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Proteingehalt im Futter und Verhalten beim Hund

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
19. Jan.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Sept.

Macht zu viel Eiweiß Hunde unruhig oder aggressiv?

Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass zu viel Eiweiß einen Hund nervös, überdreht oder sogar aggressiv machen kann. Besonders häufig taucht diese Vermutung bei sehr fleischreicher Fütterung oder auch im Zusammenhang mit BARF-Fütterung auf. Aber stimmt das überhaupt?

Die kurze Antwort lautet: So einfach ist es nicht. Ein hoher Proteingehalt macht einen Hund nicht automatisch unruhig oder aggressiv.

Trotzdem kann die Zusammensetzung des Futters Einfluss auf Vorgänge im Gehirn nehmen. Dabei wird es vor allem bei einer Aminosäure interessant: Tryptophan.


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Was haben der Proteingehalt und Verhalten miteinander zu tun?

Protein liefert dem Hund essentielle Aminosäuren (Eiweißbausteine) und ist für Muskeln, Organe, Enzyme und zahlreiche Stoffwechselprozesse unverzichtbar.

Das Gehirn nutzt ebenfalls Bestandteile aus der Nahrung. Einige Aminosäuren dienen dort als Ausgangsstoffe für Botenstoffe. Tryptophan wird beispielsweise für die Bildung von Serotonin benötigt, das an zahlreichen Vorgängen im Nervensystem beteiligt ist.

Wie so oft bei der Ernährung bedeutet dies allerdings noch lange nicht: Viel Protein = viel Tryptophan = viel Serotonin.

Der Weg ins Gehirn ist etwas komplizierter.


Warum Tryptophan Konkurrenz bekommt

Damit die Aminosäure Tryptophan im Gehirn für die Serotoninbildung zur Verfügung steht, muss sie zunächst die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Hierfür nutzt sie denselben Transportweg wie mehrere andere Aminosäuren, die ebenfalls in einer proteinreichen Mahlzeit vorhanden sind.

Für die Versorgung des Gehirns spielt somit nicht allein die absolute Menge an Tryptophan eine Rolle, sondern auch das Verhältnis von Tryptophan zu den "konkurrierenden" Aminosäuren.

Mehr über diesen Zusammenhang finden Sie in meinem Beitrag „Tryptophan beim Hund – Wirkung auf Verhalten und Schlaf“.


Welche Rolle können Kohlenhydrate spielen?

Nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit wird Insulin ausgeschüttet. Dadurch werden einige Aminosäuren stärker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen. Tryptophan hat dadurch an der Blut-Hirn-Schranke etwas weniger Konkurrenz und kann leichter ins Gehirn gelangen. Dort wird Tryptophan für die Bildung von Serotonin benötigt.

Das macht Kohlenhydrate per se nicht zum „Beruhigungsfutter“. Es erklärt aber, warum bei sehr fleischreichen und extrem kohlenhydratarmen Rationen nicht nur die Proteinmenge interessant ist, sondern die gesamte Zusammensetzung des Futters.


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Sollte ein unruhiger Hund weniger Protein bekommen?

Nicht pauschal. Ein überzeugender Zusammenhang zwischen einem hohen Proteingehalt und Verhalten wie allgemeiner Unruhe oder Hyperaktivität lässt sich nicht ableiten.

Wenn ein Hund plötzlich unruhig, reizbar oder ungewöhnlich reaktiv wird, sollte deshalb nicht einfach das Fleisch reduziert werden. Verhalten kann viele Ursachen haben, zum Beispiel:

  • Stress

  • Schmerzen

  • Erkrankungen

  • Umweltreize

  • Lernerfahrungen

  • Veränderungen im Alltag.

Die Ernährung kann dabei eine Rolle spielen. Sie ist aber selten die einzige Erklärung.


Wann lohnt sich ein Blick auf die Fütterung?

Genauer hinschauen würde ich zum Beispiel, wenn sich das Verhalten nach einer Futterumstellung deutlich verändert hat, eine Ration sehr einseitig zusammengesetzt ist oder ein Hund extrem fleischreich gefüttert wird und Sie ohnehin unsicher sind, ob die Zusammenstellung passt.

Dann ist die interessantere Frage nicht: „Bekommt mein Hund zu viel Eiweiß?“ sondern: „Ist seine gesamte Ration sinnvoll und für ihn passend zusammengesetzt?“

Dabei spielen Proteinmenge und Proteinqualität ebenso eine Rolle wie Energieversorgung, Fett, Kohlenhydrate oder Faserquellen sowie die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen.


Fazit: Macht viel Protein Hunde unruhig?

Ein hoher Proteingehalt allein ist keine überzeugende Erklärung dafür, dass ein Hund nervös, überdreht oder aggressiv ist. Interessant ist unter anderem, wie viel Tryptophan dem Gehirn tatsächlich zur Verfügung steht und wie die gesamte Ration zusammengesetzt ist.

Daraus lässt sich fachlich korrekt weder eine allgemeine Empfehlung für weniger Protein noch für mehr Kohlenhydrate ableiten.


Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Hund seit einer Futterumstellung verändert hat oder Sie wissen möchten, ob seine Ration wirklich zu ihm passt, lohnt sich ein Blick auf die gesamte Fütterung statt auf einen einzelnen Nährstoff.


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