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Tryptophan beim Hund – Wirkung auf Verhalten und Schlaf

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
27. Jan.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Sept.

Kann Tryptophan einen unruhigen Hund tatsächlich entspannter machen? Vielleicht sind Sie auf Tryptophan gestoßen, weil Ihr Hund schlecht zur Ruhe kommt, schnell gestresst ist oder Sie nach einer ernährungsbedingten Unterstützung suchen.

Häufig liest man dazu eine einfache Erklärung: Tryptophan wird für die Bildung von Serotonin benötigt – und Serotonin beeinflusst Stimmung und Verhalten. Auch beim Schlaf spielt Tryptophan eine Rolle, weil aus Serotonin wiederum Melatonin entstehen kann.

Ganz so einfach funktioniert es allerdings nicht. Denn wie viel Tryptophan im Futter steckt, sagt noch nicht, wie viel davon tatsächlich im Gehirn ankommt.

Schauen wir uns deshalb an, was Tryptophan beim Hund tatsächlich bewirken kann, welche Rolle die Fütterung dabei spielt und wann eine Ergänzung überhaupt sinnvoll sein könnte.


Tryptophan beim Hund: Aminosäuren und Proteine

Proteine bestehen aus Aminosäuren. Der Hund benötigt sie unter anderem für Muskeln und Gewebe, Enzyme, Hormone und zahlreiche weitere Stoffwechselprozesse.

Einige Aminosäuren kann der Körper selbst bilden. Andere müssen mit der Nahrung aufgenommen werden und werden deshalb als essentielle Aminosäuren bezeichnet.

Tryptophan gehört beim Hund zu diesen essentiellen Aminosäuren.

Interessant ist dabei nicht nur, ob eine Ration grundsätzlich ausreichend Protein – also Eiweiß enthält, denn auch die Zusammensetzung der Proteine – das sogenannte Aminosäuremuster – spielt eine Rolle. Eine Proteinquelle kann reich an bestimmten Aminosäuren sein und von anderen vergleichsweise wenig liefern.


Weiße Porzellanschalen mit Tryptophan-reichenFleisch, Gemüse, Fisch und Innereien auf einem Holzbrett
Wieviel Tryptophan steckt im Futter Ihres Hundes?

Was macht Tryptophan im Körper des Hundes genau?

Tryptophan wird für die körpereigene Proteinsynthese benötigt. Ein Teil gelangt außerdem in andere Stoffwechselwege.

Besonders bekannt ist die Bildung von Serotonin. Daraus kann wiederum Melatonin entstehen, das unter anderem an der Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt ist.

Serotonin erfüllt allerdings je nach Ort sehr unterschiedliche Aufgaben. Ein großer Teil des körpereigenen Serotonins befindet sich im Magen-Darm-Trakt und ist dort unter anderem an Motilität und Sekretion beteiligt.

Serotonin im Gehirn ist dagegen an zahlreichen neuronalen Prozessen beteiligt, darunter Stimmung, Schlaf, Stressreaktionen und Verhalten.

Das im Darm gebildete Serotonin gelangt nicht einfach ins Gehirn. Für die Serotoninwirkung im zentralen Nervensystem muss zunächst Tryptophan die Blut-Hirn-Schranke überwinden und dort weiterverarbeitet werden.

Wie viel Tryptophan kommt im Gehirn an?

Tryptophan gelangt über das Blut zum Gehirn. An der Blut-Hirn-Schranke trifft es allerdings auf Konkurrenz: Mehrere andere große neutrale Aminosäuren nutzen dasselbe Transportsystem.

Deshalb ist für die Verfügbarkeit im Gehirn nicht allein interessant, wie viel Tryptophan eine Mahlzeit enthält, denn auch das Verhältnis von Tryptophan zu den konkurrierenden Aminosäuren spielt eine Rolle. Genau hier wird die Zusammensetzung der Ration interessant: Nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit führt die Insulinausschüttung dazu, dass verschiedene konkurrierende Aminosäuren verstärkt aus dem Blut in Gewebe aufgenommen werden. Genau hierdurch kann sich das Verhältnis zugunsten von Tryptophan verändern und dessen Transport ins Gehirn erleichtert werden.

Dies zeigt , warum die einfache Rechnung „viel Fleisch = viel Protein = viel Tryptophan = viel Serotonin“ nicht aufgeht.

Mehr über den Zusammenhang zwischen Proteinmenge, Kohlenhydraten und Verhalten finden Sie in meinem Beitrag „Beeinflusst die Fütterung das Verhalten eines Hundes?“ In meinem Blogbeitrag "Beeinflusst die Fütterung das Verhalten eines Hundes" können Sie das noch einmal konkreter nachlesen.

Wie Stress, Entzündungen und Darmgesundheit Tryptophan beeinflussen

Tryptophan wird im Körper nicht nur für die Bildung von Serotonin verwendet. Ein großer Teil wird über einen anderen Stoffwechselweg verarbeitet, den sogenannten Kynureninweg. Dieser Weg wird besonders interessant, wenn das Immunsystem aktiv ist. Bei Entzündungen können bestimmte Botenstoffe dafür sorgen, dass mehr Tryptophan über diesen Weg abgebaut wird. Damit verändert sich auch, wie viel Tryptophan für andere Aufgaben zur Verfügung steht.

Anhaltender Stress kann ebenfalls in diesen Stoffwechsel eingreifen. Dabei spielt unter anderem das Stresshormon Cortisol eine Rolle.

Das ist alles ziemlich kompliziert aber man sollte sich merken: Es kommt nicht nur darauf an, wie viel Tryptophan mit dem Futter aufgenommen wird – auch der Körper entscheidet anschließend, wofür er es verwendet.

Der Darm spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Besonders bei chronischen Darmerkrankungen treffen mehrere Faktoren aufeinander: Darmschleimhaut, Darmbakterien und Immunsystem können verändert sein – und damit auch die Nutzung des Tryptophans.

Das ist einer der Gründe, warum die Verbindung zwischen Darm, Ernährung und Nervensystem inzwischen so intensiv erforscht wird. Ein sehr spannendes Thema!


Tryptophan im Futter – woher bekommt Ihr Hund es?

Tryptophan steckt in vielen eiweißreichen Lebensmitteln. Dazu gehören zum Beispiel Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte, aber auch verschiedene pflanzliche Eiweißquellen, wie beispielsweise Soja und Sojaprodukte.

Bei einem ausgewogen ernährten Hund ist ein isolierter Tryptophanmangel daher eher nicht das Erste, woran man denken würde.

Für unser Thema ist wie bereits angedeutet etwas anderes viel spannender: Tryptophan im Futter und Tryptophan im Gehirn sind nicht dasselbe.

Wie wir weiter oben gesehen haben, muss Tryptophan erst einmal ins Gehirn gelangen. Dabei konkurriert es mit anderen Aminosäuren um denselben „Transportweg“. Eine sehr eiweiß- und fleischreiche Ration liefert zwar viele Aminosäuren – damit steigt aber gleichzeitig auch die Konkurrenz. Deshalb lässt sich nicht einfach sagen:

Viel Fleisch = viel Tryptophan = viel Serotonin.

Für die Beurteilung einer Ration lohnt sich deshalb der Blick auf die gesamte Zusammensetzung: Welche Proteinquellen werden gefüttert? Wie viel Protein enthält die Ration? Gibt es Kohlenhydrate? Und gibt es gesundheitliche Besonderheiten, die den Stoffwechsel beeinflussen können?


5-HTP als Nahrungsergänzung – lieber nicht auf eigene Faust!

Auf dem Weg der Umwandlung von Tryptophan zu Serotonin entsteht zunächst 5-HTP (5-Hydroxytryptophan). Im nächsten Schritt wird daraus Serotonin. 5-HTP gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel für uns Menschen. Das klingt zunächst harmlos, ist es aber nicht unbedingt. Da 5-HTP bereits eine direkte Vorstufe von Serotonin ist, kann eine zu hohe Zufuhr zu unerwünschten Wirkungen führen.

Besonders problematisch kann die Kombination mit Medikamenten sein, die ebenfalls den Serotoninstoffwechsel beeinflussen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen – einer gefährlichen Überaktivität des Serotoninsystems.

Deshalb gehört 5-HTP beim Hund für mich nicht zu den Nahrungsergänzungen, mit denen man auf eigene Faust experimentieren sollte.

Auch für Tryptophan gilt: Mehr davon macht einen Hund nicht automatisch ruhiger oder entspannter. Bevor einzelne Aminosäuren ergänzt werden, lohnt sich wie immer zunächst der Blick auf die gesamte Fütterung.

Wann lohnt sich ein Blick auf Tryptophan und Serotonin wirklich?

Tryptophan kann ein interessantes Puzzleteil sein, wenn Sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten Ihres Hundes beschäftigen. Das gilt zum Beispiel, wenn Ihr Hund sehr proteinreich und kohlenhydratarm gefüttert wird oder seine Ration insgesamt sehr einseitig zusammengesetzt ist.

Auch bei länger bestehenden Magen-Darm-Erkrankungen oder entzündlichen Prozessen kann der Tryptophanstoffwechsel interessant sein, weil Darm, Immunsystem und Tryptophan wie gezeigt eng miteinander verbunden sind.

Bei Unruhe, Nervosität oder hoher Reaktivität würde ich Tryptophan dagegen nie isoliert betrachten. Verhalten hat viele Ursachen – von Lernerfahrungen und Umweltreizen über Schmerzen und Erkrankungen bis hin zu Stress und individuellen Eigenschaften des Hundes.


Bei einer Futterüberprüfung können wir uns beispielsweise anschauen:

  • Wie viel Protein enthält die Ration genau und aus welchen Quellen stammt es?

  • Ist die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren ausreichend?

  • Wie ist die gesamte Ration zusammengesetzt?

  • Gibt es gesundheitliche Besonderheiten, die bei der Fütterung berücksichtigt werden sollten?


Sie möchten wissen, ob die Fütterung Ihres Hundes wirklich zu ihm passt? In meiner Ernährungsberatung überprüfe ich die gesamte Ration und berücksichtige dabei auch gesundheitliche Besonderheiten und die individuelle Situation Ihres Hundes.


napfnatura • nachvollziehbar füttern

Ernährungsberatung für Hunde

Sandra Orkunt


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