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Wasserdost für Hunde: Heilpflanze, Giftpflanze oder beides?

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • 23. Juli
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Juli

Mithridates VI. von Pontos hatte gute Gründe, sich mit Giften zu beschäftigen. Wer im ersten Jahrhundert vor Christus über ein mächtiges Reich herrschte, musste nicht nur Schlachten und politische Intrigen fürchten – auch ein unscheinbarer Becher Wein oder eine Mahlzeit am Hof konnten tödlich sein.

König Mithridates soll deshalb Gifte und Gegengifte untersucht und regelmäßig kleinste Mengen verschiedener Substanzen eingenommen haben, um seinen Körper gegen Anschläge abzuhärten. Ob sich alles tatsächlich so zugetragen hat, lässt sich heute kaum noch von den Legenden trennen, die sich um sein Leben ranken. Sicher ist jedoch: Mithridates galt schon in der Antike als außergewöhnlicher Kenner von Arzneipflanzen, Giften und Gegengiften.

Sein vollständiger Name lautete Mithridates VI. Eupator. Dieser Beiname wird traditionell mit dem botanischen Gattungsnamen Eupatorium in Verbindung gebracht. Mehr als zweitausend Jahre später begegnet er uns deshalb möglicherweise im Namen einer heimischen Wildpflanze wieder: dem Gewöhnlichen Wasserdost, Eupatorium cannabinum.

Dass ausgerechnet diese Pflanze den Namen eines berühmten Giftkundigen trägt, wirkt beinahe wie eine botanische Vorahnung. Denn Wasserdost wurde über Jahrhunderte als Heilpflanze geschätzt – und enthält zugleich Stoffe, die bei ungeeigneter Anwendung die Leber belasten können.

Ist Wasserdost für Hunde also Heilpflanze oder Giftpflanze?

Die Antwort liegt, wie so oft in der Pflanzenheilkunde, nicht in einem einfachen Etikett.


Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum) an einem feuchten Waldstandort – heimische Heilpflanze für Hunde.
Der Gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum) wächst bevorzugt an feuchten Waldwegen, Bachufern und Gräben. Für Hunde ist er vor allem als traditionelle Heilpflanze bekannt, nicht als Futterpflanze.

Wo der Wasserdost wächst

An einem feuchten Waldweg kann der Wasserdost beinahe wie eine kleine Wand aus Grün erscheinen. Aus einem kräftigen Wurzelstock wachsen mehrere aufrechte Stängel empor, häufig höher als ein Mensch zur Hüfte. Manche bleiben grün, andere sind rötlich oder purpurfarben überlaufen.

Die Blätter stehen sich paarweise am Stängel gegenüber. Sie sind meist in drei bis fünf längliche, gezähnte Abschnitte geteilt und erinnern dadurch entfernt an Hanfblätter. Dieser Ähnlichkeit verdankt die Pflanze ihren botanischen Artnamen cannabinum und den alten Volksnamen Wasserhanf. Mit Cannabis ist sie weder botanisch verwandt noch in ihrer Wirkung vergleichbar.

Im Hochsommer verändert sich ihr Erscheinungsbild. Die oberen Stängel verzweigen sich, und über dem kräftigen Grün öffnen sich breite, wolkige Blütenstände. Ihre Farbe liegt irgendwo zwischen Altrosa, staubigem Purpur und verwaschenem Violett – als hätte sich ein Hauch von Abendrot auf die Pflanze gelegt.

An warmen Tagen scheint es darüber zu summen und zu flirren. Bienen, Schwebfliegen und Käfer drängen sich zwischen die kleinen Röhrenblüten, während Schmetterlinge mit ausgebreiteten Flügeln auf den Blütenständen sitzen. Gerade im Spätsommer, wenn viele andere Wildpflanzen bereits Samen ansetzen, bietet der Wasserdost noch reichlich Nektar und wird von zahlreichen Insekten angeflogen.

Sein Platz ist dort, wo der Boden auch im Sommer etwas von der Kühle und Feuchtigkeit des Frühjahrs bewahrt: an Bachufern und Gräben ("Wasser"dost), auf feuchten Waldlichtungen, an Gebüschrändern und entlang schattiger Wege. Die Blütezeit reicht überwiegend von Juli bis September.


Eupatorium, Wasserhanf und Kunigundenkraut

Alte Pflanzennamen waren nie nur Etiketten. Sie erzählten davon, wie eine Pflanze aussah, wo sie wuchs und wofür Menschen sie verwendeten.

Neben Wasserhanf trug der Gewöhnliche Wasserdost Namen wie Kunigundenkraut, Hirschklee, Leberkraut oder Wundkraut. Der Name Kunigundenkraut wird häufig mit der heiligen Kunigunde in Verbindung gebracht. Historisch eindeutig belegen lässt sich diese Zuordnung kaum. Sie zeigt aber, wie fest der Wasserdost in der europäischen Volksheilkunde und in der heimischen Landschaft verankert war.

Auch die Verbindung zwischen Mithridates Eupator und der Pflanzengattung Eupatorium ist traditionell überliefert, botanisch jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Das in antiken Texten erwähnte eupatorion könnte den Wasserdost bezeichnet haben. Möglicherweise war damit aber auch der Odermennig oder eine andere Heilpflanze gemeint.

Solche Unsicherheiten gehören zur Geschichte der Pflanzenheilkunde. Bevor Pflanzen nach einheitlichen botanischen Regeln benannt wurden, konnten dieselben Namen in verschiedenen Regionen unterschiedliche Arten bezeichnen. Umgekehrt war eine einzelne Pflanze oft unter zahlreichen Namen bekannt.

Carl von Linné übernahm 1753 den Namen Eupatorium für die botanische Gattung, zu der unser heimischer Wasserdost gehört.

Gerade bei heilkundlichen Anwendungen ist der vollständige botanische Name wichtig. Unter der Bezeichnung Wasserdost werden verschiedene Arten und Zierformen angeboten. Auch Eupatorium cannabinum und der nordamerikanische Eupatorium perfoliatum, bekannt als "Boneset", werden gelegentlich miteinander vermischt. Überlieferungen und Untersuchungen zu einer Art lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf die andere übertragen.


Konterfei des Mithridates VI. Eupator von Pontos
Mithridates VI. Eupator war von ca. 120 v. Chr. bis zu seinem Tod König von Pontos (heute Türkei). Der Wasserdost trägt seinen Namen.

Eine bittere Pflanze der alten Kräuterkunde

Traditionell wurde vor allem das oberirdische Kraut verwendet – Blätter, Stängel und Blüten. Sein Geschmack ist herb und deutlich bitter.

Bittere Pflanzen werden immer noch in der europäischen Heilkunde häufig mit Appetit, Verdauung, Leber und Galle in Verbindung gebracht. Wasserdost fand darüber hinaus bei fieberhaften Erkrankungen, Erkältungen, Durchfällen, Harnwegsbeschwerden und äußerlich bei schlecht heilenden Wunden Verwendung.

Diese Anwendungen entstanden lange bevor einzelne Inhaltsstoffe isoliert, Stoffwechselwege untersucht oder Erkrankungen nach heutigen Kriterien diagnostiziert werden konnten. Dennoch beruhte die traditionelle Pflanzenheilkunde nicht auf einer willkürlichen Auswahl von Kräutern. Geschmack, Geruch, unmittelbare körperliche Reaktionen und über Generationen gesammelte Erfahrungen spielten eine wichtige Rolle.

Heute lässt sich zumindest ein Teil dieser Beobachtungen mit den Inhaltsstoffen der Pflanze in Verbindung bringen. Wasserdost enthält unter anderem Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen, Polysaccharide, Sesquiterpenlactone, flüchtige Bestandteile – und Pyrrolizidinalkaloide.

Er ist damit kein Lieferant eines einzelnen Wirkstoffs, sondern ein komplexes Vielstoffgemisch.


Was die moderne Forschung interessiert

Besondere Aufmerksamkeit erhielten Polysaccharide aus Eupatorium cannabinum. In experimentellen Untersuchungen beeinflussten sie die Aktivität bestimmter Zellen der angeborenen Immunabwehr. Dabei wurde unter anderem eine gesteigerte Phagozytose beobachtet.

Phagozytose bedeutet, dass Immunzellen Bakterien, Zellreste und anderes Fremdmaterial aufnehmen und abbauen. Man könnte sich diese Zellen wie eine fortwährende Patrouille vorstellen: Sie bewegen sich durch Gewebe und Blut, erkennen verdächtige Strukturen, umschließen sie und zerlegen sie in ihrem Inneren.

Dass Bestandteile des Wasserdosts diesen Vorgang in experimentellen Systemen anregen konnten, passt zur traditionellen Verwendung der Pflanze bei Infekten.

Daneben enthält Wasserdost Sesquiterpenlactone. Diese Stoffgruppe ist bei Korbblütlern weit verbreitet und trägt bei vielen Arten zum bitteren Geschmack bei. Für Extrakte und einzelne Inhaltsstoffe wurden in Laboruntersuchungen unter anderem entzündungsmodulierende, antimikrobielle und antiproliferative Eigenschaften beschrieben.

Solche Ergebnisse erklären das pharmakologische Interesse an der Pflanze. Sie sind jedoch noch kein direkter Wirksamkeitsnachweis für eine bestimmte Anwendung beim Hund. Laboruntersuchungen zeigen zunächst, dass Pflanzenstoffe biologisch aktiv sind. Ob daraus eine sinnvolle Behandlung entsteht, hängt von Zubereitung, Konzentration, Dosierung und der konkreten Situation des Tieres ab.

Und genau an diesem Punkt begegnet uns die andere Seite des Wasserdosts.


Pyrrolizidinalkaloide: der eingebaute Fraßschutz

Pflanzen können vor hungrigen Tieren nicht davonlaufen. Sie besitzen keine Zähne und keine Krallen. Stattdessen betreiben sie Chemie.

In ihren Wurzeln, Blättern und Blüten entstehen bittere, scharfe oder schwer verträgliche Stoffe, die Fraßfeinde abschrecken, Mikroorganismen hemmen oder die Pflanze auf andere Weise schützen.

Beim Wasserdost gehören Pyrrolizidinalkaloide zu diesem natürlichen Verteidigungssystem. Sie werden in den Wurzeln gebildet und anschließend in andere Pflanzenteile transportiert. Auch im Pollen können entsprechende Verbindungen vorkommen.

Toxikologisch besonders bedeutsam sind bestimmte 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide. Sie entfalten ihre problematische Wirkung nicht unbedingt unmittelbar nach der Aufnahme. Erst der Stoffwechsel in der Leber kann aus ihnen reaktive Zwischenprodukte bilden.

Die Leber ist das große chemische Labor des Körpers. Ununterbrochen werden dort Nährstoffe umgebaut, Arzneistoffe verändert und körperfremde Verbindungen für ihre Ausscheidung vorbereitet. Bei bestimmten Pyrrolizidinalkaloiden kann genau dieser Umbau zum Problem werden: Es entstehen reaktive Stoffwechselprodukte, die sich an Eiweiße und Erbmaterial binden können.

Bei hoher oder wiederholter Belastung können dadurch Leberzellen und die feinen Gefäßstrukturen innerhalb des Organs geschädigt werden. Die Ausgangssubstanz wird also erst durch den Stoffwechsel zu einem Teil jener Gefahr, vor der der Körper sich eigentlich schützen möchte.

Schwere chronische Vergiftungen sind in der Tiermedizin vor allem von Weidetieren bekannt, die über längere Zeit erhebliche Mengen pyrrolizidinalkaloidhaltiger Pflanzen mit Gras, Heu oder Silage aufgenommen haben.

Das ist jedoch nicht mit jeder Berührung und nicht mit jeder wasserdosthaltigen Zubereitung gleichzusetzen.


Ist Wasserdost giftig für Hunde?

Wasserdost enthält potenziell leberrelevante Pyrrolizidinalkaloide. Das Kraut sollte deshalb nicht regelmäßig, hoch dosiert oder über längere Zeit nach eigenem Ermessen verfüttert werden.

Eine einmalige kleine Aufnahme beim Spaziergang ist jedoch nicht automatisch mit einer Vergiftung gleichzusetzen. Ein Hund, der kurz an einem Blatt knabbert, befindet sich in einer völlig anderen Situation als ein Tier, das über Wochen größere Mengen getrocknetes Kraut oder einen konzentrierten Extrakt erhält. Ein instinktsicherer Hund wird auch kaum über längere Zeit größere Mengen freiwillig selbst aufnehmen.

Entscheidend sind nicht nur Pflanzenart und Inhaltsstoff, sondern auch:

  • die aufgenommene Menge,

  • die Häufigkeit,

  • der verwendete Pflanzenteil,

  • die Form der Zubereitung,

  • mögliche Lebererkrankungen,

  • gleichzeitig verabreichte Medikamente.

Bei einer einmaligen geringen Aufnahme sind nicht zwangsläufig Beschwerden zu erwarten. Wurde jedoch eine größere Menge gefressen, geschieht dies wiederholt oder zeigt der Hund Auffälligkeiten, sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Wasserdost ist damit keine klassische Futterpflanze für den täglichen Napf. Seine mögliche Verwendung liegt vielmehr in einer gezielten, zeitlich begrenzten Anwendung geeigneter Zubereitungen.


Heilpflanze oder Giftpflanze?

Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Eine Pflanze wurde traditionell mit Leber, Galle und Verdauung verbunden – und enthält zugleich Stoffe, deren Abbau die Leber belasten kann.

Doch Heilpflanze und Giftpflanze sind keine botanischen Gegensätze.

Eine Pflanze wirkt nicht, weil sie dem Körper grundsätzlich freundlich gesonnen wäre. Ihre Inhaltsstoffe greifen in biologische Abläufe ein. Genau diese Aktivität kann in einer geeigneten Zubereitung erwünscht und in zu hoher Menge problematisch sein.

Beim Wasserdost hängt die Beurteilung deshalb nicht allein davon ab, ob Pyrrolizidinalkaloide vorhanden sind. Ebenso wichtig sind der verwendete Pflanzenteil, die Konzentration, die aufgenommene Menge und die Dauer der Anwendung.

Frisches Kraut, getrocknetes Pulver, Teeaufguss, Tinktur, Extrakt und homöopathische Potenz tragen zwar denselben Pflanzennamen, sind stofflich aber nicht miteinander vergleichbar.

Der Nachweis von Pyrrolizidinalkaloiden macht die heilkundliche Geschichte des Wasserdosts nicht bedeutungslos. Er setzt ihr jedoch Grenzen.


Wie Wasserdost bei Hunden verwendet wird

Wasserdost findet sich heute als Bestandteil verschiedener naturheilkundlicher Präparate und Ergänzungsfuttermittel.

In Kräutermischungen wird er unter anderem im Zusammenhang mit Harnwegen, Ausscheidung, Stoffwechsel und körpereigener Abwehr verwendet. Daneben kommt der heimische Eupatorium cannabinum in einem anthroposophischen Kombinations-Tierarzneimittel für Hunde und Katzen vor. Das Präparat enthält Wasserdostkraut in der Verdünnung D7 gemeinsam mit weiteren Bestandteilen und ist für die Anwendung bei entzündlichen Erkrankungen der Atemwege vorgesehen. Ein Ergänzungsfuttermittel enthält messbares Pflanzenmaterial. In einem Extrakt können einzelne Stoffgruppen angereichert sein. Bei einem nach homöopathischen Verfahren hergestellten Kombinationspräparat wie diesem liegt der Wasserdost dagegen in verdünnter Form vor.

Diese Anwendungen dürfen nicht in einen Topf geworfen werden.


Auch eine Kräutermischung ist nicht allein danach zu beurteilen, ob Wasserdost auf der Zutatenliste steht. Entscheidend sind die tatsächliche Menge, die Gesamtzusammensetzung und die vorgesehene Anwendungsdauer. Leider sind in vielen pflanzlichen Kräuterzusätzen die prozentualen Anteile der verwendeten Pflanzenteile nicht aufgeführt.


Kann man Wasserdost selbst sammeln und verfüttern?

Wer im August vor einer üppigen, rosafarben blühenden Wasserdostgruppe steht, könnte leicht auf die Idee kommen, einige Stängel für den eigenen Hund mitzunehmen. Die Pflanze wächst reichlich, gehört zur heimischen Kräutertradition und sieht in voller Blüte ausgesprochen kraftvoll aus.

Gerade bei dieser Pflanze ist eine Dosierung nach Augenmaß jedoch nicht sinnvoll.

Die Zusammensetzung kann je nach Standort, Pflanzenteil, Erntezeitpunkt, Witterung und Verarbeitung schwanken. Mit bloßem Auge lässt sich weder erkennen, welche Pyrrolizidinalkaloide enthalten sind, noch wie hoch ihre Konzentration ist.

Belastbare Dosierungsstudien für die innerliche Anwendung des selbst gesammelten Krauts beim Hund sind kaum verfügbar. Eine allgemeingültige Menge nach dem Muster „Gramm pro Kilogramm Körpergewicht“ lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

Das spricht nicht grundsätzlich gegen die Pflanzenheilkunde. Es spricht gegen die unkontrollierte Langzeitfütterung.

Bei einer pharmakologisch interessanten und zugleich toxikologisch anspruchsvollen Pflanze ist ein nachvollziehbar zusammengesetztes Präparat etwas anderes als täglich selbst gesammeltes Kraut im Napf.


Worauf bei Produkten zu achten ist

Wer ein Produkt mit Wasserdost für seinen Hund verwenden möchte, sollte stets genauer auf die Deklaration schauen als nur auf das ansprechende Kräuterbild auf der Verpackung.

Wichtig sind vor allem der botanische Name, der verwendete Pflanzenteil, die Zubereitungsform, die empfohlene Tagesmenge, die vorgesehene Anwendungsdauer und die weiteren Bestandteile einer Mischung.

Bei bekannter Lebererkrankung, auffälligen Leberwerten oder gleichzeitiger Gabe leberrelevanter Medikamente gehört Wasserdost nicht in die spontane Selbstmedikation.

Auch bei Welpen, trächtigen oder säugenden Hündinnen sowie sehr alten oder schwer erkrankten Hunden sollte die Anwendung gezielt eingeordnet werden.

Das ist kein Misstrauen gegenüber Heilpflanzen. Im Gegenteil: Es entspricht ihrem eigentlichen Anspruch. Eine biologisch aktive Pflanze wird immer passend zum Organismus, zur Situation und zum Ziel ausgewählt.


Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria) auf den Blüten des Wasserdosts (Eupatorium cannabinum)
Der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) gehört zu den auffälligsten Besuchern des blühenden Wasserdosts. Seine nektarreichen Blüten machen die heimische Wildpflanze zu einer wichtigen Nahrungsquelle für Schmetterlinge, Bienen und zahlreiche andere Insekten im Spätsommer.

Wasserdost im eigenen Garten

Abseits jeder heilkundlichen Verwendung ist der Wasserdost eine bemerkenswerte und wunderschöne Wildstaude.

An einem ausreichend feuchten Standort wächst er im Spätsommer hoch über viele andere Pflanzen hinaus. Seine rosafarbenen Blütenwolken scheinen in der warmen Luft zu schweben, während Tagpfauenauge, Admiral, Kaisermantel und der auffällige Russische Bär darauf ihre Flügel ausbreiten.

Dazwischen summen Bienen und Schwebfliegen. Käfer schieben sich zwischen die kleinen Röhrenblüten. Für einige Wochen wirkt die Pflanze wie ein eigener kleiner Marktplatz des Spätsommers.

Am Rand eines Teiches, in einer feuchten Senke oder vor einem Gehölz kann der heimische Wasserdost deshalb eine wertvolle Pflanze für naturnahe Gärten sein.

Dort darf er zunächst einfach das sein, was er unabhängig von jeder Anwendung ist: Teil der heimischen Flora, Nahrungsquelle für Insekten und ein eindrucksvoller Begleiter feuchter Wege und Ufer.


Wasserdost für Hunde: eine Pflanze, die Wissen verlangt

Wasserdost passt nicht recht in unsere modernen Schubladen. Er ist weder nur hübsche Wildstaude noch nur Heilpflanze – und auch nicht einfach eine Giftpflanze.

Seine bitteren und immunologisch interessanten Inhaltsstoffe erklären, weshalb er über Jahrhunderte bei Infekten, Verdauungsbeschwerden und stockenden Stoffwechselprozessen verwendet wurde. Seine Pyrrolizidinalkaloide erklären, weshalb eine unkontrollierte und dauerhafte innerliche Anwendung nicht zu ihm passt.

Für Hunde kann Wasserdost Bestandteil eines begründeten naturheilkundlichen Konzeptes sein. Geeignet sind vor allem nachvollziehbar zusammengesetzte Zubereitungen mit klarer Dosierung und begrenzter Anwendungsdauer. Nicht geeignet ist er als beliebiges Futterkraut, das über Wochen nach Augenmaß in den Napf gegeben wird.

Vielleicht liegt darin tatsächlich eine Verbindung zu Mithridates VI. Eupator. Seine Geschichte erzählt nicht nur von Giften und Gegengiften, sondern vom kundigen Umgang mit wirksamen Stoffen.

Wer dem Wasserdost im Spätsommer am Bachufer begegnet, muss daraus jedoch nicht sofort eine Anwendung ableiten. Manchmal genügt es, stehen zu bleiben, die staubig rosafarbenen Blüten zu betrachten und zuzusehen, wie sich darüber Bienen und Schmetterlinge versammeln.

Manche Pflanzen verlangen nicht, dass wir sie verwenden – nur, dass wir genauer hinsehen und lernen, sie zu erkennen.


Aus der Beratungspraxis

Eine einzelne Heilpflanze lässt sich selten allein nach einer Diagnose oder einem Symptom auswählen. Entscheidend sind ebenso Ernährung, Gesundheitszustand, Medikamente, Verträglichkeit und das Ziel der Anwendung.

Die Diagnose liefert die Richtung – die passende Ernährung ergibt sich aus dem Gesamtbild.

Wenn Sie sich für Ihren Hund eine individuelle Einordnung wünschen, finden Sie hier

Vielelicht möchten Sie den Wasserdost auch bei einer geführten Wildkräuterwanderung bestimmen- und kennenlernen? Dann informieren Sie sich gerne auf meiner Seite zu den Naturführungen.


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