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Futtermittelallergie beim Hund – Ausschlussdiät verstehen

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
1. Apr. 2021
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund bestimmte Futtermittel nicht verträgt, kann eine Ausschlussdiät – auch Eliminationsdiät genannt – helfen, mögliche Auslöser einzugrenzen. Ziel ist es herauszufinden, welche Bestandteile Ihr Hund gut verträgt und auf welche er mit Beschwerden reagiert.

Eine Ausschlussdiät beim Hund muss dabei nicht kompliziert sein. Entscheidend ist vor allem, dass sie konsequent, übersichtlich und über einen ausreichend langen Zeitraum durchgeführt wird.

In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie eine Ausschlussdiät sinnvoll aufgebaut wird, worauf Sie bei der Auswahl der Zutaten achten sollten und welche Fehler die Auswertung erschweren können.


Hund mit leerem Futternapf bei einer Ausschlussdiät
Ganz so leer sieht der Napf während einer Ausschlussdiät übrigens nicht aus – versprochen!

Ausschlussdiät beim Hund – der Goldstandard bei Verdacht auf Futtermittelallergie

Eine Ausschlussdiät ist die wichtigste praktische Methode, um eine mögliche Futtermittelallergie oder Futtermittelunverträglichkeit zu überprüfen.

Dafür erhält Ihr Hund für einen festgelegten Zeitraum nur wenige, gezielt ausgewählte Zutaten – meist eine Proteinquelle und eine Kohlenhydrat- oder Gemüsequelle, die zuvor möglichst nicht gefüttert wurden.

Während dieser Zeit wird beobachtet, ob sich typische Beschwerden wie Juckreiz, Hautprobleme, Ohrenentzündungen oder Verdauungsbeschwerden bessern.

Wichtig ist dabei: Eine Ausschlussdiät dient nicht nur dazu, Symptome vorübergehend zu beruhigen. Sie soll helfen, mögliche Auslöser systematisch zu erkennen und die weitere Fütterung gezielt aufzubauen.


Schritt für Schritt zur Ausschlussdiät beim Hund

Damit eine Ausschlussdiät beim Hund wirklich aussagekräftig ist, müssen die Zutaten sorgfältig ausgewählt und anschließend konsequent gefüttert werden.


Schritt 1: Eine geeignete Proteinquelle auswählen

Am besten eignet sich eine tierische Proteinquelle, die Ihr Hund bisher noch nicht oder möglichst selten bekommen hat.

Je nach Fütterungsgeschichte können beispielsweise infrage kommen:

  • Pferd

  • Ziege

  • Kaninchen

  • Känguru

  • Strauß

  • Schwein – nur gut durchgegart

  • bestimmte Insektenproteine

  • vegane oder vegetarische Proteinquellen

Entscheidend ist nicht, ob die Proteinquelle besonders "exotisch" ist, sondern ob Ihr Hund bereits Kontakt damit hatte. Auch Insektenprotein kann eine Möglichkeit sein. Eine allergische Reaktion ist darauf jedoch grundsätzlich ebenfalls möglich. Deshalb lohnt es sich, die bisherige Fütterung einschließlich Leckerlis, Kauartikeln und früherer Futtersorten möglichst genau durchzugehen.


Schritt 2: Eine passende Kohlenhydrat- oder Gemüsequelle auswählen

Zur Proteinquelle kommt eine möglichst gut verträgliche Zutat, die Ihr Hund ebenfalls bisher nicht oder nur selten gefressen hat.

Je nach Hund können beispielsweise geeignet sein:

  • Süßkartoffel

  • Pastinake

  • Hirse

  • Buchweizen

  • Amaranth

  • Quinoa

Welche Zutat passt, hängt auch hier von der bisherigen Fütterung und von den Beschwerden Ihres Hundes ab.


Schritt 3: Energie, Fett und Mineralstoffe nicht vergessen

Eine Ausschlussdiät soll möglichst wenige Zutaten enthalten – sie sollte deshalb aber nicht unnötig unausgewogen werden.

Sehr magere Fleischsorten wie Pferd oder Hirsch liefern möglicherweise nicht genügend Energie. Dann kann eine passende Fettquelle notwendig sein.

Ebenso wichtig ist die Calciumversorgung. Knochenloses Fleisch enthält sehr wenig Calcium und gleichzeitig vergleichsweise viel Phosphor. Wird eine Ausschlussdiät über mehrere Wochen gefüttert, sollte deshalb eine geeignete Calciumquelle von Beginn an mit eingeplant werden.

Weitere Ergänzungen werden so sparsam wie möglich eingesetzt und danach ausgewählt, was während der jeweiligen Phase wirklich notwendig ist.


Schritt 4: 6–8 Wochen konsequent bleiben

Eine Ausschlussdiät wird in der Regel über mehrere Wochen durchgeführt. Für die Beurteilung von Hautsymptomen werden häufig etwa 6–8 Wochen benötigt; gastrointestinale Beschwerden können sich teilweise früher verändern.

Während dieser Zeit bekommt Ihr Hund ausschließlich die festgelegten Zutaten.

Das bedeutet:

  • keine zusätzlichen Leckerlis

  • keine Kauartikel

  • keine Essensreste

  • keine Nahrungsergänzungen mit unbekannten Geschmacks- oder Proteinbestandteilen

  • keine aromatisierten Produkte, sofern sie nicht geprüft wurden

Auch Medikamente können Bestandteile enthalten, die für eine Ausschlussdiät relevant sind. Notwendige Medikamente werden deshalb nicht abgesetzt, sondern bei Bedarf mit der behandelnden Tierarztpraxis besprochen.


Schritt 5: Auch kleine Ausnahmen können die Auswertung erschweren

Bei einer Ausschlussdiät zählt Konsequenz.

Wenn Sie weiterhin Leckerlis geben möchten, können Sie aus den erlaubten Zutaten selbst kleine Belohnungen herstellen. So wissen Sie genau, was Ihr Hund bekommt.

Industrielle Snacks sind während dieser Phase häufig ungeeignet, weil sie weitere tierische Proteine, Aromen oder andere Zutaten enthalten können.


Schritt 6: Veränderungen beobachten und dokumentieren

Während der Ausschlussdiät lohnt es sich, die Symptome regelmäßig zu notieren. Dazu gehören je nach Hund beispielsweise:

  • Juckreiz

  • Pfotenlecken

  • Ohrenprobleme

  • Hautveränderungen

  • Kotkonsistenz

  • Häufigkeit des Kotabsatzes

  • Blähungen

  • Bauchgeräusche oder Bauchschmerzen

  • Erbrechen oder Schmatzen

Verdauungsbeschwerden können sich teilweise schon innerhalb weniger Wochen bessern. Bei Hautproblemen dauert die Beurteilung häufig länger.

Bleibt eine deutliche Besserung aus, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Umweltallergie vorliegt. Dann muss geprüft werden, ob die Diät wirklich konsequent durchgeführt wurde, ob die gewählten Zutaten geeignet waren oder ob andere Ursachen für die Beschwerden infrage kommen.


Die Provokation: der entscheidende Schritt nach der Ausschlussdiät

Haben sich die Beschwerden Ihres Hundes während der Ausschlussdiät deutlich gebessert, folgt die sogenannte Provokationsphase. Erst damit lässt sich prüfen, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Futter und Beschwerden besteht.

Dafür wird zunächst wieder ein zuvor gefüttertes Futter oder eine "verdächtige Zutat" gegeben. Treten die Beschwerden erneut auf, spricht das für eine futtermittelbedingte Reaktion. Danach kann wieder auf die gut verträgliche Ausschlussration zurückgegangen und später gezielt mit einzelnen Zutaten weiter getestet werden. Reaktionen können innerhalb weniger Stunden auftreten, manchmal aber auch erst nach mehreren Tagen. Deshalb sollten einzelne Zutaten nicht zu schnell hintereinander getestet werden.


Ein Futtertagebuch hilft während der Provokationsphase sehr. Notieren Sie, wann welche Zutat eingeführt wurde und ob sich Haut, Ohren, Juckreiz oder Verdauung verändern.

Droht während einer Ausschlussdiät eine Mangelversorgung?

Eine Ausschlussdiät ist bewusst einfach und nur mit sehr wenigen Futtermitteln aufgebaut. Das bedeutet, dass sie – dauerhaft gefüttert – meistens unausgewogen ist.

Gerade bei selbst gekochten Rationen aus Fleisch und einer Kohlenhydrat- oder Gemüsequelle sollte die Calciumversorgung von Anfang an mitgedacht werden. Knochenloses Fleisch enthält nur wenig Calcium, gleichzeitig aber relativ viel Phosphor. Über mehrere Wochen kann daraus eine deutlich unausgewogene Mineralstoffversorgung entstehen.

Warum Calcium nicht nur für Knochen, sondern bereits für die Verdauungsphysiologie wichtig ist, lesen Sie in meinem Beitrag zum Calcium-Phosphor-Verhältnis beim Hund.

Bei erwachsenen, sonst stabilen Hunden lässt sich eine reduzierte Ration für einen begrenzten Zeitraum gut gestalten. Bei Welpen, Junghunden, trächtigen oder säugenden Hündinnen sowie kranken oder geschwächten Hunden sollte die Ration besonders sorgfältig berechnet werden, da diese empfindlicher auf einen Mangel reagieren können.


Welche Futtermittel eignen sich für eine Ausschlussdiät?

Grundsätzlich gibt es zwei bewährte Möglichkeiten:


  • eine selbst zusammengestellte Ration mit einer bislang nicht gefütterten Proteinquelle

  • eine geeignete veterinärmedizinische Diät mit stark hydrolysiertem Protein.


Beide Varianten können funktionieren. Wichtig ist bei beiden Formen, dass die Diät konsequent durchgeführt wird und keine anderen Proteinquellen dazwischenkommen.


Vorsicht bei frei verkäuflichen „Monoprotein“- oder „hypoallergenen“ Futtern

Nicht jedes Produkt, das mit „Single Protein“, „Monoprotein“ oder „hypoallergen“ beworben wird, eignet sich automatisch für eine diagnostische Ausschlussdiät.

Hier lohnt sich der genaue Blick auf das Etikett besonders!

Gerade wenn die Ausschlussdiät wirklich diagnostisch genutzt werden soll, ist deshalb die Auswahl des geeigneten Futters wichtig.


Reinfleischdosen als praktische Alternative?

Reinfleischdosen können eine praktische Möglichkeit sein, wenn Sie nicht täglich frisch kochen möchten. Sie sollten aber genau prüfen, ob tatsächlich nur die gewünschte Tierart enthalten ist und ob das Produkt für eine diagnostische Ausschlussdiät zuverlässig genug ist.

Außerdem sind Reinfleischdosen in der Regel kein Alleinfuttermittel. Calcium, Energieversorgung und weitere Nährstoffe müssen deshalb bei längerer Fütterung zusätzlich berücksichtigt werden.


Eine gute Ausschlussdiät braucht vor allem drei Dinge:

eine passende Ausgangsration, Konsequenz und eine anschließende Provokation.

Je übersichtlicher die Zutaten sind, desto besser lässt sich erkennen, worauf Ihr Hund tatsächlich reagiert. Gleichzeitig sollte eine mehrere Wochen dauernde Ausschlussdiät so zusammengestellt sein, dass keine unnötigen ernährungsphysiologischen Probleme entstehen.

Wenn Ihr Hund unter wiederkehrenden Haut-, Ohren- oder Verdauungsproblemen leidet und Sie eine Ausschlussdiät sinnvoll aufbauen möchten, unterstütze ich Sie gern bei Auswahl, Berechnung und Auswertung der Ration.


napfnatura – nachvollziehbar füttern

Ernährungsberatung für Hunde

Sandra Orkunt


Ich begleite Hunde mit gesundheitlichen Problemen und chronischen Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen Ernährung und die Einordnung komplexer Fütterungssituationen.


Zuletzt aktualisiert: 23.09.2026

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