Feinblatthaferflocken)

  • Apfelmus (ohne Schale)


Kritische Nährstoffe

Bei einer EPI kann es zu einer Mangelversorgung mit

  • fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K kommen (durch die mangelnde Fettaufspaltung)

  • Vitamin B12 (dieses wird normalerweise durch einen von der Bauchspeicheldrüse abgegebenen Intrinsicfaktor resorbiert, dieser fehlt u. U. bei einer EPI)

  • Spurenelemente, v. a. Zink

  • Vitamin K (durch gestörte Darmflora, die normalerweise Vitamin K selbst bildet)

Kalium, Natrium und Chlorid kann bei lang anhaltenden Durchfällen kritisch werden (8).

Bei Vitamin B12 beachten: fehlt der Intrinsic Factor nützt auch eine Supplementierung über das Futter u. U nichts; hier muss das Vitamin B12 gespritzt werden (9).



Was tun, wenn der Durchfall anhält?


Bekommt der Hund ausreichend und angemessen Enzyme, sollte sich der Kotabsatz/Durchfall nach einigen Tagen schnell bessern. Wichtig ist es, wirklich eine ausreichende Menge an Enzymen zu füttern. Hier muss man ggf. etwas probieren, welche Zugabe ausreichend ist.


Das Anhalten von Durchfällen oder das wiederkehrende Auftreten von Durchfällen kann weitere Gründe haben:

  • Häufige Futterwechsel

  • Zu viele Bestandteile und Ergänzungen (Belastung des Darms)

  • Dysbiose aufgrund der Überschwemmung des Darms mit unverdaulichen Bestandteilen

  • Besiedlung mit Krankheitskeimen und Parasiten in Folge


Überlegungen zu üblichen Futtermittel und Futterergänzungen


Flohsamen: siehe oben, sehr hoher Faseranteil

Leinsamenschleim: bindet Toxine, bildet schützenden Schleim auf der Mucosa

Heilerde: Wirkung beruht auf Bindung von Toxinen, bindet auch Nährstoffe (Einsatz überdenken)

Kohletabletten, Kaffeekohle: Wirkung beruht auf Bindung von Toxinen, bindet auch Nährstoffe (Einsatz überdenken)

Ulmenrinde: entzündungshemmend, bildet einen Schleim, "Abdichtung" auf geschädigter Schleimhaut, verhindert dadurch aber auch die Aufnahme von Nährstoffen (Einsatz überdenken)

Fermente, fermentierte Kräuter, EM: fermentierte Produkte sind sehr gute Präbiotika

(Tipp bzgl. der Kräuterauswahl/auch preislich: https://www.hundefreuden.de/waldkraft-floratur-wildkraut )

Heilmoor: Huminsäuren wirken schleimhautpflegend, antientzündlich und beruhigend

Kräuter: Schleimdrogen verwenden (Eibisch-Wurzel; diese kann als pflanzliche Alternative zu Säureblockern für den Magen eingesetzt werden! (9)), Kamille und Salbei gegen Bauchschmerzen und Entzündungen, Oregano gegen Keime, Fenchel, Anis sowie Kümmel zur Förderung der Eiweißverdauung sowie zur Entspannung der Muskulatur im Magen-Darm-Traktes (blähungswidrig), gerbbstoffhaltige Drogen bei Durchfällen, Labkraut (frisch, zur dauerhaften Unterstützung geeignet)

Grapefruitkernextrakt: gegen schädliche Darmkeime, schädigt nicht die Darmflora!

Bierhefe: Eiweißreich, nährstoffreich, aber auch allergische Reaktionen auf Hefeeiweiß möglich, negative Effekte bei bestehender Fehlbesiedlung im Darm möglich (erzeugt dann Blähungen und Durchfälle)

Moro´sche Suppe: basiert auf der Bindung von Bakterien, so dass diese aus dem Darm geschleust werden, bei Dysbiose sinnvoll, unwirksam bei Giardien

Heilpilze: Coprinus, Agaricus Blazeii Murill, Hericium, Shiitake



Beispiel-Umstellung: Einführung von Enzymen


Ziel: Darm beruhigen, Enzyme auf richtigen Bedarf einstellen, mögliche Fehlbesiedlung im Darm langfristig umstellen


Wichtig: Durch eine eingeschränkte Auswahl an Futterbestandteilen wird der Verdauungstrakt des Hundes entlastet und man kann besser feststellen, welche Mittel verträglich sind und welche nicht so gut verdaut werden.


Erster Tag: Moro´sche Karottensuppe mit etwas Salz, evtl. ein weich gekochtes Ei oder fasten oder nur Brühe


Woche 1: 1 Fleischart (Dose) und 1 Kohlenhydratsorte verfüttern (Sorte: was er bislang vertragen hat (bspw. Reinfleischdose (Sorte ggf. überdenken) und Haferflocken als gekochter Brei), 1 Gemüse auswählen Zucchini, Kürbis oder Möhre kochen (kann man vorkochen und einfrieren) - nur, was bislang keine Probleme gemacht hat

Obstsorte auswählen und Äpfel schälen und reiben, keine weiteren Ergänzungen durcheinander geben, evtl. die Verteilung zugunsten Fleisch verschieben oder umgekehrt, je nachdem, was besser vertragen wird!

– dazu die Enzyme laut Empfehlung des Herstellers

Woche 2 – 3: Schonkost wie oben, Ei ergänzen, langsam neue Gemüse ergänzten, Salate, keine weiteren Ergänzungen durcheinander geben (außer die fermentierten Kräuter, solange er sie bislang vertragen hat)

– dazu die Enzyme laut Empfehlung des Herstellers


Woche 4: Weiter Schonkost wie oben, Ei ergänzen, frische Kräuter ergänzen (Löwenzahn, Labkraut (!), keine weiteren Ergänzungen durcheinander geben (außer die fermentierten Kräuter, solange er sie bislang vertragen hat)

– dazu die Enzyme laut Empfehlung des Herstellers


Beobachten, bei welcher Enzymmenge es dem Hund am besten geht, keine weiteren Ergänzungen durcheinander geben (außer die fermentierten Kräuter, solange er sie bislang vertragen hat), Mengen anpassen, Nährstoffe im Blick behalten, Supplemente nur sparsam einsetzen


Tipp: Futtertagebuch führen


Später: Vitalpilze ABM und Coprinus (Pankreas) und Hericium (Schleimhäute) als Dauerunterstützung zur Darmpflege und Entgiftung.


Quellen:

(1) Dr. med. Julia Fritz: Hunde barfen, 2. Auflage, 2018

(2) Meyer/Zentek: Ernährung des Hundes, 8. Auflage, 2016

(3) Meyer/Zentek, S. 243

(4) Meyer/Zentek, S. 242

(5) Dr. med. Julia Fritz, S. 168

(6) https://www.drhoelter.de/tierarzt/tierkrankheiten/pankreasinsuffizienz-beim-hund.html#toc_10

(7) Meyer/Zentek, S. 241

(8) Meyer/Zentek, S. 242

(9) Dr. med. vet. Alexandra Nadig: Heilpflanzen für Hunde, 2018, S. 130


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