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Kalziumoxalatsteine beim Hund

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • 7. Dez. 2021
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Juli

Fallbeispiel Finja – Futterumstellung bei Kalziumoxalatsteinen

Wie kann die Fütterung eines Hundes angepasst werden, bei dem Kalziumoxalatsteine festgestellt wurden? Das folgende Fallbeispiel der Hündin Finja zeigt, welche Fragen zunächst geklärt werden sollten und welche ernährungsbezogenen Maßnahmen dazu beitragen können, das Risiko einer erneuten Steinbildung zu reduzieren.


Finjas Ausgangssituation

Finja leidet seit mehreren Tagen unter schmerzhaftem und blutigem Harnabsatz. Bei der tierärztlichen Untersuchung werden eine Blasenentzündung und Blasengrieß festgestellt. Der Urin ist mit einem pH-Wert unter 5 deutlich sauer. Weitere Untersuchungen sprechen für Kalziumoxalat als mineralische Zusammensetzung der Kristalle beziehungsweise Steine.

Der Tierarzt behandelt zunächst die akuten Schmerzen und die Entzündung und empfiehlt anschließend ein therapeutisches Diätfutter. Finjas Halterin ist jedoch unsicher, weil die Hündin in der Vergangenheit auf Futterwechsel und verschiedene Trockenfuttersorten mit Verdauungsproblemen reagiert hat.

Bislang erhält Finja zwei unterschiedliche Mahlzeiten pro Tag:

  • eine Mahlzeit aus einem halbfeuchten Alleinfuttermittel mit Ente,

  • eine selbst zubereitete Mahlzeit aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Milchprodukten.


Damit stellen sich zunächst zwei getrennte Fragen:

  1. Wie müssen die akuten Beschwerden tierärztlich behandelt und überwacht werden?

  2. Wie kann Finjas langfristige Fütterung so gestaltet werden, dass ihr Urin möglichst verdünnt bleibt und die Bedingungen für eine erneute Kalziumoxalatbildung ungünstiger werden?


Junger Hund trinkt aus einem Wassernapf im Garten.
Ausreichendes Trinken ist ein zentraler Bestandteil der Vorbeugung von Kalziumoxalatsteinen beim Hund.

Was sind Kalziumoxalatsteine?

Kalziumoxalatsteine gehören zu den häufigsten Harnsteinarten beim Hund. Sie entstehen, wenn der Urin mit Kalzium und Oxalat übersättigt ist und sich daraus zunächst Kristalle und später feste Steine bilden. Die Entstehung ist multifaktoriell: Urinkonzentration, Mineralstoffausscheidung, Stoffwechsel, genetische Veranlagung, Erkrankungen, Medikamente und Ernährung können daran beteiligt sein.

Anders als bestimmte Struvitsteine lassen sich Kalziumoxalatsteine nicht durch eine spezielle Diät auflösen. Bereits vorhandene Steine müssen – abhängig von Größe, Anzahl, Lage und Beschwerden – tierärztlich entfernt oder anderweitig behandelt werden. Die Ernährung dient vor allem dazu, das Risiko neuer Steine und das Wachstum verbliebener Kristalle zu verringern.

Der wichtigste ernährungsbezogene Ansatz ist dabei ein möglichst verdünnter Urin. Für Hunde mit Kalziumoxalatsteinen wird häufig eine Urindichte unter 1,020 angestrebt. Eine wasserreiche Fütterung und eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme gehören deshalb zu den zentralen Maßnahmen.


Was bei Finja zuerst geklärt werden muss

Bevor einzelne Lebensmittel, Kräuter oder Ergänzungsmittel ausgewählt werden, sollte geklärt werden, welche Befunde tatsächlich vorliegen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Lage, Größe und Anzahl der Steine beziehungsweise Kristalle,

  • vollständige Urinuntersuchung einschließlich spezifischem Gewicht,

  • gegebenenfalls eine Urinkultur zum Ausschluss einer bakteriellen Infektion,

  • Blutwerte einschließlich Kalzium und Nierenparameter,

  • mögliche Medikamente oder Vorerkrankungen,

  • genaue Zusammensetzung der bisherigen Gesamtration,

  • Trinkmenge und Häufigkeit des Harnabsatzes.

Das ist wichtig, weil eine Blasenentzündung nicht automatisch eine bakterielle Infektion bedeutet. Kristalle und Steine können die Blasenschleimhaut mechanisch reizen und dadurch Entzündung, Schmerzen und Blut im Urin verursachen. Eine antibiotische Behandlung wäre daher nur bei entsprechendem bakteriologischem Befund sinnvoll.


Welche Faktoren können Kalziumoxalatsteine beim Hund begünstigen?


Konzentrierter Urin

Eine geringe Wasseraufnahme und seltenes Harnabsetzen erhöhen die Konzentration steinbildender Substanzen im Urin. Dieser Faktor ist besonders relevant, weil er sich durch die Fütterung und den Alltag häufig direkt beeinflussen lässt. Wasser kann mit wenig Fleischbrühe, Kefir oder einer kleinen Menge Apfelessig geschmacklich aufgewertet werden, sofern Finja dies gut annimmt und verträgt. Im Vordergrund steht dabei die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme.


Stoffwechsel und Erkrankungen

Eine erhöhte Kalziumausscheidung im Urin kann unter anderem im Zusammenhang mit einer Hyperkalzämie, einem primären Hyperparathyreoidismus oder bestimmten hormonellen Erkrankungen auftreten. Solche Ursachen müssen tierärztlich abgeklärt werden und lassen sich nicht allein durch eine Futterumstellung behandeln.


Ernährung und Supplemente

Sehr hohe oder unausgewogene Gaben von Kalzium, Vitamin D, Vitamin C, Natrium oder stark oxalatreichen Lebensmitteln können ungünstig sein. Daraus folgt jedoch nicht, dass Kalzium grundsätzlich möglichst stark reduziert werden sollte. Eine zu geringe Kalziumversorgung kann die Oxalataufnahme aus dem Darm sogar erhöhen, weil weniger Oxalat bereits im Verdauungstrakt an Kalzium gebunden wird. Entscheidend ist daher eine bedarfsdeckende, kontrollierte Versorgung – nicht eine pauschal kalziumarme Fütterung.


Erhöhte körpereigene Oxalatbildung

Ein erheblicher Teil der renal ausgeschiedenen Oxalate kann aus dem Glycinstoffwechsel stammen. Da Glycin besonders reichlich im Kollagen von Bindegewebe vorkommt, sollten bei disponierten Hunden sehr bindegewebsreiche Schlachtnebenprodukte begrenzt und gut verdauliche, hochwertige Proteinquellen bevorzugt werden.


Individuelle und genetische Faktoren

Bestimmte Rassen, männliche Hunde sowie Tiere mit vorausgegangenen Kalziumoxalatsteinen besitzen ein erhöhtes Wiederholungsrisiko. Auch die individuelle Ausscheidung von Kalzium, Oxalat und steinhemmenden Substanzen wie Citrat spielt eine Rolle.


So könnte eine Unterstützung für Finja aussehen


Schritt 1: Akute Beschwerden behandeln und die Flüssigkeitsaufnahme erhöhen

Im akuten Stadium müssen zunächst Finjas Schmerzen, die Entzündung der Blase und mögliche Abflussstörungen tierärztlich behandelt werden. Kalziumoxalatsteine lassen sich durch eine Futterumstellung nicht auflösen. Je nach Größe, Lage und Anzahl der Steine können deshalb weitere tierärztliche Maßnahmen erforderlich sein.

Auch sollte geklärt werden, ob zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt. Blut im Urin und entzündliche Veränderungen können durch die mechanische Reizung der Blasenschleimhaut entstehen und bedeuten nicht automatisch, dass Bakterien beteiligt sind. Eine Urinkultur kann hier wichtige Hinweise liefern.

Für die Fütterung steht zunächst ein Ziel im Vordergrund:

Finja soll möglichst viel Flüssigkeit aufnehmen, damit der Urin verdünnt und die Konzentration steinbildender Substanzen verringert wird.


So lässt sich die Trinkmenge erhöhen

Finja sollte an mehreren Stellen im Haus frisches Wasser angeboten bekommen. Unterschiedliche Näpfe und Standorte können dazu beitragen, dass ein Hund häufiger trinkt.

Das Wasser kann bei Bedarf geschmacklich interessanter gemacht werden, beispielsweise mit:

  • etwas ungesalzener Fleischbrühe,

  • einer kleinen Menge Kefir,

  • wenig Leberwurst,

  • einer geringen Menge Apfelessig, sofern Finja ihn verträgt und dadurch tatsächlich mehr trinkt.

Der Apfelessig dient dabei in erster Linie der Geschmacksverbesserung und Trinkförderung. Er sollte jedoch nicht als verlässliche Methode zur gezielten Einstellung des Urin-pH-Wertes verstanden werden.

Auch ungewürzte Kräutertees können als zusätzliche Flüssigkeitsquelle angeboten werden, wenn Finja sie gern annimmt. Nicht jeder Hund akzeptiert den Geruch und Geschmack, weshalb solche Getränke langsam und in kleinen Mengen ausprobiert werden sollten.


Trockenfutter ausreichend einweichen

Solange Finja noch Trockenfutter erhält, sollte es mit reichlich Wasser eingeweicht werden. Als Orientierung kann etwa ein Teil Trockenfutter mit drei Teilen Wasser vermischt werden, sofern sie die breiige Konsistenz akzeptiert.

Das Wasser sollte vollständig mit aufgenommen werden. Bleibt es regelmäßig im Napf zurück, muss eine andere Form der Trinkförderung gefunden oder die Fütterung schrittweise auf eine wasserreichere Ration umgestellt werden.


Wasserreiche Futterbestandteile nutzen

Zusätzlich können gut verträgliche, wasserreiche Futtermittel eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise kleine Mengen Gurke, Zucchini oder geeignete Gemüsebreie.

Solche Ergänzungen ersetzen jedoch keine ausgewogene Gesamtration. Sie dienen vor allem dazu, die Flüssigkeitsaufnahme kurzfristig zu unterstützen und Finja langsam an eine feuchtere Fütterungsform zu gewöhnen.


Häufiges Harnabsetzen ermöglichen

Finja sollte regelmäßig die Gelegenheit bekommen, ihre Blase vollständig zu entleeren. Langes Einhalten führt dazu, dass der Urin länger in der Blase verbleibt und sich gelöste Mineralstoffe stärker konzentrieren können.

Mehrere kurze Spaziergänge über den Tag verteilt können deshalb ebenso wichtig sein wie die Umstellung der Fütterung.



Glas mit Brennnesseltee und frischen Brennnesselblättern
Brennnessel wird traditionell zur Unterstützung der Harnwege eingesetzt.


Können Heilpflanzen die Harnwege bei Blasensteinen unterstützen?

Heilpflanzen wie Brennnessel, Birkenblätter, Löwenzahn oder Goldrute werden traditionell zur Unterstützung der Harnwege und zur Förderung der Harnausscheidung eingesetzt. Sie können beispielsweise als Tee oder in einer geeigneten Kräutermischung angeboten werden, sofern Finja Geschmack und Zubereitung gut akzeptiert.


Eine solche Anwendung sollte jedoch nicht pauschal erfolgen. Entscheidend sind die genaue Diagnose, die Nierenfunktion, der Flüssigkeitshaushalt, mögliche Begleiterkrankungen und die gleichzeitig verabreichten Medikamente. Auch Pflanzen, die die Harnausscheidung fördern, sind nicht in jeder Situation sinnvoll – zum Beispiel bei eingeschränkter Nierenfunktion.


Bei Finja könnte eine zeitlich begrenzte Unterstützung mit ausgewählten Heilpflanzen ergänzend infrage kommen. Auswahl, Dosierung und Dauer sollten jedoch an ihre Befunde und die tierärztliche Behandlung angepasst werden.

Kräuter ersetzen weder die Behandlung der akuten Blasenentzündung noch die notwendige Kontrolle oder Entfernung vorhandener Steine. Sie können lediglich einen zusätzlichen Beitrag leisten, wenn sie zur Gesamtsituation des Hundes passen.


Futterumstellung bei Kalziumoxalatsteinen

Sobald Finjas akute Beschwerden behandelt sind, sollte ihre Fütterung schrittweise angepasst werden. Das wichtigste Ziel bleibt eine hohe Flüssigkeitsaufnahme, damit der Urin möglichst verdünnt wird. Daneben müssen die Nährstoffversorgung, die Auswahl der Futterbestandteile und Finjas empfindliche Verdauung berücksichtigt werden.

Eine abrupte Umstellung wäre in ihrem Fall wenig sinnvoll. Neue Futterbestandteile sollten langsam eingeführt und zunächst in kleinen Mengen getestet werden. So lässt sich besser erkennen, welche Komponenten Finja verträgt.


Wasserreiche Fütterung bevorzugen

Für Hunde mit Kalziumoxalatsteinen sind wasserreiche Mahlzeiten besonders günstig. Geeignet können ein bedarfsdeckendes Feuchtfutter oder eine individuell berechnete, selbst gekochte Ration sein.

Trockenfutter ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Es erschwert jedoch häufig das Ziel einer hohen Flüssigkeitsaufnahme. Wird es weiterhin verwendet, sollte ausreichend Wasser ergänzt werden und Finja die gesamte Flüssigkeit mit der Mahlzeit aufnehmen. Entscheidend ist letztlich, ob der Urin tatsächlich ausreichend verdünnt wird. Als Orientierungswert wird bei Hunden mit Kalziumoxalatsteinen häufig eine Urindichte unter 1,020 angestrebt.


Selbst gekochte Rationen richtig zusammenstellen

Eine selbst gekochte Fütterung kann für Finja gut geeignet sein, weil die Zutaten gezielt ausgewählt und an ihre Verträglichkeit angepasst werden können. Sie sollte jedoch nicht lediglich aus wechselnden Kombinationen von Fleisch, Gemüse, Hülsenfrüchten und Milchprodukten bestehen.

Auch eine abwechslungsreiche, frisch zubereitete Ration ist nicht automatisch bedarfsdeckend. Kalzium, Phosphor, Jod, Zink, Kupfer, Vitamine und Fettsäuren müssen in einem passenden Verhältnis enthalten sein. Ein individuell ausgewähltes Mineral- und Vitaminpräparat kann deshalb notwendig sein. Bei Kalziumoxalatsteinen sollten Ergänzungen allerdings nicht pauschal eingesetzt, sondern genau berechnet werden.

Das Ziel ist keine möglichst mineralstoffarme Fütterung, sondern eine bedarfsgerechte Versorgung ohne Überdosierungen. Besonders die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D sollte kontrolliert werden. Gleichzeitig darf Kalzium nicht so stark reduziert werden, dass die Gesamtration den Bedarf nicht mehr deckt.


Proteinqualität statt pauschaler Fleischreduktion

Finja benötigt weiterhin ausreichend hochwertiges Eiweiß. Eine generelle eiweißarme oder purinarme Fütterung ist bei Kalziumoxalatsteinen nicht automatisch erforderlich.

Meyer und Zentek weisen jedoch darauf hin, dass ein großer Teil der über die Nieren ausgeschiedenen Oxalate aus dem Glycinstoffwechsel stammt. Glycin kommt besonders reichlich im Kollagen des Bindegewebes vor. Bei disponierten Hunden sollten deshalb sehr bindegewebsreiche Futterbestandteile begrenzt werden.

Dazu zählen beispielsweise größere Mengen an:

  • Euter,

  • Lunge,

  • Haut und Sehnen,

  • Knorpel,

  • kollagenreichen Kauartikeln,

  • stark bindegewebshaltigen Schlachtnebenprodukten.

Bevorzugt werden gut verdauliche Proteinquellen mit einem hohen Anteil an Muskelfleisch. Dabei geht es nicht darum, einzelne Futtermittel vollständig zu verbieten, sondern ihren Anteil in der Gesamtration sinnvoll zu begrenzen.


Oxalsäurereiche Lebensmittel reduzieren

Lebensmittel mit einem hohen Oxalsäuregehalt sollten nicht regelmäßig oder in größeren Mengen eingesetzt werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Spinat,

  • Mangold,

  • Rote Bete,

  • größere Mengen Sojaprodukte,

  • bestimmte Nüsse,

  • Kakao und Schokolade, die für Hunde ohnehin ungeeignet sind.

Besser geeignet sind je nach Verträglichkeit beispielsweise Kartoffeln, Blumenkohl, verschiedene Kohlsorten, grüne Erbsen oder Radieschen. Auch hier kommt es auf die Menge und die Zusammensetzung der gesamten Ration an. Einzelne kleine Portionen eines oxalsäurereicheren Lebensmittels sind anders zu bewerten als eine regelmäßige Fütterung in großen Mengen.


Obst und Vitamin C nicht überdosieren

Normale Mengen geeigneter Obstsorten können Teil einer selbst zubereiteten Ration sein. Hoch dosierte Vitamin-C-Ergänzungen oder sehr große Mengen besonders vitamin-C-reicher Pulver sollten bei einem Hund mit Kalziumoxalatsteinen jedoch vermieden werden.

Dazu zählen beispielsweise hoch dosiertes Hagebutten- oder Acerolapulver. Vitamin C kann im Stoffwechsel zu Oxalat umgewandelt werden. Ein pauschaler Zusatz ist deshalb bei Finja nicht sinnvoll.


Milchprodukte nur gezielt einsetzen

Milchprodukte wie Quark, Hüttenkäse oder Kefir können von manchen Hunden gut vertragen werden. Bei Kalziumoxalatsteinen sollten sie jedoch nicht wahllos oder als größere regelmäßige Rationsbestandteile eingesetzt werden, da sie zur Kalziumzufuhr beitragen.

Ob und in welcher Menge sie für Finja geeignet sind, hängt von der übrigen Ration und ihrer individuellen Verträglichkeit ab. Besonders kalziumreiche Produkte wie Hartkäse eignen sich weniger als tägliche Leckerchen.


Öle und Fettquellen bewusst auswählen

Fette liefern Energie und essenzielle Fettsäuren. Die Auswahl sollte sich nach Finjas Energiebedarf und der Zusammensetzung der übrigen Ration richten.

Pflanzenöle wie Lein-, Hanf- oder Rapsöl liefern unterschiedliche Fettsäuren, ersetzen aber nicht automatisch die marinen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Ein geeignetes Fischkörperöl kann deshalb weiterhin sinnvoll sein.

Lachsöl ist dabei nicht mit Lebertran gleichzusetzen. Lebertran beziehungsweise Dorschleberöl kann größere Mengen der Vitamine A und D enthalten und sollte bei Finja nicht ohne genaue Berechnung eingesetzt werden. Gereinigtes Fischkörperöl enthält dagegen vor allem EPA und DHA und ist nicht grundsätzlich wegen eines hohen Vitamin-D-Gehaltes ungeeignet.


Leckerchen und Kauartikel mit einrechnen

Auch kleine Snacks können die Nährstoff- und Oxalataufnahme beeinflussen, wenn sie regelmäßig oder in größeren Mengen gegeben werden.

Für Finja sollten vor allem stark bindegewebsreiche Kauartikel, große Mengen an getrockneter Lunge, Haut, Knorpel und sehr kalziumreiche Snacks begrenzt werden. Auch vegetarische Leckerchen sollten auf Zutaten wie Spinat, Rote Bete oder größere Mengen Soja geprüft werden.

Geeignete Leckerchen müssen nicht vollständig mineralstoff- oder oxalatfrei sein. Sie sollten aber zur berechneten Gesamtration passen und mengenmäßig überschaubar bleiben.


Welche Fütterungsform passt zu Finja?

Für Finja kommen grundsätzlich mehrere Wege infrage:

  • ein geeignetes, wasserreiches Alleinfuttermittel,

  • eine individuell berechnete selbst gekochte Ration,

  • eine Kombination, sofern die gesamte Nährstoffversorgung überprüft wird.

Ein therapeutisches Diätfutter kann ebenfalls eine sinnvolle Möglichkeit sein. Die Empfehlung sollte jedoch zu Finjas Verdauung, ihrer Akzeptanz und den konkreten Urinwerten passen. Auch selbst zubereitete Rationen müssen fachlich berechnet werden, da ihre Eignung zur Vorbeugung von Harnsteinen nicht allein anhand der Zutaten beurteilt werden kann.

Bei Finja wäre eine langsame Umstellung auf eine wasserreiche, gut verträgliche und vollständig bilanzierte Kochration denkbar. Die Auswahl der Zutaten sollte sich dabei nicht nur an allgemeinen Listen orientieren, sondern an ihrer bisherigen Fütterung, den Laborwerten, der Steinart und der Reaktion ihres Verdauungstraktes.


Für Finja gibt es nicht nur erlaubte und verbotene Futtermittel. Entscheidend sind die Mengen, die gesamte Nährstoffversorgung und die Auswirkungen der Fütterung auf Urinkonzentration und Urin-pH-Wert. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten praktischen Leitlinien zusammen.


Empfehlenswert

Eher begrenzen oder genau prüfen

Viel Flüssigkeit und wasserreiche Mahlzeiten

Ungewässertes Trockenfutter und insgesamt zu geringe Flüssigkeitsaufnahme

Häufige Möglichkeiten zum Harnabsatz

Lange Abstände zwischen den Spaziergängen und häufiges „Einhalten“

Bedarfsdeckendes Feuchtfutter oder eine individuell berechnete Kochration

Unausgewogene selbst zubereitete Rationen ohne überprüfte Nährstoffversorgung

Bedarfsgerechte Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und weiteren Mineralstoffen

Überdosierungen, aber auch eine unangemessen starke Kalziumreduktion

Gut verdauliche Proteinquellen mit einem hohen Muskelfleischanteil

Große Mengen an Euter, Lunge, Haut, Sehnen, Knorpel und kollagenreichen Kauartikeln

Geeignete Gemüsearten in zur Gesamtration passenden Mengen

Regelmäßig größere Mengen stark oxalsäurehaltiger Lebensmittel wie Spinat, Mangold und Rote Bete

Normale Mengen geeigneter Obstsorten

Hoch dosiertes Hagebutten-, Acerola- oder anderes Vitamin-C-Pulver

Milchprodukte gezielt und in die Kalziumversorgung eingerechnet

Große Mengen kalziumreicher Milchprodukte und Hartkäse als regelmäßiges Leckerchen

Geeignete Fettquellen einschließlich eines passend dosierten Fischkörperöls

Lebertran oder Dorschleberöl ohne Berechnung der Vitamin-A- und Vitamin-D-Zufuhr

Geeignete Ballaststoffe langsam und verträglich einführen

Abrupte Futterwechsel oder eine dauerhaft einseitige Ration aus Angst vor Veränderungen

Fisch mager (gemischt mit fetteren Sorten geringeren Anteils)

Lebetran, Dorschöl meiden

Regelmäßige Urin- und bildgebende Kontrollen

Ausschließliche Orientierung an einzelnen pH-Messungen zu Hause


Welche Maßnahmen sind für Finja besonders wichtig?

Für Finja ergibt sich kein einzelnes „verbotenes“ oder „erlaubtes“ Futter. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen:

  • eine dauerhaft hohe Flüssigkeitsaufnahme,

  • häufige Möglichkeiten zum Harnabsatz,

  • eine wasserreiche und bedarfsdeckende Fütterung,

  • eine kontrollierte Versorgung mit Kalzium und Vitamin D,

  • die Begrenzung stark oxalsäurehaltiger Lebensmittel,

  • hochwertige, gut verdauliche Proteinquellen mit einem moderaten Anteil an Bindegewebe,

  • regelmäßige tierärztliche Kontrollen.

Die Ration sollte weder möglichst kalziumarm noch pauschal eiweißarm gestaltet werden. Ziel ist eine bedarfsgerechte Versorgung ohne Überdosierungen und ohne größere Mengen an Komponenten, die bei einem disponierten Hund die Oxalatausscheidung zusätzlich erhöhen könnten.

Auch Finjas Körpergewicht und Bewegung spielen eine Rolle. Regelmäßige Aktivität unterstützt nicht nur den allgemeinen Stoffwechsel, sondern bietet zugleich häufiger Gelegenheit, die Blase zu entleeren. Langes Einhalten sollte möglichst vermieden werden.


Welche Rolle könnte das Darmmikrobiom spielen?

Ein Teil des mit der Nahrung aufgenommenen Oxalats kann bereits im Darm durch bestimmte Mikroorganismen abgebaut werden. Besonders gut untersucht ist das Bakterium Oxalobacter formigenes, das Oxalat als Energiequelle nutzt. Auch einige andere Bakterienarten besitzen oxalatabbauende Eigenschaften.

Bislang stammen die meisten Erkenntnisse hierzu aus der Humanmedizin, aus Laboruntersuchungen oder aus Studien an anderen Tierarten. Für Hunde ist noch nicht ausreichend geklärt, welchen Anteil das Darmmikrobiom tatsächlich an der Entstehung oder Verhinderung von Kalziumoxalatsteinen hat. Auch lässt sich daraus derzeit keine allgemeine Empfehlung für ein bestimmtes Probiotikum ableiten.

Bei Finja ist dieser Aspekt dennoch interessant, weil sie schon länger empfindlich auf Futterwechsel reagiert und in der Vergangenheit wiederholt gegen Parasiten behandelt wurde. Eine abwechslungsreiche, gut verträgliche Fütterung mit geeigneten Ballaststoffen kann grundsätzlich dazu beitragen, ein vielfältiges Darmmikrobiom zu unterstützen. Sie ersetzt jedoch weder die gezielte Harnsteinprophylaxe noch die regelmäßige Kontrolle der Harnwege.


Prognose und langfristige Unterstützung für Finja

Kalziumoxalatsteine lassen sich nicht durch eine Diät auflösen. Bereits vorhandene Steine müssen deshalb – abhängig von Größe, Lage und Beschwerden – tierärztlich entfernt oder mit anderen geeigneten Verfahren behandelt werden. Die anschließende Fütterung dient dazu, die Bedingungen für eine erneute Steinbildung möglichst ungünstig zu gestalten.

Rückfälle sind bei Kalziumoxalatsteinen nicht selten. Selbst eine sorgfältig angepasste Fütterung kann nicht garantieren, dass sich nie wieder Kristalle oder Steine bilden. Sie kann jedoch dazu beitragen, das Risiko zu verringern, das Wachstum neuer Steine zu verlangsamen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Für Finja sind deshalb regelmäßige tierärztliche Kontrollen ebenso wichtig wie die Futterumstellung. Je nach Ausgangsbefund und Rückfallrisiko können dazu gehören:

  • Urinuntersuchungen,

  • die Bestimmung der Urindichte,

  • Kontrollen des Urin-pH-Wertes,

  • gegebenenfalls eine Urinkultur,

  • Blutuntersuchungen,

  • Ultraschall- oder Röntgenkontrollen.

Das Minnesota Urolith Center empfiehlt bei Hunden mit Kalziumoxalatsteinen grundsätzlich bildgebende Kontrollen in regelmäßigen Abständen. Bei hohem Rückfallrisiko können engmaschigere Untersuchungen sinnvoll sein, damit neue Steine erkannt werden, solange sie noch klein sind.


Trinkmenge und Urindichte kontrollieren

Ob Finja tatsächlich ausreichend Flüssigkeit aufnimmt, lässt sich nicht allein daran beurteilen, wie oft sie am Wassernapf steht. Aussagekräftiger ist die Konzentration des Urins.

Bei Hunden mit Kalziumoxalatsteinen wird häufig eine Urindichte unter 1,020 angestrebt. Sie wird mit einem Refraktometer bestimmt. Die Messung kann in der Tierarztpraxis erfolgen; nach entsprechender Anleitung ist auch eine Verlaufskontrolle zu Hause möglich. Die Probe sollte möglichst frisch untersucht werden, da Verdunstung den Wert verändern kann.

Bleibt der Urin zu konzentriert, sollte geprüft werden, wie sich noch mehr Wasser in die Mahlzeiten integrieren lässt. Die Menge der aufgenommenen Flüssigkeit ist dabei wichtiger als die Frage, welche Wassersorte angeboten wird.


Den Urin-pH-Wert richtig beurteilen

Der Urin-pH-Wert schwankt im Tagesverlauf und verändert sich unter anderem nach der Futteraufnahme. Ein einzelner Messwert erlaubt deshalb nur eine begrenzte Beurteilung.

Für die Verlaufskontrolle können pH-Teststreifen oder ein geeignetes Messgerät verwendet werden. Sinnvoll ist es, die Werte über mehrere Tage zu ähnlichen Zeitpunkten zu notieren. Nach Angaben des Minnesota Urolith Center sind Messungen vor einer Mahlzeit besonders aussagekräftig, weil der Urin in nüchternen Phasen häufig am sauersten ist.

Für Finja wird ein neutraler bis leicht alkalischer Urin angestrebt. Meyer und Zentek nennen bei Kalziumoxalatsteinen einen Zielbereich von etwa pH 6,8 bis 7,2. Andere veterinärmedizinische Empfehlungen nennen einen etwas breiteren Bereich von ungefähr 6,5 bis 7,5. Entscheidend ist nicht, einen einzelnen Wert möglichst exakt zu treffen, sondern dauerhaft stark saure Bedingungen zu vermeiden und zugleich keine übermäßige Alkalisierung zu verursachen.

Die selbstständige Messung kann eine gute Ergänzung sein, ersetzt aber keine vollständige Urinuntersuchung. Kristalle, Bakterien, Blut, Eiweiß und die Urindichte lassen sich mit einem einfachen pH-Teststreifen nicht zuverlässig beurteilen.


Kaliumcitrat und weitere Medikamente

Bleibt Finjas Urin trotz angepasster Fütterung dauerhaft zu sauer, kann der Tierarzt den Einsatz von Kaliumcitrat prüfen. Citrat kann Kalzium im Urin binden und gleichzeitig den pH-Wert anheben. Dosierung und Wirkung müssen jedoch individuell angepasst und kontrolliert werden.

Bei wiederholt auftretenden Kalziumoxalatsteinen können in bestimmten Fällen auch Thiazid-Diuretika eingesetzt werden. Sie sollen die Kalziumausscheidung über den Urin reduzieren. Eine solche Behandlung gehört vollständig in tierärztliche Hände, da Elektrolyte, Nierenfunktion und mögliche Nebenwirkungen überwacht werden müssen.

Ergänzungsmittel sollten bei Finja deshalb nicht nach allgemeinen Produktlisten ausgewählt werden. Gerade bei Harnsteinen kann ein Präparat, das in einem anderen Zusammenhang sinnvoll erscheint, die Mineralstoffversorgung oder den Urin-pH-Wert ungünstig beeinflussen.


Was Sie aus Finjas Fall mitnehmen können

Bei Kalziumoxalatsteinen geht es nicht darum, einzelne Nährstoffe möglichst vollständig aus dem Futter zu verbannen. Finja benötigt weiterhin eine bedarfsdeckende Versorgung mit hochwertigem Eiweiß, Mineralstoffen, Vitaminen, Fettsäuren und Energie.

Besonders wichtig sind:

  • viel Flüssigkeit und ein möglichst verdünnter Urin,

  • eine wasserreiche Fütterung,

  • regelmäßiges Harnabsetzen,

  • eine kontrollierte Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr,

  • die Begrenzung stark oxalsäurehaltiger Lebensmittel,

  • ein sinnvoller Umgang mit bindegewebsreichen Komponenten,

  • regelmäßige Urin- und Bildgebungskontrollen.

Da Finja empfindlich auf Futterveränderungen reagiert, sollte die Umstellung langsam erfolgen. Eine individuell berechnete Kochration oder ein geeignetes wasserreiches Alleinfuttermittel können beide sinnvolle Wege sein. Entscheidend ist nicht das Etikett der Fütterungsform, sondern ob sie Finjas Bedarf deckt, gut vertragen wird und die gewünschten Veränderungen im Urin tatsächlich erreicht.


Unterstützung bei Kalziumoxalatsteinen beim Hund

Die Diagnose Kalziumoxalatsteine führt häufig zu langen Verbotslisten und großer Unsicherheit. Eine passende Fütterung entsteht jedoch nicht allein aus einer Liste einzelner Futtermittel. Sie muss die Steinart, die Laborwerte, mögliche Begleiterkrankungen, die bisherige Ernährung und die Verträglichkeit des Hundes zusammenbringen.

Im Rahmen meiner Ernährungsberatung unterstütze ich Sie dabei, eine wasserreiche und bedarfsdeckende Fütterung zu entwickeln, die zu Ihrem Hund und zu Ihrem Alltag passt. Dabei können sowohl geeignete Fertigfutter als auch individuell berechnete Kochrationen berücksichtigt werden.


Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und zeigt anhand eines konkreten Fallbeispiels mögliche ernährungsbezogene Überlegungen. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Schmerzen, Blut im Urin, Schwierigkeiten beim Harnabsatz oder ein vollständiger Harnverhalt müssen umgehend tierärztlich abgeklärt werden.



Stimme ab: Mich interessieren....

  • 0%Struvitsteine und die passende Fütterung

  • 0%Eine angepasste Fütterung bei Cystin- und Uratsteinen

  • 0%Unterstützung bei Blasenentzündungen bei Hunden




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