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Reishi für Hunde mit Juckreiz: Mehr als eine Histaminfrage

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • vor 4 Tagen
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Reishi enthält Triterpene, die die Freisetzung von Histamin beeinflussen und entzündliche Prozesse regulieren können. Dadurch kann der Vitalpilz für Hunde mit Juckreiz und allergisch bedingten Hautbeschwerden interessant sein. Entscheidend sind die passende Zubereitung, die Qualität des Extrakts und die individuelle Situation des Hundes.

Juckreiz, Allergie und Histamin bzw. Histaminose werden häufig fast gleichbedeutend verwendet. Das klingt zunächst logisch: Bei einer allergischen Reaktion werden Mastzellen aktiviert, Histamin wird freigesetzt und die Haut beginnt zu jucken. Also müsste alles, was Histamin hemmt, auch den Juckreiz beenden.

Beim Hund funktioniert diese Rechnung jedoch nur teilweise. Histamin spielt vor allem bei akuten Reaktionen mit Rötung, Schwellung oder Quaddelbildung eine Rolle. Chronischer Juckreiz wird dagegen von einem ganzen Netzwerk aus Immunzellen, Entzündungsbotenstoffen, Hautnerven und Veränderungen der Hautbarriere unterhalten. Das erklärt auch, warum klassische Antihistaminika vielen allergischen Hunden nur wenig helfen.


Reishi ist in diesem Zusammenhang besonders interessant. Aber was ist Reishi überhaupt? Reishi ist ein holzbewohnender Vitalpilz, der auch als Glänzender Lackporling oder Ganoderma lucidum bekannt ist. Er besitzt einen festen, glänzenden Fruchtkörper und wird seit Jahrhunderten in der traditionellen asiatischen Heilkunde verwendet. Zu seinen wichtigsten Inhaltsstoffen gehören Polysaccharide, darunter Beta-Glucane, sowie Triterpene und Ganodersäuren. Einzelne Ganodersäuren hemmten in Zellversuchen die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Weitere experimentelle Untersuchungen an Mäusen deuten darauf hin, dass bestimmte Reishi-Extrakte auch andere Wege des Juckreizes beeinflussen könnten. Möglicherweise liegt gerade darin seine eigentliche Stärke.

Dieser Beitrag beschäftigt sich deshalb nicht mit Reishi als allgemeinem Vitalpilz. Im Mittelpunkt steht die Frage, was wir über seine Wirkung auf Mastzellen, Histamin, Entzündungsprozesse und die Weiterleitung von Juckreiz wissen – und welche Reishi-Zubereitung dafür überhaupt infrage kommt.


Beagle knabbert am Vorderlauf aufgrund von Juckreiz
Juckreiz ist sehr belastend für den Hund und seine Menschen.

Juckreiz ist ein Symptom und keine Diagnose

Ein juckender Hund kann sich kratzen, lecken, knabbern, mit dem Gesicht über den Boden reiben oder immer wieder dieselben Hautstellen bearbeiten. Dahinter können sehr unterschiedliche Auslöser stehen: Flöhe und Milben, bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Hautentzündungen, Kontaktreizungen, Futtermittelreaktionen oder eine atopische Dermatitis.

Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen und eine geschwächte Hautbarriere erleichtert zudem das Eindringen von Allergenen. Durch Kratzen und Lecken entstehen kleine Verletzungen. Bakterien und Hefen können sich vermehren und setzen weitere entzündliche Reize. So entwickelt sich ein Kreislauf, der längst nicht mehr allein vom ursprünglichen Auslöser abhängig ist.

Reishi kann in einem solchen Geschehen als eigenständiger naturheilkundlicher Behandlungsweg interessant sein. Er ersetzt weder eine Diagnose noch die notwendige Behandlung von Parasiten, Infektionen oder anderen konkreten Auslösern. Seine mögliche Aufgabe liegt darin, überschießende Reaktionen und entzündliche Prozesse auf längere Sicht zu regulieren.


Was passiert bei allergischem Juckreiz in der Haut?

Die Haut ist nicht nur eine schützende Hülle. Sie ist ein aktives Immunorgan, in dem Hautzellen, Abwehrzellen, Mikroorganismen und Nervenfasern eng miteinander kommunizieren.

Dringt ein Allergen durch die Hautbarriere ein, kann es von Immunzellen erkannt werden. Bindet ein Allergen an die auf der Mastzelle sitzenden IgE-Antikörper, wird die Zelle aktiviert. Sie setzt gespeicherte Stoffe wie Histamin und Proteasen frei und bildet weitere Entzündungsbotenstoffe. Diesen Vorgang bezeichnet man als Degranulation. Histamin ist dabei einer der bekanntesten Botenstoffe und spielt besonders bei akuten allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle.


Histamin und Mastzellen

Histamin erweitert kleine Blutgefäße und erhöht ihre Durchlässigkeit. Dadurch können Rötungen, Schwellungen und Quaddeln entstehen. Gleichzeitig aktiviert Histamin bestimmte Nervenendigungen in der Haut und kann so einen akuten Juckreiz auslösen.

Mastzellen setzen jedoch auch Proteasen, Lipidbotenstoffe und entzündungsfördernde Signale frei. Diese beeinflussen weitere Immunzellen, Hautzellen und Nervenfasern. Selbst wenn die unmittelbare Histaminwirkung nachlässt, kann die Entzündungsreaktion deshalb weiterlaufen.

Genau hier unterscheidet sich eine akute Quaddel nach einem Insektenstich von einer chronischen atopischen Hauterkrankung. Bei der Quaddel kann Histamin deutlich im Vordergrund stehen. Bei einem seit Monaten juckenden Hund ist es meist nur ein Teil eines wesentlich größeren Geschehens.


Exkurs: Histaminose beim Hund – was bedeutet der Begriff?

Der Begriff „Histaminose“ wird verwendet, wenn im Körper mehr Histamin wirksam wird, als ausreichend schnell abgebaut werden kann. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine einheitliche Erkrankung. Das Histamin kann aus unterschiedlichen Quellen stammen: Es kann bei allergischen oder entzündlichen Reaktionen aus Mastzellen freigesetzt, über das Futter aufgenommen oder durch Mikroorganismen im Verdauungstrakt gebildet werden.

Histamin im Futter entsteht vor allem dann, wenn Bakterien die Aminosäure Histidin abbauen. Deshalb spielen bei Fleisch und Fisch insbesondere Frische, Verarbeitung, Lagerung und die Einhaltung der Kühlkette eine Rolle. Untersuchungen von Heimtierfuttermitteln zeigen, dass der Histamingehalt selbst innerhalb ähnlicher Produkte erheblich schwanken kann. Pauschale Listen mit angeblich „histaminreichen“ oder „histaminfreisetzenden“ Futtermitteln greifen daher häufig zu kurz.

Beim Menschen wird eine verminderte Aktivität des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxidase, kurz DAO, als möglicher Mechanismus diskutiert. Selbst dort existiert jedoch kein zuverlässiges Einzelverfahren, mit dem sich eine Histaminintoleranz eindeutig nachweisen lässt. Beim Hund ist die sogenannte Histaminose bislang erst recht keine standardisierte veterinärmedizinische Diagnose. Es gibt weder anerkannte Diagnosekriterien noch einen ausreichend validierten DAO-Bluttest für Hunde.

Juckreiz, gerötete Haut, weicher Kot, Durchfall oder Unruhe nach dem Fressen beweisen deshalb keine Histaminose. Dennoch kann eine erhöhte Histaminbelastung bei einzelnen Hunden eine Rolle spielen. Ein zeitlich begrenzter Versuch mit einer sehr frischen, überschaubar zusammengesetzten Fütterung kann dann ein sinnvolles Beobachtungsfenster schaffen. Bessern sich die Beschwerden, sollte anschließend gezielt geprüft werden, welche Futtermittel, Lagerungszeiten oder Zubereitungen tatsächlich eine Reaktion auslösen. Eine dauerhaft stark eingeschränkte Fütterung allein aufgrund des Verdachts ist nicht sinnvoll.

Auch Reishi sollte in diesem Zusammenhang nicht lediglich als „Histaminsenker“ verstanden werden. Zwar hemmten einzelne Ganodersäuren in Zellversuchen die Histaminfreisetzung aus Mastzellen. Die Untersuchungen zum Juckreiz bei Mäusen deuten jedoch darauf hin, dass bestimmte Reishi-Extrakte zusätzlich andere Signalwege und möglicherweise auch die Reizweiterleitung in den Hautnerven beeinflussen. Gerade deshalb ist Reishi auch dort interessant, wo sich der Juckreiz nicht allein mit Histamin erklären lässt.


IL-31 und weitere Juckreizbotenstoffe

Bei allergischen Hunden spielt unter anderem der Botenstoff Interleukin-31, kurz IL-31, eine wichtige Rolle. Er wird von bestimmten Immunzellen gebildet und kann unmittelbar an Rezeptoren der Hautnerven binden. Das Nervensystem erhält dadurch ein Juckreizsignal, ohne dass Histamin der entscheidende Vermittler sein muss.

Daneben sind Proteasen, Leukotriene, verschiedene Zytokine und Signalstoffe aus geschädigten Hautzellen beteiligt. Auch die Empfindlichkeit der Nervenfasern kann sich verändern. Bei einer länger bestehenden Entzündung reagieren sie zunehmend auf Reize, die gesunde Haut kaum wahrnehmen würde.

Juckreiz beim Hund ist daher kein einzelner Schalter, der nur durch Histamin eingeschaltet wird. Er ähnelt eher einem Gespräch zwischen Haut, Immunsystem und Nervensystem, bei dem mit der Zeit immer mehr Beteiligte durcheinanderreden.


Reishi wächst  mit der typischen, glänzenden Oberfläche seiner Fruchtkörper an einem Baumstamm.


Reishi Fruchtkörper an einem Baumstamm
Reishi wächst mit der typischen, glänzenden Oberfläche seiner Fruchtkörper an einem Baumstamm.

Ist Reishi für Hunde mit Juckreiz ein natürliches Antihistaminikum?

Reishi wird häufig als „natürliches Antihistaminikum“ bezeichnet. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Pilzes die Freisetzung von Histamin beeinflussen können. Reishi wirkt dabei jedoch anders als ein klassisches Antihistaminikum.

Histamin wird unter anderem in Mastzellen gespeichert. Werden diese Immunzellen durch einen passenden Reiz aktiviert, schütten sie Histamin und weitere entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Diese können Juckreiz, Rötungen und Schwellungen auslösen.

Bereits in den 1980er-Jahren zeigte sich in Zellversuchen, dass zwei Triterpene aus Reishi – die Ganodersäuren C und D – die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen verminderten. Reishi setzte damit einen Schritt früher an als ein klassisches H1-Antihistaminikum:

  • Ein H1-Antihistaminikum blockiert die Wirkung von Histamin, nachdem es bereits freigesetzt wurde.

  • Bestimmte Reishi-Inhaltsstoffe können offenbar dazu beitragen, dass Mastzellen weniger Histamin ausschütten.

Reishi baut Histamin allerdings nicht ab und ersetzt auch nicht das körpereigene histaminabbauende Enzym Diaminoxidase, kurz DAO.

Weitere Laboruntersuchungen mit einem verwandten Lackporling sprechen dafür, dass für diesen Effekt vor allem die Triterpene von Bedeutung sind. Eine triterpenreiche Fraktion verringerte die Histaminfreisetzung, während eine Polysaccharidfraktion diese Wirkung nicht zeigte. Für die Auswahl eines Reishi-Präparates ist das interessant: Bei histaminbezogenem Juckreiz kommt es nicht allein auf einen hohen Gehalt an β-Glucanen an. Auch die Triterpene und Ganodersäuren sollten berücksichtigt werden.

Reishi lässt sich deshalb nicht mit einem klassischen Antihistaminikum gleichsetzen. Der Pilz besitzt einen anderen Wirkansatz: Bestimmte Triterpene können offenbar bereits die Freisetzung von Histamin beeinflussen und zugleich an weiteren Vorgängen ansetzen, die an allergischen Entzündungen und Juckreiz beteiligt sind.


Was zeigen Untersuchungen zu Reishi und Juckreiz?

Besonders aufschlussreich sind zwei Untersuchungen, in denen Reishi-Extrakte nicht nur an isolierten Zellen, sondern in verschiedenen Mausmodellen für Juckreiz geprüft wurden (Studien: siehe Quellenangabe unten).

Dabei zeigte sich etwas Überraschendes: Der Reishi-Extrakt verminderte nicht jede Form von Juckreiz gleichermaßen.

In einem Versuch wurde das Kratzen durch unterschiedliche Botenstoffe ausgelöst. Der verwendete Reishi-Extrakt hemmte Reaktionen, die durch Serotonin und einen sogenannten Protease-aktivierten Rezeptor verursacht wurden. Gegen unmittelbar durch Histamin ausgelöstes Kratzen wirkte er dagegen nicht.

Auch Kratzreaktionen nach Substanz P und nach einer starken experimentellen Mastzellaktivierung blieben weitgehend unbeeinflusst. Die Wirkung ließ sich somit nicht einfach durch eine allgemeine Hemmung von Mastzellen oder Histamin erklären.

Das ist für die Einordnung ausgesprochen interessant. Reishi könnte Juckreiz an Stellen beeinflussen, die in der üblichen Bezeichnung „antihistaminisch“ gar nicht vorkommen.


Einfluss auf die Weiterleitung des Juckreizes

In einer weiteren Untersuchung wurden Mäuse zuvor gegen Bestandteile aus Mückenspeichel sensibilisiert. Der anschließende Kontakt löste eine allergische Reaktion mit deutlichem Kratzen aus. Nach der Gabe eines Reishi-Extraktes kratzten sich die Tiere weniger.

Gleichzeitig verringerte der Extrakt die Aktivität bestimmter Hautnerven. Die bei einer allergischen Reaktion auftretende erhöhte Gefäßdurchlässigkeit wurde dagegen nicht wesentlich verändert. Auch daraus schlossen die Forschenden, dass Mastzellen und H1-Histaminrezeptoren vermutlich nicht die wichtigsten Angriffspunkte der beobachteten Wirkung waren.

Reishi scheint damit nicht nur die Freisetzung einzelner Entzündungsbotenstoffe beeinflussen zu können. Bestimmte Inhaltsstoffe könnten auch auf die Reizaufnahme oder Reizweiterleitung in den peripheren Hautnerven einwirken.

Damit berührt der Pilz eine Verbindung, die bei chronischem Juckreiz immer wichtiger wird: das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Nervensystem.


Warum diese Ergebnisse für juckende Hunde interessant sind

Die bisherigen Untersuchungen wurden nicht an Hunden mit atopischer Dermatitis durchgeführt. Dennoch passen ihre Ergebnisse erstaunlich gut zu dem, was wir über chronischen Juckreiz beim Hund wissen.

Auch bei Hunden ist Histamin nicht der einzige und häufig nicht einmal der wichtigste Juckreizvermittler. Das zeigt sich bereits daran, dass klassische Antihistaminika bei chronischer atopischer Dermatitis oft nur eine begrenzte Wirkung entfalten. Sie können einzelnen Hunden helfen, vor allem bei milden oder akuten Reaktionen, erreichen aber nicht alle beteiligten Signalwege.

Bei chronischem Juckreiz spielen unter anderem eine gestörte Hautbarriere, Mastzellmediatoren, Proteasen, IL-31 und zunehmend empfindliche Hautnerven zusammen. Sekundäre Infektionen durch Bakterien oder Hefen verstärken das Geschehen zusätzlich.

Reishi ist deshalb nicht nur wegen einer möglichen Wirkung auf Histamin interessant. Seine Triterpene werden auch wegen ihres Einflusses auf entzündliche Signalwege untersucht, während seine β-Glucane mit verschiedenen Zellen des Immunsystems in Kontakt treten. Gleichzeitig deuten die Tierversuche darauf hin, dass bestimmte Reishi-Extrakte die Weiterleitung von Juckreiz beeinflussen könnten.

Daraus ergibt sich ein breiterer naturheilkundlicher Ansatz: nicht nur einen einzelnen Botenstoff zu blockieren, sondern mehrere Ebenen eines entzündlichen und allergischen Geschehens zu begleiten.


Reishi oder gezielte Juckreizmedikamente?

Apoquel, Numelvi und Cytopoint wurden als Medikamente entwickelt, um bekannte Signalwege des allergischen Juckreizes gezielt zu unterbrechen. Reishi verfolgt einen anderen Ansatz. Der Pilz blockiert keinen einzelnen Botenstoff, sondern soll regulierend auf Immunzellen, Entzündungsprozesse und möglicherweise auch auf die Reizweiterleitung in der Haut einwirken.

Für mich sind das deshalb keine Mittel, die einfach parallel eingesetzt werden. Für solche Kombinationen fehlen belastbare Untersuchungen. Unter einer wirksamen Juckreizmedikation ließe sich außerdem kaum beurteilen, welchen eigenen Beitrag Reishi tatsächlich leistet.


Apoquel und Numelvi unterbrechen JAK-Signale

Apoquel enthält Oclacitinib, Numelvi den neueren Wirkstoff Atinvicitinib. Beide hemmen Januskinasen und unterbrechen dadurch die Weiterleitung verschiedener Zytokinsignale, die an allergischer Entzündung und Juckreiz beteiligt sind. Dazu gehören auch Signalwege des wichtigen Juckreizbotenstoffs IL-31.

Numelvi ist stärker auf JAK1 ausgerichtet als Apoquel. Das grundsätzliche Ziel ist jedoch bei beiden ähnlich: Juckreiz- und Entzündungssignale sollen schnell und zuverlässig gebremst werden.


Cytopoint fängt IL-31 ab

Cytopoint enthält den monoklonalen Antikörper Lokivetmab. Er bindet gezielt IL-31, bevor dieser Botenstoff sein Signal an die Zellen und Hautnerven weitergeben kann.

Damit wirkt Cytopoint enger begrenzt als die beiden JAK-Hemmer. Es greift einen besonders wichtigen Juckreizbotenstoff heraus, beeinflusst aber nicht automatisch alle weiteren Vorgänge, die an einer allergischen Hauterkrankung beteiligt sind.


Reishi nicht während einer Kortisonbehandlung

Kortisonpräparate wie Prednisolon hemmen Entzündungen und Immunreaktionen auf breiter Ebene. Sie verringern unter anderem die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe und die Aktivität verschiedener Immunzellen. Bei schweren allergischen Reaktionen kann diese schnelle und starke Wirkung notwendig sein.

Reishi sollte während einer solchen Behandlung nicht gleichzeitig gegeben werden. Der Pilz soll regulierend auf Immunzellen und Entzündungsprozesse einwirken, während Kortison diese Vorgänge gezielt unterdrückt. Die beiden Ansätze verfolgen damit unterschiedliche therapeutische Richtungen. Außerdem ließe sich unter der starken Kortisonwirkung nicht beurteilen, welchen eigenen Einfluss Reishi auf den Juckreiz hat.

Reishi und Kortison werden niemals gleichzeitig eingesetzt. Beide bilden getrennte Behandlungswege. Welcher davon infrage kommt, richtet sich nach dem Zustand des Hundes, der Stärke der Beschwerden und der Dringlichkeit der Behandlung.

Erhält ein Hund bereits Kortison, darf es für einen Wechsel zu Reishi niemals eigenständig oder plötzlich abgesetzt werden. Insbesondere nach längerer Behandlung muss die Dosis nach tierärztlicher Anweisung schrittweise reduziert werden.


Getrennte Behandlungswege

Benötigt ein Hund wegen starken Juckreizes eine schnelle medikamentöse Kontrolle, haben Kortison, Apoquel, Numelvi oder Cytopoint eine klar definierte Aufgabe. Sie sollen Entzündung und quälenden Juckreiz rasch vermindern und weitere Hautschäden verhindern.

Reishi kann als eigenständiger Behandlungsweg gewählt werden, wenn der Zustand des Hundes einen naturheilkundlichen Ansatz zulässt. Dafür müssen keine Juckreizmedikamente vorausgegangen sein. Wird bereits Kortison, Apoquel, Numelvi oder Cytopoint gegeben, dürfen diese Mittel jedoch nicht eigenständig abgesetzt werden. Ein Wechsel auf Reishi muss dann sorgfältig geplant und begleitet werden.


Was Reishi bei Juckreiz nicht leisten kann

Reishi kann einen juckenden Hund nicht von Flöhen, Milben, einer bakteriellen Hautentzündung oder einem übermäßigen Wachstum von Malassezien befreien. Auch eine Futtermittelreaktion verschwindet nicht, solange der auslösende Bestandteil weiter gefüttert wird.

Der Pilz ist daher keine Alternative zur Ursachenklärung. Er kann vor allem dort sinnvoll werden, wo die akute Ursache behandelt oder vermieden wird, die Haut und das Immunsystem aber weiterhin zu überschießenden oder lang anhaltenden Reaktionen neigen.

In der Praxis kann Reishi beispielsweise als Begleitung infrage kommen:

  • bei allergisch oder entzündlich geprägtem Juckreiz,

  • bei wiederkehrenden Hautreaktionen,

  • zur Unterstützung älterer Hunde mit chronischen Hautproblemen,

  • begleitend während einer Ausschlussdiät,

  • in einem längerfristigen Konzept für Hautbarriere, Darm und Immunsystem.

Eine begleitende Anwendung bedeutet nicht, dass der Pilz unwichtig wäre. Gerade bei chronischen Beschwerden entscheidet häufig das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen darüber, ob die Haut dauerhaft zur Ruhe kommt.


Welcher Reishi eignet sich bei Juckreiz?

Für eine allgemeine Unterstützung des Immunsystems können die β-Glucane des Reishi im Vordergrund stehen. Geht es gezielt um Mastzellen, allergische Entzündungen und Juckreiz, werden zusätzlich die Triterpene interessant.

Die in den Untersuchungen verwendeten Zubereitungen waren triterpenreiche beziehungsweise methanolische Extrakte. Methanol wird zur Gewinnung und Analyse bestimmter Stoffe im Labor verwendet und ist selbstverständlich kein Lösungsmittel für ein Futterergänzungsmittel. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf jedes käufliche Reishi-Produkt übertragen.

Sie zeigen aber, dass ein einfaches Pilzpulver oder ein ausschließlich auf β-Glucane ausgerichteter Heißwasserextrakt nicht automatisch dieselben Eigenschaften besitzt wie die untersuchten Extrakte.

Für die praktische Anwendung bei Juckreiz ist daher besonders interessant:

  • ein Extrakt aus dem Reishi-Fruchtkörper,

  • eine kombinierte Wasser- und Alkoholextraktion,

  • ein ausgewiesener Gehalt an β-Glucanen,

  • möglichst auch eine Analyse der Triterpene oder Ganodersäuren,

  • eine klare Angabe der verwendeten Pilzart,

  • ein Produkt ohne unnötige Mischungen und Zusatzstoffe.

Ein Dualextrakt bildet beide Seiten des Reishi ab: die wasserlöslichen β-Glucane und die schlechter wasserlöslichen Triterpene. Für einen Hund mit entzündlich-allergischem Juckreiz erscheint diese Kombination deshalb schlüssiger als die pauschale Empfehlung irgendeines Reishi-Pulvers. Entscheidend bleibt allerdings, ob der Hersteller die enthaltenen Stoffgruppen tatsächlich prüft und offen deklariert.


Qualität und Herkunft des Reishi

Bei Vitalpilzen reicht die Angabe „in Deutschland hergestellt“ nicht aus. Sie kann bedeuten, dass ein aus Asien importierter Pilzrohstoff lediglich in Deutschland abgefüllt oder extrahiert wurde.

Ich verwende und empfehle ausschließlich Reishi-Produkte, deren Pilzrohstoffe aus kontrolliertem europäischem Anbau stammen. Entscheidend ist für mich die Herkunft des Pilzes selbst – nicht nur der Ort der Verarbeitung oder Laborprüfung.

Zusätzlich achte ich auf:

  • Fruchtkörper statt nicht näher bezeichneter Pilzbiomasse,

  • nachvollziehbare Pilzart und Herkunft,

  • ausgewiesene β-Glucane und möglichst auch Triterpene,

  • unabhängige Untersuchungen auf Schadstoffe und Keime,

  • möglichst wenige Träger- und Zusatzstoffe.

Gerade bei einem allergisch reagierenden Hund sollte ein Präparat überschaubar zusammengesetzt sein. Eine Mischung aus vielen Pilzen und weiteren Pflanzenstoffen erschwert es, Wirkung und Verträglichkeit zu beurteilen.


Reishi Extrakt der Fa. Hifas da terra
Reishi Extrakt in Kapselform der Fa. Hifas da terra

Reishi bei Juckreiz anwenden

Reishi wird unter das feuchte Futter gemischt oder als Kapsel gegeben. Wegen seines bitteren Geschmacks und möglicher anfänglicher Verdauungsreaktionen sollte die Menge langsam gesteigert werden.

Eine wissenschaftlich abgesicherte Reishi-Dosierung speziell gegen Juckreiz bei Hunden gibt es bisher nicht. Pulver und Extrakte unterscheiden sich außerdem erheblich in ihrer Konzentration. Die Dosierung richtet sich deshalb nach dem konkreten Produkt, seinem Gehalt an β-Glucanen und Triterpenen sowie nach Größe, Gesundheitszustand des Hundes.

In der Praxis beginne ich mit etwa einem Viertel bis der Hälfte der vorgesehenen Tagesmenge. Wird diese gut vertragen, kann sie schrittweise erhöht werden. Bei chronischen Hautproblemen lässt sich die Wirkung eher über mehrere Wochen als nach wenigen Tagen beurteilen.


Verträglichkeit von Reishi beim Hund und Vorsichtsmaßnahmen beim Verabreichen

Zu Beginn können weicher Kot, Blähungen, Übelkeit oder eine schlechtere Futterakzeptanz auftreten. Dann wird die Menge reduziert oder das Präparat zunächst abgesetzt.

Besondere Vorsicht gilt bei Blutgerinnungsstörungen, vor Operationen sowie bei Arzneimitteln, die Blutgerinnung oder Blutzucker beeinflussen. Reishi verwende ich außerdem nicht parallel zu Kortison, Apoquel, Numelvi oder Cytopoint. Auch bei Autoimmunerkrankungen sowie während Trächtigkeit und Säugezeit sollte die Anwendung individuell tierärztlich oder therapeutisch beurteilt werden.

Verschlechtert sich der Juckreiz deutlich oder entstehen nässende, entzündete oder schmerzhafte Hautstellen, benötigt der Hund eine tierärztliche Untersuchung. Reishi sollte eine notwendige Behandlung nicht verzögern.


Fazit: Wann ist Reishi bei Juckreiz sinnvoll?

Juckreiz beim Hund ist selten nur eine Histaminfrage. Besonders bei chronischen Hautproblemen wirken Hautbarriere, Immunsystem, Entzündungsbotenstoffe und empfindlich gewordene Hautnerven zusammen. Genau hier liegt der besondere Ansatz des Reishi: Er richtet sich nicht gegen einen einzelnen Botenstoff, sondern soll regulierend auf mehrere Ebenen des Geschehens einwirken.

Reishi kann deshalb von Beginn an als eigenständiger naturheilkundlicher Behandlungsweg infrage kommen – insbesondere bei wiederkehrendem, allergisch oder entzündlich geprägtem Juckreiz. Voraussetzung ist, dass Parasiten, Hautinfektionen und andere behandlungsbedürftige Ursachen erkannt und entsprechend versorgt werden. Ein Hund muss also keineswegs zuerst Apoquel, Numelvi, Cytopoint oder Kortison erhalten haben, bevor Reishi eine Option sein kann.

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vielmehr von der jeweiligen Situation ab. Ein Hund, der sich akut wund kratzt, starke Schmerzen hat oder nicht mehr zur Ruhe kommt, benötigt schnelle tierärztliche Hilfe. Bei einem stabilen Hund mit chronisch wiederkehrenden Hautreaktionen kann dagegen von Anfang an ein naturheilkundliches Konzept mit Reishi gewählt werden. Beide Wege haben ihre eigene Berechtigung, werden von mir jedoch nicht gleichzeitig eingesetzt.

Für diesen Einsatz erscheint ein geprüfter Dualextrakt aus kontrolliertem europäischem Anbau besonders sinnvoll. Er vereint β-Glucane mit den Triterpenen, die für Mastzellen, Entzündungsprozesse und möglicherweise auch für die Weiterleitung von Juckreiz interessant sind.

Reishi für Hunde mit Juckreiz ist damit weder ein „natürliches Apoquel“ noch lediglich eine Ergänzung für die Zeit nach einer medikamentösen Behandlung. Er ist eine eigenständige naturheilkundliche Möglichkeit, mit der wir versuchen können, das aus dem Gleichgewicht geratene Zusammenspiel von Haut, Immunsystem und Nervensystem wieder in ruhigere Bahnen zu begleiten.


Allgemeine Informationen zu Inhaltsstoffen, Pulver, Extrakten und Dosierung finden Sie im Beitrag „Reishi für Hunde: Wirkung und Anwendung“.


Juckreiz braucht Einordnung

Ob Histamin, Umweltallergene, eine Futtermittelreaktion oder andere Einflüsse am Juckreiz beteiligt sind, lässt sich selten an einem einzelnen Symptom erkennen. Auch die Frage, ob Reishi für Ihren Hund sinnvoll sein könnte, ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel von Beschwerden, Fütterung, bisherigen Befunden und möglichen Auslösern.

In einem Orientierungsgespräch unterstütze ich Sie dabei, diese Zusammenhänge einzuordnen und passende nächste Schritte abzuleiten.





napfnatura · nachvollziehbar füttern.

Ernährungsberatung für Hunde



Quellen und Interessante Studien zum Thema:

Reishi: Inhaltsstoffe:

Kohda H, Tokumoto W, Sakamoto K et al.: The biologically active constituents of Ganoderma lucidum. Histamine release-inhibitory triterpenes. Chemical and Pharmaceutical Bulletin. 1985;33(4):1367–1374.

Zhang Q, Andoh T, Konno M, Lee JB, Hattori M, Kuraishi Y: Inhibitory effect of methanol extract of Ganoderma lucidum on acute itch-associated responses in mice. Biological and Pharmaceutical Bulletin. 2010;33(5):909–911.

Andoh T, Zhang Q, Yamamoto T et al.: Inhibitory effects of the methanol extract of Ganoderma lucidum on mosquito allergy-induced itch-associated responses in mice. Journal of Pharmacological Sciences. 2010;114(3):292–297.

Chen ML, Hsieh CC, Chiang BL, Lin BF: Triterpenoids and polysaccharide fractions of Ganoderma tsugae exert different effects on antiallergic activities. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. 2015;2015:754836.

Kayser E, Castaneda PL, Soto-Diaz K et al.: Functional properties of Ganoderma lucidum supplementation in canine nutrition. Journal of Animal Science. 2024;102.

Gonzales AJ, Humphrey WR, Messamore JE et al.: Interleukin-31: its role in canine pruritus and naturally occurring canine atopic dermatitis. Veterinary Dermatology. 2013;24(1):48–53.e11–12.

Tamamoto-Mochizuki C, Santoro D, Saridomichelakis MN et al.: Update on the role of cytokines and chemokines in canine atopic dermatitis. Veterinary Dermatology. 2024;35(1):25–39.

Aktueller Stand zu Hautbarriere, kutanem Mikrobiom und Wirtsabwehrpeptiden bei atopischer Dermatitis des Hundes: Santoro D, Saridomichelakis MN, Eisenschenk M et al.: Update on the skin barrier, cutaneous microbiome and host defence peptides in canine atopic dermatitis. Veterinary Dermatology. 2024;35(1):5–14.

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