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  • Sandra

Hydrolate für Tiere richtig anwenden

Aktualisiert: 25. Apr.

Pflanzenwässer – die kleinen, großen Schwestern der ätherischen Öle


Destillate, Hydrolate, Pflanzenessenzen, Aquarome und aromatische Hydrolsole sind Bezeichnungen für die eher unbekannten, wertvolle Pflanzenwässer, die aus heilenden Kräutern, Blüten und Bäumen hergestellt werden.

Hydrolate sind dabei keine verwässerten oder verdünnten ätherische Öle, sondern eigenständige Wirkstoffgemische, die auf eine uralte Geschichte verweisen können und in der naturheilkundlichen

Therapie auch für Tiere besonders wertvoll sind.


Unterschiedliche Pflanzen in kleinen Glasflaschen
Hydrolate entstehen aus ganz unterschiedlichen Pflanzen und Blüten

Herstellung von Pflanzenwässern

Pflanzenwässer werden ausschließlich durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Hierzu werden die heilkräftigen Pflanzenteile zerkleinert und in eine Destille gegeben. Heißer Wasserdampf wird durch das Pflanzengemisch geleitet. Beim Aufsteigen bricht der heiße Dampf die Pflanzenzellen auf und reißt viele Stoffe wie Bestandteile des Pflanzensafts, ätherische Öle und flüchtige Fettsäuren mit sich. Im oberen, kälteren Bereich der Destille kondensiert der Dampf und tropft als Wasser zurück in ein Sammelgefäß. In dieser Flüssigkeit bilden sich unterschiedliche Phasen: unten befindet sich das Pflanzenwasser, das Hydrolat und obenauf schwimmen die ätherischen Öle, deren Großteil meistens abgeschöpft wird.



Destille und kleiner Orangenbaum und Materialien für Hydrolate
Eine Kupferdestille


Geschichte der Hydrolate

Schon 1508 beschrieb Hieronymus Brunschwieg, ein Wundarzt aus Straßburg, in seinem "Kleinen Destillierbuch" viele verschiedene Herstellungsmethoden, um Hydrolate zu erhalten. Teilweise waren das abenteuerliche Methoden wie Destillieren "im Ameisenhaufen, über Rossmist" aber auch "Sonnendestillation" u. v. m.

Pflanzenwässer waren beliebt, aber durch den Herstellungsprozess auch teurer, als gewöhnliche Teezubereitungen und deshalb oft nur den betuchteren Kranken vorbehalten. Doch die Nutzung von Hydrolaten geht noch viel weiter in der Geschichte zurück. Schon aus dem alten Ägypten ist die Verwendung bekannt und im Orient bis heute gebräuchlich. Wer schon einmal in der Marokko, der Türkei oder in Ägypten war, kennt bestimmt das allgegenwärtige Rosenwasser, welches ein Hydrolat aus der Damaszener Rose ist. Auch in Indien werden viele Speisen mit Blütenhydrolaten verfeinert und zur Herstellung von Marzipan wird ebenfalls Rosenwasser genutzt.


Inhaltsstoffe in Hydrolaten für Tiere

Pflanzenwässer sind reich an vielen verschiedenen Stoffen: Sie enthalten je nach verwendeten Pflanzenteilen viele aromatische Aldehyde, Terpene und Phenole, um nur einige zu nennen. Besonders wirksam konzentrieren sich alle wasserdampflöslichen Inhaltsstoffe in den Hydrolaten. Alle Heilpflanzen, die traditionell gekocht oder als Tee verwendet werden, kann man auch zur Herstellung von Pflanzenwässern verwenden. Sie sind ganz besonders sanft und gut verträglich. Im Gegensatz zu den hoch konzentrierten Ölen enthalten Pflanzenwässer meist nur bis zu 0,5 % ätherisches Öl und sind somit eine sanfte Alternative für eine relativ problemlose Anwendung am Tier.


Terpene wie das Bisabolol aus der Kamille und Schafgarbe wirken entzündungshemmend und beruhigend, Pinen ist ein durchblutungsförderndes Terpen, das bei Muskelschmerzen und Prellungen hilft und Thymol ist bekannt und wirkstark u. a. gegen Hautmykosen. Jedes Pflanzenwasser enthält sein ganz eigenes Wirkstoffgemisch, wobei es gerade wieder das Zusammenspiel aller Inhaltstoffe ist, was die Wirkung ausmacht (Vrgl. hierzu auch die Ausführung von Roger Kaldermatten zum "Lösen und Verdichten von Wirkstoffen" in "Wesen und Signatur der Heilpflanzen" (1))


Wofür kann man Hydrolate beim Tier anwenden?

Hydrolate sind vielfältig einsetzbar. Hier sind ein paar Anwendungsideen:

  • Luftdesinfektion: Hydrolate können wie auch ätherische Öle in Duftlampen verwendet werden, sind aber nicht so aufdringlich, Hydrolate können in der Stallbox vernebelt werden

  • Kompressen: Bei Entzündungen, stumpfen Verletzungen oder kleineren Wunden können Blütenwässer hervorragend als kühlende und desinfizierende Auflagen verwendet werden.

  • Inhalation: Bei Bronchitis können bestimmte Hydrolate inhaliert werden.

  • Waschungen: Zum Reinigen von Wundbereichen, der Augen und Ohren

  • Futterzusatz: Bei entsprechender Akzeptanz können Hydrolate auch über das Futter gesprüht werden

Pflanzenhydrolate sind viel sanfter und in ihren Inhaltsstoffen geringer konzentriert als ätherische Öle. So kann man sie auch direkt unverdünnt (auch auf Schleimhäuten) einsetzen.

Da sie in Sprühflaschen verkauft werden, ist ihre Anwendung auch besonders praktisch für die Anwendung im Alltag und auf Reisen.


Trotzdem sollte man immer achtsam sein und auf bestimmte Hydrolate ggf. verzichten, insbesondere bei Katzen, Kitten oder Welpen.

Für uns Menschen: Wenn man Hydrolate selbst ausprobiert, erkennt man am besten ihre Natur und erfährt die wohltuende Wirkung am eigenen Leib, bevor man sie am Tier anwendet:

  • Kosmetische Anwendungen wie Gesichtswasser etc.

  • Aromatisierung von Speisen: Hydrolate duften wunderbar und können Speisen so das gewisse Etwas verleihen (Rosenwasser in orientalischen Süßspeisen und Marzipan)

  • Raumbeduftung: Hydrolate können wie auch ätherische Öle in Duftlampen verwendet werden.


Verschiedene frische Heilkräuter in kleinen Reagenzgläsern nebeneinander aufgereiht

Verschiedene Pflanzenwässer und ihre Wirkung

Hier einige Pflanzenwässer und ihre möglichen Anwendungen:

  • Lavendelwasser: beruhigend, ausgleichend, zur Beduftung der Umgebung

  • Melissenwasser: ausgleichend, bei unruhigen Tieren, antivirale Wirkung auf der Haut

  • Mädesüßwasser: schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend

  • Thymianwasser: zur sanften Inhalation, Desinfizierung der Umgebungsluft und der Haut

  • Euphrasiawasser: Augentrost zum sanften Reinigen von Tränenspuren

  • Majoran- und Oreganowasser: entkrampfend

  • Schafgarbenwasser: bei Entzündungen der Haut, ausgleichend, bei weiblichen Tieren

  • Douglasienwasser: stimmungsaufhellend

  • Weihrauchwasser: bei Ohrentzündungen durch Hefepilze, bei Verletzungen


Am Ende des Beitrags habe ich einige Bezugsquellen verlinkt, die solche Hydrolate in empfehlenswerter Qualität führen.


Hydrolate für Tiere austesten

Tiere riechen im Allgemeinen besser als wir Menschen. So nehmen sie auch die Duftstoffe der Hydrolate intensiver war. Doch nichts ist schlimmer, als ein unangenehmer Geruch, den man vielleicht selbst an sich hat und dem man nicht entfliehen kann. Wenn ein Tier (oder auch wir) einen Duft ablehnen, wird er niemals eine nachhaltig therapeutische Wirkung entfalten können. Oft liest man, dass ätherische Öle speziell zur Stressreduktion bei Hunden angewendet werden. Bspw. bestimmte Entspannungsöle für die Silvesternacht oder auch Ölmischungen gegen Insektenstiche oder äußeren Parasitenbefall, die einfach auf das Fell, in den Nacken oder auf die Hinterläufe aufgetragen werden sollen. Ich finde, man sollte das Tier selbst entscheiden lassen, ob es einen Duft mag oder nicht und ihn notfalls auch nicht verwenden.

Bei Hydrolaten kann man dies genau wie bei den ätherischen Ölen testen: Man zerstäubt eine kleine Menge auf ein Tuch oder seine eigene Hand und lässt das Tier den Geruch prüfen. Wendet es sich angewidert ab oder findet es den Geruch interessant? "Flämt" es sogar oder versucht es ihn abzulecken? Vielleicht ist auch der erste Versuch etwas ungewohnt und man präsentiert das Hydrolat einfach nach ein paar Tagen erneut.


eine Hand hält eine Pipette an die Nase eines weißen Schäfehunds
Bei ätherischen Ölen und Hydrolaten prüft man vorab die Akzeptanz des Geruchs


Die konditionierte Entspannung mithilfe von Duft

Will man ein Hydrolat zur Entspannung einsetzen, empfiehlt es sich ein kleines Ritual durchzuführen: In einem ruhigen Moment, in dem das Tier bereits entspannt ist, verwendet man ein mit einem entsprechenden Hydrolat besprühtes Tuch und legt es in die nähere Umgebung des Tieres – Lavendel, Melisse oder Eisenkraut bieten sich hier an. Dies wiederholt man immer dann, wenn Ruhe einkehrt. Durch mehrmaliges Wiederholen verknüpft das Tier den Geruch nach und nach mit einer entspannten, sicheren Umgebung. So kann man später diese sogenannte konditionierte Entspannung auch in stressigen Situationen nutzen (für eine ausführlichere Anleitung bitte einen entsprechend ausgebildeten Hundetrainer fragen). Wenn dem Tier der Duft des Hydrolats angenehm ist, kann auch auf ein entsprechendes ätherisches Öl gewechselt werden.


Worauf ist zu achten? Die Qualität der Pflanzenwässer.

Hochwertige Hydrolate erkennt man an folgenden Merkmalen:

Verwendung heilkräftiger, biologisch angebauter Pflanzen oder Wildsammlungen

  • Bei Wildpflanzen ist auf schonende Ernte zu achten, dies gilt insbesondere bei Pflanzenwässern aus exotischen Hölzern (bitte überdenke ggf. die Anwendung)

  • Verwendung von reinen (Quell)-Wassern

  • Sauberkeit während des Herstellungsprozesses

  • Genügend bzw. angemessene Zeit während der Destillation und Reifung der Hydrolate

  • keine Vermischung mit anderen Beikräutern oder Mischungen aus ätherischen Ölen in Wasser oder Wasser/Alkoholgemischen

  • ohne chemische Zusätze und synthetische Beimischungen

  • entsprechende Deklaration auf dem Etikett

Hydrolate sollten stets an einem kühlen und dunklen Ort gelagert werden, denn im Vergleich zu ätherischen Ölen sind wässrige Hydrolate etwas keimanfälliger. Man verwendet sie am besten zügig.



Bezugsquellen: Wo bekommt man gute Hydrolate für Tiere

Hier einige Firmen, die Pflanzenwässer im Angebot haben und die ich gerne nutze und Dir empfehlen kann:

  • Pernaturam – Hervorragende Qualität, bietet auch Sets zum Austesten der unterschiedlichen Hydrolate an.

  • Pernaturam gewährt mit dem Code 1804101775 einen Rabatt von 5 % auf jede Bestellung (gültig bis 31.03.2025)


Hydrolate Testset der Fa. Pernaturam
Mit dem Code 1804101775 erhältst Du 5 % (bis31.03.2025)
  • Farfalla essentials – Bio-Pflanzenwasser, z. B. auch Kamille oder Zirbelkiefer

  • Neumond, kleineres Sortiment, aber auch größere Gebinde erhältlich

  • Wadi, reine Hydrolate z. B. auch Immortellenwasser



Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und Freude beim Anwenden!









Quellen:

Kaldermatten, Roger: Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen, 10. Aufl., 2019, S. 19 ff.

Fischer-Rizzi, Susanne: Das grosse Buch der Pflanzenwässer: Pflegen, heilen, gesund bleiben mit Hydrolaten, 2014

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