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Kalziumversorgung beim Hund: Bedarf, Quellen und richtige Ergänzung

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
23. Sept.
6 Min. Lesezeit

Kalzium kommt in vielen verschiedenen Futtermitteln vor

  1. Was ist Kalzium überhaupt?

  2. Die Kalziumregulation im Hundekörper.

  3. Wieviel Kalzium benötigt ein Hund?

  4. Kalziumreiche Futtermittel

  5. Wann muss man Kalzium zufüttern?

  6. Was muss ich beachten?


Was ist Kalzium überhaupt?

Kalzium gehört zu den sogenannten Mengenelementen und ist einer der wichtigsten Mineralstoffe im Körper des Hundes. Rund 98–99 % des gesamten Kalziums befinden sich in Knochen und Zähnen. Nur ein kleiner Anteil liegt frei beziehungsweise ionisiert im Blut und in den Geweben vor – genau dieser kleine Anteil ist jedoch für viele lebenswichtige Funktionen entscheidend.

Kalzium wird unter anderem benötigt für:

  • Aufbau und Stabilität von Knochen und Zähnen

  • Muskelkontraktion

  • Reizweiterleitung an Nerven

  • Blutgerinnung

  • Zellkommunikation und verschiedene Stoffwechselprozesse

Kalzium steht dabei in enger Beziehung zu Phosphor. Beide Mineralstoffe sind wichtige Bestandteile des Knochengewebes und werden im Körper gemeinsam reguliert. Deshalb kommt es in der Fütterung nicht nur darauf an, genügend Kalzium und Phosphor bereitzustellen, sondern auch auf ein sinnvolles Verhältnis zwischen beiden.


Wie reguliert der Hund seinen Kalziumhaushalt?

Der Kalziumspiegel im Blut wird vom Körper sehr eng kontrolliert. Das ist notwendig, weil Calcium nicht nur für das Skelett gebraucht wird, sondern auch für Nerven, Muskeln, Blutgerinnung und viele Zellfunktionen.

An dieser Regulation sind vor allem drei Systeme beteiligt:

  • Parathormon (PTH) aus den Nebenschilddrüsen

  • Vitamin D in seiner aktiven Form Calcitriol

  • Calcitonin aus den C-Zellen der Schilddrüse

Sinkt der Calciumspiegel im Blut, wird vermehrt PTH ausgeschüttet. PTH sorgt dafür, dass die Nieren mehr Calcium zurückhalten und gleichzeitig mehr Phosphat ausscheiden. Außerdem fördert PTH in der Niere die Bildung von aktivem Vitamin D.

Calcitriol erhöht anschließend vor allem die Aufnahme von Calcium und Phosphor aus dem Darm.

Reicht die Calciumzufuhr über das Futter trotzdem nicht aus, kann der Körper zusätzlich Calcium aus dem Skelett mobilisieren. Dafür wird der Knochenstoffwechsel stärker in Richtung Abbau verschoben.

Steigt der Calciumspiegel dagegen an, wird die PTH-Ausschüttung gebremst. Calcitonin kann zusätzlich dazu beitragen, den Knochenabbau zu hemmen.

Ein wichtiger Punkt dabei ist:

Der Blut-Calciumwert kann lange normal bleiben, obwohl über das Futter zu wenig Calcium aufgenommen wird. Der Körper versucht den Blutwert nämlich aktiv stabil zu halten – notfalls auf Kosten der Calciumreserven im Skelett.

Genau deshalb ist ein normaler Calciumwert im Blut allein kein Beweis dafür, dass die Ration ausreichend Calcium enthält.


Ob genügend oder zu wenig Kalzium vorhanden ist, registriert der Hund u. a. mithilfe von Kalzium-Rezeptoren, die sich in den Nierentubuli und den Nebenschilddrüsen befinden.


Hyperkalzämie = Anstieg des Serum-Kalziumspiegel

>> Freisetzung von PTH wird gehemmt und Calcitonin ausgeschüttet. Calcitonin bewirkt, dass wenig Kalzium aus der Nahrung aufgenommen wird. Außerdem wird die Aktivität der Osteoklasten gehemmt (geringere Freisetzung von Kalzium und Phosphat)


Hypokalzämie = Abfall des Serum-Kalziumspiegel

>> bewirkt die Ausschüttung von PTH und die Szteigerung der Osteoklastenaktiviät (erhöhte Freisetzung von Kalzium und Phosphat)

Wieviel Calcium benötigt ein Hund?

Der Bedarf hängt von Alter, Körpergröße, Energiebedarf und der gesamten Futterration ab. Für erwachsene Hunde sollte Calcium immer zusammen mit Phosphor betrachtet werden. In einer ausgewogenen Ration liegt das Verhältnis ungefähr bei 1,2–1,4 : 1. Je nach Referenzsystem gilt ein Bereich von etwa 1 : 1 bis 2 : 1 als akzeptabel für erwachsene, gesunde Hunde.

Wichtig ist außerdem die absolute Menge. Ein rechnerisch passendes Verhältnis nützt wenig, wenn beide Mineralstoffe insgesamt zu niedrig dosiert sind.

Bei Alleinfuttermitteln ist die Kalziumversorgung in der Regel abgesichert. Bei selbst zusammengestellten Rationen sieht es anders aus. Knochenloses Fleisch enthält viel Phosphor und nur sehr wenig Calcium. Ohne passende Calciumquelle entsteht daher schnell ein deutliches Missverhältnis.

Bei einer längerfristigen Unterversorgung versucht der Körper, den Calciumspiegel im Blut stabil zu halten. Dazu wird unter anderem Calcium aus dem Skelett mobilisiert. Hält dieser Zustand an, kann es zu einer Demineralisierung der Knochen und zu einem sogenannten nutritiven sekundären Hyperparathyreoidismus kommen.

Auch zu viel Calcium ist ungünstig. Sehr hohe Mengen können die Verfügbarkeit anderer Mineralstoffe beeinflussen. Besonders kritisch ist das bei Welpen großer und sehr großer Rassen, weil sie überschüssiges Calcium noch schlechter regulieren können als erwachsene Hunde.


Folgen eines Kalziummangels = Bei einer Fütterung, die zu wenig Kalzium enthält, kommt es nach längerer Zeit zum Knochenabbau. Bei Hunden kommt es zum "Gummikiefer" und zum Verlust von Zähnen. Bei Welpen können Wachstumsstörungen auftreten.


Folgen eines Kalziumüberschusses = Bildung von Harnsteinen, sekundärer Kupfer- und Zinkmangel, gestörtes Wachstum von Welpen.



Kalziumversorgung beim Hund: Welche Quellen sind geeignet?

Der Hund nimmt Calcium über verschiedene Futterbestandteile auf. Wie gut sich eine Quelle zur Versorgung eignet, hängt davon ab, wie viel Calcium sie tatsächlich liefert und welche anderen Nährstoffe gleichzeitig enthalten sind. Die Kalziumversorgung beim Hund sollte immer zur gesamten Ration passen und gemeinsam mit der Phosphorversorgung beurteilt werden.

Besonders calciumreich sind:

  • Knochen und Fleischknochen

  • Knochenmehle

  • Fischmehle mit hohem Knochenanteil*

  • Eierschalen

  • Hartkäse wie Emmentaler oder Parmesan

  • calciumreiche Mineralstoffpräparate

Weitere calciumhaltige Futtermittel sind:

  • Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Hüttenkäse

  • Karkassen, Geflügelhälse und Flügel

  • Kalbsbrustbein

Milchprodukte enthalten allerdings gleichzeitig Protein und Phosphor und eignen sich deshalb nicht immer gut als gezielte Calciumquelle für eine fleischreiche Ration.

Pflanzliche Lebensmittel mit nennenswertem Calciumgehalt sind zum Beispiel:

  • grünes Blattgemüse

  • Grünkohl

  • Brokkoli

  • Petersilie

  • Amaranth

  • Kichererbsen

  • Sesam

  • Leinsamen

  • Haselnüsse

Bei pflanzlichen Lebensmitteln ist die Verfügbarkeit des Calciums sehr unterschiedlich. Oxalate und Phytate können Calcium binden und seine Aufnahme verringern. Spinat und Mangold enthalten beispielsweise zwar Calcium, gleichzeitig aber relativ viel Oxalsäure und sind deshalb keine besonders günstigen Calciumquellen.

Calcium-Supplemente

Für selbst zusammengestellte fleischreiche Rationen sind häufig konzentrierte Calciumquellen sinnvoll, die sich gut berechnen lassen. Dazu gehören:

  • Calciumcarbonat – sehr calciumreich und phosphorarm

  • Eierschalenpulver – besteht überwiegend aus Calciumcarbonat

  • Calciumcitrat – gut einsetzbar, enthält pro Gramm aber weniger elementares Calcium als Calciumcarbonat

  • Algenkalk – calciumreich und meist phosphorarm; die genaue Zusammensetzung sollte über die Deklaration geprüft werden

  • Dicalciumphosphat – liefert Calcium und gleichzeitig Phosphor

  • Knochenmehl – ebenfalls eine Quelle für Calcium und Phosphor

Gerade bei einer fleischreichen Ration, die ohnehin viel Phosphor liefert, sind phosphorarme Calciumquellen wie Calciumcarbonat, Eierschalenpulver oder geeigneter Algenkalk häufig einfacher einzusetzen.

* keine pauschale Fütterungsempfehlung


Wann muss man Calcium zufüttern?

Ob Calcium ergänzt werden muss, hängt von der gesamten Ration ab.

Bei einem bedarfsdeckenden Alleinfuttermittel ist in der Regel keine zusätzliche Calciumgabe nötig. Eine zusätzliche Ergänzung kann hier sogar ungünstig sein, wenn dadurch die Gesamtversorgung zu hoch wird.

Wird beispielsweise knochenloses Fleisch mit Gemüse, Kartoffeln oder Reis gefüttert, fehlt meist eine ausreichende Calciumquelle. Dann muss Calcium gezielt ergänzt werden. Welche Rolle Calcium bereits während der Verdauung spielt, erfahren Sie in meinem Beitrag zum Calcium-Phosphor-Verhältnis beim Hund.

Typische Situationen, in denen die Calciumversorgung geprüft werden sollte, sind:


  • selbst gekochte oder roh zusammengestellte Rationen

  • Ausschlussdiäten über mehrere Wochen

  • fleischreiche Rationen ohne Knochen oder Mineralstoffergänzung

  • Rationen mit stark schwankender Zusammensetzung

  • Wachstumsphasen bei Welpen und Junghunden

  • Trächtigkeit und Laktation

  • bestimmte Erkrankungen, bei denen die Mineralstoffversorgung gezielt angepasst werden muss


Bei Erkrankungen sollte Calcium allerdings nicht pauschal „vorsorglich“ ergänzt werden. Besonders bei Nieren-, Hormon- oder Stoffwechselerkrankungen muss die Versorgung zur jeweiligen Situation passen.


Warum die gesamte Ration zählt

Calcium sollte nie isoliert betrachtet werden. Wichtig sind gleichzeitig:

  • die absolute Calciumzufuhr

  • die Phosphorzufuhr

  • das Verhältnis von Calcium zu Phosphor

  • Vitamin D

  • Magnesium

  • Energiegehalt und Futtermenge

Bei pflanzenreichen Rationen können außerdem Phytate und Oxalate die Calciumverfügbarkeit beeinflussen. Phytat findet sich zum Beispiel in Getreide, Hülsenfrüchten und Saaten und kann Mineralstoffe im Darm binden. Das Enzym Phytase baut Phytat dagegen ab – es bindet Calcium also nicht, sondern kann dessen Verfügbarkeit eher verbessern.


Calcium und Säure-Basen-Haushalt

Die Aufnahme und Verwertung von Calcium hängt auch vom Milieu im Verdauungstrakt ab. Magensäure unterstützt zunächst die Lösung von Calciumverbindungen, bevor Calcium im Darm aufgenommen werden kann. Es ist physiologisch sehr wichtig, dass es zu einer Reaktion von magensäure udn nutritivem Calcium kommt.

Der gesamte Säure-Basen-Haushalt wird beim gesunden Hund jedoch sehr eng über Lunge, Nieren und körpereigene Puffersysteme reguliert. Eine calciumreiche oder calciumarme Ration „übersäuert“ den Körper deshalb nicht einfach.

Für die Fütterung bleibt entscheidend: Calcium sollte passend zur gesamten Ration und in einer geeigneten Verbindung zugeführt werden.


Sie sind unsicher, ob die Ration Ihres Hundes ausreichend Calcium enthält?

Gerade bei selbst gekochten Rationen, Ausschlussdiäten oder fleischreichen Fütterungen lohnt sich ein genauer Blick auf Calcium, Phosphor und die gesamte Mineralstoffversorgung.



napfnatura - nachvollziehbar füttern

Ernährungsberatung für Hunde


Sandra Orkunt



Quellen:


(1) Meyer/Zentek: Ernährung des Hundes (2016), S. 80

(2) AMBOSS, Wissen – von Medizinern für Mediziner. https://youtu.be/HwWGOxuwM9w abgerufen am 18.04.2022

(1) Ingeborg Muenzing-Ruef: Kursbuch gesunde Ernährung, 2001, S. 230

(6) Dr. med. J. Fritz: Hunde barfen, 2018, S. 103

(7) Meyer/Zentek: Ernährung des Hundes (2016), S. 169

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