Hydrolate für Hunde – Anwendung und Wirkung
- Sandra
- 10. Jan. 2023
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Apr.
Hydrolate für Hunde werden oft als besonders milde Variante ätherischer Öle beschrieben und entsprechend häufig empfohlen – gerade auch für Tiere.
Das klingt zunächst sinnvoll. Schließlich reagieren Hunde deutlich empfindlicher auf viele Inhaltsstoffe als wir.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass „mild“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „geeignet“ ist. Entscheidend ist nicht nur, was ein Hydrolat grundsätzlich kann, sondern in welcher Situation es eingesetzt wird – und was im Hintergrund eigentlich passiert.

Was sind Hydrolate eigentlich?
Hydrolate entstehen bei der Wasserdampfdestillation von Pflanzen. Dabei werden Pflanzenteile mit Wasserdampf durchströmt, wodurch sich verschiedene Stoffe lösen und später in flüssiger Form wieder kondensieren.
Das Ergebnis ist kein „verdünntes ätherisches Öl“, sondern ein eigenständiges Gemisch aus:
wasserlöslichen Pflanzenbestandteilen
Spuren ätherischer Öle
flüchtigen sekundären Pflanzenstoffen.
Wirkweise der Hydrolate
Hydrolate wirken meist nicht über einen einzelnen dominanten Inhaltsstoff, sondern über das Zusammenspiel vieler Bestandteile. Das führt dazu, dass ihre Wirkung oft weniger klar greifbar und eindeutig ist.
Viele Hydrolate wirken nicht direkt „stark“, sondern eher regulierend. Sie verändern nicht sofort ein Symptom, sondern beeinflussen eher subtil, wie der Körper darauf reagiert.
Genau darin liegt ihre Stärke – und gleichzeitig ihre Grenze.
Hydrolate sie sind meist deutlich milder, aber auch weniger eindeutig steuerbar.

Ein kurzer Exkurs: Warum Hydrolate kein moderner Trend sind
Hydrolate begleiten die Pflanzenheilkunde schon seit Jahrhunderten. Bereits im frühen 16. Jahrhundert wurden in Europa unterschiedliche Verfahren zur Destillation beschrieben – teils unter einfachen, aus heutiger Sicht ungewöhnlichen Bedingungen.
Hieronymus Brunschwig. Liber de arte destillandi de simplicibus
Schon 1508 beschrieb Hieronymus Brunschwieg, ein Wundarzt aus Straßburg, in seinem "Kleinen Destillierbuch" viele verschiedene Herstellungsmethoden, um Hydrolate zu erhalten. Teilweise waren das abenteuerliche Methoden wie Destillieren "im Ameisenhaufen, über Rossmist" aber auch "Sonnendestillation" u. v. m.
Auch in anderen Kulturen haben Pflanzenwässer eine lange Tradition:
Rosenwasser im Orient
Blütenwässer in der Küche und Heilkunde
pflanzliche Destillate in der traditionellen Medizin.
Diese historische Nutzung zeigt:
Hydrolate sind kein „Trendprodukt“, sondern ein seit Langem genutztes Verfahren, um pflanzliche Eigenschaften zugänglich zu machen.
Warum Hydrolate bei Hunden sinnvoll sein können
Im Vergleich zu ätherischen Ölen enthalten Hydrolate nur sehr geringe Mengen an flüchtigen Aromastoffen (oft unter 0,5 %). Dadurch sind sie relativ mild und gut verträglich.
Hydrolate eignen sich vor allem dort, wo keine intensive Wirkung notwendig ist oder wo stärkere Reize vermieden werden sollen.
Typische Situationen sind zum Beispiel:
leichte Hautirritationen
vorsichtige Reinigung von Augen oder Ohren
unterstützende Anwendungen im Bereich der Atemwege
dezente Beeinflussung der Umgebung.
Gleichzeitig ist wichtig zu verstehen:
„Sanft“ bedeutet nicht automatisch „beliebig einsetzbar“.
Auch milde Reize können – je nach Tier und Situation – als unangenehm oder störend empfunden werden.
Das bedeutet in der Praxis:
gleiche Anwendung → unterschiedliche Reaktion
gleiches Hydrolat → unterschiedliche Wirkung je nach Tier
Und genau deshalb ist auch hier eine gewissenhafte Einordnung entscheidend.
Wann Hydrolate für Hunde sinnvoll eingesetzt werden können
Hydrolate können in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung sein – insbesondere dann, wenn sie gezielt und zurückhaltend eingesetzt werden.
Typische Einsatzfelder sind:
Haut und Fell: zur sanften Reinigung oder als Kompresse bei leichten Irritationen
Augen- und Ohrenbereich: vorsichtige Reinigung bei unkomplizierten Verschmutzungen
Umgebung: dezente Beduftung oder Veränderung der Umgebung
Atemwege: bei geeigneten Hydrolaten unterstützend
Wichtiger als die Anwendung selbst ist jedoch die Frage:
Passt diese Maßnahme zur aktuellen Situation des Hundes – oder überdeckt sie nur ein eigentliches Problem?
Grenzen der Anwendung: Wo Hydrolate nicht ausreichen
Hydrolate werden oft als unkompliziert wahrgenommen – genau deshalb werden ihre Grenzen leicht übersehen. Bei wiederkehrenden oder anhaltenden Problemen reicht eine äußerliche Anwendung in der Regel nicht aus.
Dazu gehören zum Beispiel:
chronische Hautprobleme
wiederkehrende Ohren- oder Augenbeschwerden
unklare oder länger bestehende Symptome.
Hier verändern Hydrolate wenig am eigentlichen Geschehen. Sie können begleiten, aber nicht ersetzen, was an anderer Stelle geklärt werden muss.
Wofür kann man Hydrolate allgemein beim Tier anwenden?
Hydrolate sind vielfältig einsetzbar. Hier sind ein paar Anwendungsideen:
Luftdesinfektion: Hydrolate können wie auch ätherische Öle in Duftlampen verwendet werden, sind aber nicht so aufdringlich, Hydrolate können in der Stallbox vernebelt werden
Kompressen: Bei Entzündungen, stumpfen Verletzungen oder kleineren Wunden können Blütenwässer hervorragend als kühlende und desinfizierende Auflagen verwendet werden.
Inhalation: Bei Bronchitis können bestimmte Hydrolate inhaliert werden.
Waschungen: Zum Reinigen von Wundrändern, der Augen (Tränenspuren) und Ohren (auch bei leichten Entzündungen und Irritationen)
Futterzusatz: Bei entsprechender Akzeptanz können Hydrolate auch über das Futter gesprüht werden

Verschiedene Pflanzenwässer und ihre Wirkung
Hier einige Pflanzenwässer und ihre möglichen Anwendungen:
Hamameliswasser: zur Wundrandpflege und bei Entzündungen, zur Reinigung der Ohrmuscheln
Lavendelwasser: beruhigend, ausgleichend, zur Beduftung der Umgebung, zur Reinigung der Ohrmuscheln, gegen Ektoparasiten
Melissenwasser: ausgleichend, bei unruhigen Tieren, antivirale Wirkung auf der Haut, bei Epuliden (Warzen der Mundschleimhaut)
Mädesüßwasser: schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend
Thymianwasser: zur sanften Inhalation, Desinfizierung der Umgebungsluft und der Haut
Euphrasiawasser: Augentrost zum sanften Reinigen von Tränenspuren
Majoran- und Oreganowasser: entkrampfend
Schafgarbenwasser: bei Entzündungen der Haut und im Analbereich, ausgleichend, bei weiblichen Tieren, gegen Fliegen und andere Plagegeister als Fellpflege Zusammen mit Lavendel)
Douglasienwasser: stimmungsaufhellend
Rosenwasser: sanftes Hydrolat zur Hautpflege, Ohrenpflege
Salbeiwasser: desinfizierend bei (wiederkehrenden) Hotspots
Weihrauchwasser: bei Ohrentzündungen durch Hefepilze, bei Verletzungen
Am Ende des Beitrags habe ich einige Hersteller von Hydrolaten verlinkt, die solche Hydrolate in empfehlenswerter Qualität führen.
Die Rolle der Wahrnehmung: Wie Hunde auf Hydrolate reagieren
Tiere können im Allgemeinen besser Gerüche wahrnehmen als wir Menschen. So nehmen sie auch die Duftstoffe der Hydrolate intensiver war. Ein oft unterschätzter Punkt ist die Sinneswahrnehmung des Hundes. Was für uns angenehm ist, kann für den Hund:
irritierend
unangenehm
oder sogar belastend sein.
Deshalb ist es sinnvoll, Hydrolate zunächst vorsichtig zu testen:
kleine Menge anbieten
Reaktion beobachten
Anwendung nur fortsetzen, wenn der Hund den Geruch akzeptiert.
Ein Hund, der sich abwendet oder Unruhe zeigt, signalisiert meist deutlich, dass der Reiz nicht passend ist.
Wenn ein Tier einen Duft ablehnt, wird dieser niemals eine nachhaltig therapeutische oder pflegende Wirkung bei ihm entfalten können.
Oft liest man, dass ätherische Öle speziell zur Stressreduktion bei Hunden angewendet werden; beispielsweise bestimmte Entspannungsöle für die Silvesternacht. Aber auch Ölmischungen gegen Insektenstiche oder generell gegen äußeren Parasitenbefall, die einfach auf das Fell, in den Nacken oder auf die Hinterläufe aufgetragen werden sollen, werden oft angepriesen. Ich finde, man sollte das Tier selbst entscheiden lassen, ob es einen Duft mag oder nicht und ihn notfalls auch nicht verwenden.
Bei Hydrolaten kann man dies genau wie bei den ätherischen Ölen testen: Man zerstäubt eine kleine Menge auf ein Tuch oder seine eigene Hand und lässt das Tier den Geruch prüfen. Wendet es sich angewidert ab oder findet es den Geruch interessant? Schnuppert es sogar vermehrt nach oder versucht es, ihn abzulecken? Vielleicht ist auch der erste Versuch etwas ungewohnt und man präsentiert das Hydrolat einfach nach ein paar Tagen erneut. Lasst euch überraschen, was passiert!

Die konditionierte Entspannung mithilfe von Duft
Will man ein Hydrolat zur Entspannung einsetzen, empfiehlt es sich ein kleines Ritual durchzuführen: In einem ruhigen Moment, in dem das Tier bereits entspannt ist, verwendet man ein mit einem entsprechenden Hydrolat besprühtes Tuch und legt es in die nähere Umgebung des Tieres – Lavendel, Melisse oder Eisenkraut bieten sich hier an. Dies wiederholt man immer dann, wenn entspannte Ruhe einkehrt. Durch mehrmaliges Wiederholen verknüpft das Tier den Geruch nach und nach mit einer relaxten, sicheren Umgebung. So kann man später diese sogenannte konditionierte Entspannung auch in stressigen Situationen nutzen (für eine ausführlichere Anleitung bitte einen entsprechend ausgebildeten Hundetrainer fragen). Wenn dem Tier der Duft des Hydrolats angenehm ist, kann auch auf ein entsprechendes ätherisches Öl gewechselt werden. Besonders geeignet sind meiner Erfahrung nach Lavendelhydrolat und Melissenhydrolat.
Woran Sie hochwertige Hydrolate erkennen
Die Qualität spielt eine entscheidende Rolle.
Da Hydrolate wasserbasiert sind, sind sie empfindlicher gegenüber Verunreinigungen und sollten kühl, dunkel und nicht zu lange gelagert werden.
Hochwertige Hydrolate erkennt man an folgenden Merkmalen:
Verwendung heilkräftiger, biologisch angebauter Pflanzen oder Wildsammlungen
Bei Wildpflanzen ist auf schonende Ernte zu achten, dies gilt insbesondere bei Pflanzenwässern aus exotischen Hölzern
Verwendung von reinen (Quell)-Wassern
Sauberkeit während des Herstellungsprozesses
Genügend bzw. angemessene Zeit während der Destillation und Reifung der Hydrolate
keine Vermischung mit anderen Beikräutern oder Mischungen aus ätherischen Ölen in Wasser oder Wasser/Alkoholgemischen
ohne chemische Zusätze und synthetische Beimischungen
entsprechende Deklaration auf dem Etikett
Hydrolate für Hunde richtig einordnen
Hydrolate können eine interessante und sanfte Möglichkeit sein, Hunde im Alltag zu begleiten. Ihre Wirkung entsteht jedoch nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel vieler Faktoren.
Entscheidend ist daher nicht nur:
welches Hydrolat verwendet wird
sondern vor allem:
in welcher Situation
bei welchem Tier
und mit welchem Ziel
Gerade bei wiederkehrenden oder komplexeren Themen reicht der Blick auf einzelne Maßnahmen oft nicht aus.
Wenn sich die Situation Ihres Hundes nicht klar einordnen lässt
Wenn Sie unsicher sind, ob einzelne Maßnahmen wie Hydrolate in der Situation Ihres Hundes sinnvoll sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die Zusammenhänge.
Gern unterstütze ich Sie dabei, die Situation Ihres Hundes einzuordnen und passende nächste Schritte abzuleiten.
Bezugsquellen: Wo bekommt man gute Hydrolate für Tiere
Hier einige Firmen, die Pflanzenwässer im Angebot haben und die ich gerne nutze und empfehlen kann:
Oshadi *Eine riesige Auswahl von über 80 Hydrolaten in absolut bester Qualität. 100% naturrein, ohne Zusatz von Alkohol oder Konservierungsstoffen. Auch besondere Hydrolate erhältlich, die sonst selten erhältlich sind, wie beispielsweise Artemisia annua Hydrolat, Johannisbeerwasser (schwarz) oder Manuka-Hydrolat.
Stöber einfach mal durch das Sortiment! Aber Achtung: die Hydrolate sind wie erwähnt nicht ewig haltbar. Lieber nachkaufen, statt auf Vorrat horten.

Farfalla essentials – Bio-Pflanzenwasser, z. B. auch Kamille oder Zirbelkiefer
Neumond, kleineres Sortiment, aber auch größere Gebinde erhältlich
Wadi, reine Hydrolate z. B. auch Immortellenwasser
Pernaturam* – Hervorragende Qualität, bietet auch Sets zum Austesten der unterschiedlichen Hydrolate an, was ich sehr praktisch finde.
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