top of page

Blutwurz für Hunde: Wie Gerbstoffe bei Durchfall wirken

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • vor 4 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Eine kleine Wurzel mit großer Gerbstoffkraft

Die Blutwurz gehört zu den gerbstoffreichsten heimischen Heilpflanzen. Verwendet wird nicht das blühende Kraut, sondern ihr kräftiger Wurzelstock. Er kann bis zu 20 Prozent Gerbstoffe enthalten – deutlich mehr als das Gänsefingerkraut, dessen oberirdisches Kraut wir im vorherigen Beitrag kennengelernt haben.

Diese hohe Konzentration macht die Blutwurz zu einer klassischen Pflanze bei leichtem, akutem Durchfall. Ihre Gerbstoffe wirken unmittelbar dort, wo Darminhalt und Darmschleimhaut aufeinandertreffen. Sie verbinden sich mit oberflächlichen Eiweißen, verändern vorübergehend die Beschaffenheit der Schleimhaut und können dadurch den Flüssigkeitsverlust in den Darm verringern.

Gerbstoffe „stopfen“ den Darm also nicht einfach und legen auch nicht seine Bewegung lahm. Ihre Wirkung ist feiner: Sie beeinflussen die Grenzfläche, an der Wasser, gelöste Stoffe, Mikroorganismen und Schleimhaut miteinander in Kontakt kommen. Genau deshalb ist die Blutwurz ein gutes Beispiel, um sich diese besondere Wirkstoffgruppe einmal genauer anzusehen.

Für Hunde kommt sie vor allem bei einem Durchfall infrage, wenn der Hund ansonsten aufmerksam ist, trinkt und keine deutlichen Schmerzen zeigt. Die kräftige Gerbstoffdroge ist dabei kein Kraut für eine wochenlange „Darmsanierung“, sondern eine gezielte und zeitlich begrenzte Begleitung.

Bei leichteren Beschwerden, die vor allem mit Bauchgrummeln und krampfartiger Unruhe einhergehen, kann das mildere Gänsefingerkraut für Hunde die passendere Pflanze sein.


Angeschnittener rötlicher Wurzelstock der Blutwurz
Der angeschnittene Wurzelstock der Blutwurz färbt sich durch Oxidation seiner phenolischen Inhaltsstoffe zunehmend rötlich.

Blutwurz erkennen: vier Blütenblätter und ein roter Wurzelstock

Die Blutwurz heißt botanisch Potentilla erecta und gehört wie Gänsefingerkraut, Rose, Erdbeere und Hagebutte zur Familie der Rosengewächse. Sie wächst auf mageren Wiesen, an Waldrändern, in Heiden und Moorgebieten sowie auf eher sauren, nährstoffarmen Böden.

Oberirdisch wirkt sie ausgesprochen zierlich. Ihre dünnen, verzweigten Stängel tragen kleine gelbe Blüten. Während die meisten Fingerkräuter fünf Kronblätter besitzen, hat die Blutwurz gewöhnlich nur vier. Dieses Merkmal macht sie innerhalb ihrer Verwandtschaft besonders und recht gut erkennbar.

Die eigentliche Kraft der Pflanze liegt unter der Erde. Ihr gedrungener, unregelmäßig geformter Wurzelstock dient als Speicher- und Überdauerungsorgan. Wird er frisch angeschnitten, ist sein Inneres zunächst hell und färbt sich anschließend rötlich. Diese Verfärbung hängt mit der Oxidation seiner phenolischen Inhaltsstoffe zusammen und gab der Blutwurz ihren deutschen Namen.

In der Pflanzenheilkunde wird der gereinigte und getrocknete Wurzelstock verwendet. Die offizielle Drogenbezeichnung lautet Tormentillwurzelstock – Tormentillae rhizoma. Der ebenfalls gebräuchliche Name Tormentill geht vermutlich auf das lateinische tormentum zurück, das Schmerz, Qual oder Pein bedeutet und an die traditionelle Anwendung bei schmerzhaften Magen-Darm-Beschwerden erinnert.


Eine Wurzel ist kein beliebiges Sammelgut

Anders als beim Pflücken einiger Blätter oder Blüten wird die Pflanze durch das Ausgraben ihres Wurzelstocks vollständig entnommen. Für die Hausapotheke würde ich Blutwurz deshalb nicht in freier Natur sammeln. Getrockneter Tormentillwurzelstock ist in kontrollierter Arzneibuchqualität erhältlich und bietet zugleich den Vorteil, dass Pflanzenart, Reinheit und Gerbstoffgehalt überprüft werden können.

Der Name Blutwurz wird außerdem gelegentlich für andere Pflanzen verwendet. Nicht gemeint ist die nordamerikanische Blutwurzel Sanguinaria canadensis. Sie gehört zu den Mohngewächsen, enthält giftige Alkaloide und ist mit unserer heimischen Blutwurz weder botanisch noch in ihrer Anwendung vergleichbar.


Blühende Blutwurz mit vier gelben Kronblättern und grünen Blättern
Die Blutwurz bleibt niedrig und trägt meist vier gelbe Kronblätter – eine Besonderheit unter den Fingerkräutern.

Was Gerbstoffe im Darm des Hundes bewirken

Gerbstoffe sind eine große Gruppe pflanzlicher Polyphenole. Gemeinsam ist ihnen die Fähigkeit, sich an Proteine anzulagern und größere Eiweißstrukturen miteinander zu verbinden und fest zu vernetzten. Pflanzen nutzen diese Eigenschaft unter anderem als Schutz: Gerbstoffreiches Gewebe schmeckt herb, ist schwerer verdaulich und für manche Fraßfeinde oder Mikroorganismen weniger attraktiv.

Auch der Mensch kennt ihre Wirkung aus dem Alltag. Ein kräftig gezogener Schwarztee, ein trockener Rotwein oder eine unreife Schlehe hinterlassen ein raues, zusammenziehendes Gefühl im Mund. Dieses Gefühl entsteht, weil Gerbstoffe an Eiweiße im Speichel und auf der Mundschleimhaut binden. Der Speichel verliert vorübergehend einen Teil seiner gleitenden Eigenschaften – der Mund fühlt sich trocken und stumpf an.

Genau diese Fähigkeit wird bei der Blutwurz therapeutisch genutzt.


Adstringenz: Die Oberfläche zieht sich zusammen

Treffen die Gerbstoffe der Blutwurz auf die Darmschleimhaut, lagern sie sich vor allem an Eiweiße in der obersten Schleim- und Zellschicht an. Dabei entstehen größere, weniger lösliche Verbindungen. Die Oberfläche verdichtet sich und wird gegenüber chemischen und mechanischen Reizen vorübergehend weniger durchlässig.

Diese Wirkung wird als adstringierend, also zusammenziehend, bezeichnet. Sie spielt sich hauptsächlich an der Oberfläche ab. Die Gerbstoffe müssen dafür nicht in größerer Menge in den Blutkreislauf aufgenommen werden, sondern wirken unmittelbar im Darmlumen und an der Schleimhaut.

Bei einem gereizten Darm kann das mehrere Folgen haben:

  • Die Abgabe von Flüssigkeit in das Darmlumen kann abnehmen.

  • Die empfindliche Schleimhautoberfläche wird gegenüber weiteren Reizen weniger zugänglich.

  • Kleine oberflächliche Blutungen können leichter zum Stillstand kommen.

  • Der sehr flüssige Darminhalt kann wieder eine festere Konsistenz annehmen.

Die Blutwurz hemmt dabei nicht einfach die Darmbewegung. Sie setzt an einer anderen Stelle an als Arzneimittel, die die Motilität bremsen: an der Schleimhaut und dem Flüssigkeitsaustausch zwischen Gewebe und Darminhalt.


Eine Schutzschicht, aber kein versiegelter Darm

Häufig heißt es, Gerbstoffe würden die Darmschleimhaut „abdichten“. Das beschreibt die Richtung der Wirkung, klingt aber dauerhafter, als der Vorgang tatsächlich ist. Es entsteht keine undurchlässige Versiegelung. Die Eiweiß-Gerbstoff-Verbindungen bleiben auf die oberste Schleimhautschicht begrenzt und werden mit Schleim und abgeschilferten Zellen wieder abgetragen.

Man kann sich die Wirkung eher wie eine vorübergehende Beruhigung der Kontaktfläche vorstellen. Der entzündete oder gereizte Darm wird nicht repariert, indem man ihn zuklebt. Seine Oberfläche wird für eine gewisse Zeit weniger empfindlich und gibt weniger Flüssigkeit ab. Dadurch entsteht die Möglichkeit, dass sich die Schleimhaut aus eigener Kraft stabilisiert.

Das erklärt zugleich, warum Blutwurz bei einem leichten, akuten Durchfall sinnvoll sein kann, aber nicht automatisch dessen Ursache beseitigt. Parasiten, Infektionen, Fremdkörper, Vergiftungen, chronische Darmerkrankungen oder Störungen anderer Organe werden durch die Gerbstoffwirkung nicht behoben.


Nicht ein Gerbstoff, sondern ein Gemisch

Im Wurzelstock der Blutwurz kommen verschiedene Gerbstofftypen nebeneinander vor. Einen großen Anteil bilden kondensierte Gerbstoffe (vor allem Proanthocyanidine beziehungsweise Procyanidine). Hinzu kommen hydrolysierbare Ellagitannine, unter denen Agrimoniin besonders gut untersucht ist.

Die Bezeichnungen beschreiben Unterschiede in Aufbau und Verhalten:

  • Kondensierte Gerbstoffe bestehen aus miteinander verbundenen (Flavan-3-ol-)Bausteinen. Sie sind relativ stabil und besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit zur Proteinbindung. Beispiel: Catechin oder Epicatechin aus Tee.

  • Hydrolysierbare Gerbstoffe können durch Wasser, Enzyme und Darmmikroorganismen schrittweise zerlegt werden. Aus Ellagitanninen entstehen dabei unter anderem Ellagsäure und später weitere Stoffwechselprodukte.

Die Blutwurz verdankt ihre Wirkung daher keinem einzelnen isolierten „Wirkstoff“. Entscheidend ist das natürliche Gemisch verschiedener Tannine und verwandter Polyphenole. Je nach Herkunft, Ernte, Verarbeitung und Lagerung kann sich dessen Zusammensetzung natürlich wie bei allen Naturprodukten verändern.


Die Wurzel wird beim Anschneiden blutrot – warum?

Die rötliche Färbung des angeschnittenen Wurzelstocks hängt ebenfalls mit seinen Gerbstoffen zusammen. Sobald das Pflanzengewebe verletzt wird und Sauerstoff hinzukommt, verändern sich bestimmte phenolische Verbindungen. Aus ihnen entstehen zunehmend rötlich-braune, schwerer lösliche Stoffe.

Die Farbe ist damit nicht nur Namensgeberin, sondern ein sichtbarer Hinweis auf die chemische Reaktionsfähigkeit der Pflanze. Aus einem hellen Anschnitt entwickelt sich nach und nach das charakteristische Rot der Blutwurz, das die Pflanze früher auch zu einer Färberpflanze beispielsweise bei den nordischen Samen machten, die Rentierfelle mit Blutwurz gleichzeitig gerbten und und rot färbten.


Blutwurz für Hunde bei Durchfall

Die hohe Gerbstoffkonzentration macht Blutwurz für Hunde zu einer kräftigen, lokal wirkenden Heilpflanze. Sie eignet sich vor allem für einen leichten, plötzlich aufgetretenen Durchfall, bei dem viel Flüssigkeit über den Kot verloren geht, der Hund aber insgesamt munter und kreislaufstabil bleibt.

Nicht jeder weiche Kot braucht sofort eine adstringierende Pflanze. Manchmal entleert sich der Darm nur einmalig schneller, etwa nach ungewohntem Futter oder einem üppigen Spaziergangsfund. Blutwurz wird dort interessant, wo der Kot wiederholt sehr weich oder wässrig ist und die gereizte Schleimhaut etwas Unterstützung benötigt.

Aber die Stärke der Pflanze ist zugleich Grund für einen zurückhaltenden Einsatz: Blutwurz ist keine tägliche Darmbeigabe und kein Bestandteil einer unspezifischen „Darmsanierung“. Sie wird gezielt, niedrig dosiert und für kurze Zeit verwendet. Denn eine Pflanze, die Eiweiße bindet und die Schleimhautoberfläche verdichtet, kann bei zu hoher Dosierung auch Verdauung, Arzneimittelaufnahme und Schleimhautverträglichkeit beeinträchtigen.

Blutwurz für Hunde zubereiten und dosieren

Verwendet wird der getrocknete, zerkleinerte Tormentillwurzelstock. Da ein Wurzelstock wesentlich fester ist als Blätter oder Blüten, eignet sich eine kurze Abkochung besser als ein nur flüchtig überbrühter Tee.


Abkochung aus Blutwurz

Die benötigte Tagesmenge wird mit kaltem Wasser angesetzt, langsam zum Kochen gebracht und etwa fünf Minuten bei geringer Hitze geköchelt. Anschließend lässt man die Abkochung noch einige Minuten ziehen und siebt die Pflanzenteile sorgfältig ab.

Als Orientierung für den getrockneten Tormentillwurzelstock gelten in der veterinärmedizinischen Phytotherapie:

  • kleine Hunde: etwa 1 Gramm täglich

  • mittelgroße Hunde: etwa 3 Gramm täglich

  • große Hunde: bis etwa 5 Gramm täglich

Für einen kleinen Hund kann ein Gramm Blutwurz mit etwa 50 Millilitern Wasser, für einen mittelgroßen Hund drei Gramm mit etwa 100 Millilitern und für einen großen Hund fünf Gramm mit etwa 150 Millilitern Wasser angesetzt werden. Die abgekühlte Abkochung wird über den Tag verteilt in kleinen Portionen unter das Futter gemischt.

Bei empfindlichen Hunden sollte zunächst am unteren Ende der Dosierung begonnen werden. Blutwurz schmeckt deutlich herb und zusammenziehend. Pur wird die Abkochung deshalb von vielen Hunden nicht gern aufgenommen. Unter einer kleinen Portion Schonkost oder Möhrensuppe lässt sie sich meist besser verabreichen.


Pulver und Fertigpräparate

Fein gemahlener Tormentillwurzelstock kann direkt unter feuchtes Futter gemischt werden. Dabei gelangt allerdings die gesamte Gerbstoffmenge in konzentrierter Form in den Magen. Für Hunde mit empfindlichem Magen ist eine verdünnte Abkochung häufig angenehmer.

Bei standardisierten Extrakten, Tinkturen oder fertigen Tierprodukten lässt sich die Menge nicht aus der Dosierung der getrockneten Wurzel ableiten. Extraktionsverhältnis, Gerbstoffgehalt und Alkoholanteil können erheblich voneinander abweichen. Für solche Präparate gilt deshalb die jeweilige Produktdosierung.

Von einem traditionellen Blutwurzschnaps ist beim Hund selbstverständlich abzusehen. Die alkoholfreie Abkochung liefert die für den Darm interessanten wasserlöslichen Gerbstoffe, ohne den Organismus zusätzlich mit Alkohol zu belasten.


Kurz und gezielt anwenden

Blutwurz ist für einige wenige Tage gedacht. Bei einem leichten akuten Durchfall genügt häufig eine Anwendung über zwei bis drei Tage. Spätestens wenn sich der Kot normalisiert, wird sie wieder abgesetzt.

Ohne fachliche Begleitung sollte der Tormentillwurzelstock nicht länger als eine Woche gegeben werden. Die kräftige Proteinbindung, die bei Durchfall erwünscht ist, kann bei längerer Anwendung auch die Aufnahme von Nährstoffen und Arzneimitteln beeinträchtigen.


Wann Blutwurz für Hunde nicht geeignet ist

Blutwurz gehört in die Hausapotheke für leichte, akute und überschaubare Verdauungsstörungen. Sie eignet sich nicht dazu, einen schweren oder ungeklärten Durchfall lediglich zu unterdrücken.

Tierärztlich abgeklärt werden sollten insbesondere:

  • Blut im Kot oder schwarzer, teerartiger Kot,

  • wiederholtes Erbrechen oder erfolgloses Würgen,

  • deutliche Bauchschmerzen oder ein gespannter Bauch,

  • Fieber, Schwäche oder Teilnahmslosigkeit,

  • Anzeichen einer Austrocknung,

  • Verdacht auf Gift, Fremdkörper oder eine Infektion,

  • sowie Durchfall, der sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden nicht deutlich bessert.

Dass Blutwurz traditionell auch als blutstillende Pflanze verwendet wurde, macht sie nicht zum Hausmittel bei blutigem Durchfall. Blut kann auf eine stärkere Schleimhautschädigung, Parasiten, Fremdkörper, Gerinnungsstörungen oder andere behandlungsbedürftige Ursachen hinweisen.

Welpen, sehr alte Hunde und Tiere mit schweren Grunderkrankungen können durch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust schneller instabil werden. Bei ihnen sollte die Ursache frühzeitig tierärztlich beurteilt werden.


Gerbstoffe können den Magen reizen

Die stark zusammenziehende Wirkung wird nicht von jedem Hund gleich gut vertragen. Bei empfindlichem Magen können Übelkeit, Appetitminderung oder Magenbeschwerden auftreten. Wird der Kot zu fest oder zeigt der Hund Schwierigkeiten beim Kotabsatz, wird die Blutwurz abgesetzt.

Eine höhere Dosierung ist nicht automatisch wirksamer. Zu viele Gerbstoffe können die Schleimhäute stärker reizen und mehr Proteine binden, ohne dass daraus ein zusätzlicher Nutzen entsteht.


Abstand zu Medikamenten und Ergänzungen

Gerbstoffe können sich nicht nur mit Eiweißen der Schleimhaut verbinden, sondern auch mit Arznei- und Mineralstoffen. Dadurch kann deren Aufnahme aus dem Darm vermindert werden.

Zwischen Blutwurz und Medikamenten, Mineralstoffpräparaten oder anderen wichtigen Ergänzungen sollte deshalb ein Abstand von mindestens zwei Stunden liegen.

Bei Arzneimitteln mit besonders genauer Dosierung oder geringer therapeutischer Breite sollte die Anwendung vorher mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.


Trächtigkeit und Säugezeit

Zur Anwendung von Blutwurz bei trächtigen und säugenden Hündinnen liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes und der fehlenden Notwendigkeit einer Selbstbehandlung würde ich sie in diesen Lebensphasen nicht ohne fachliche Begleitung einsetzen.


Gerbstoffkraft mit Augenmaß

Die Blutwurz zeigt besonders anschaulich, dass die Stärke einer Heilpflanze nicht allein darin liegt, möglichst viele Wirkstoffe zu liefern, sondern wo und wie diese Stoffe wirken.

Ihre Gerbstoffe bleiben überwiegend an der Kontaktfläche zum Darminhalt. Dort können sie die gereizte Schleimhaut vorübergehend verdichten, die Flüssigkeitsabgabe vermindern und dem Darm helfen, wieder zu einer festeren Kotkonsistenz zurückzufinden. Dieselbe Proteinbindung erklärt aber auch, warum Blutwurz niedrig dosiert, mit Abstand zu Medikamenten und nur für kurze Zeit eingesetzt wird.

Damit ist sie weder eine tägliche Futterergänzung noch eine pauschale „Darmsanierung“. Sie ist eine kräftige, gezielt eingesetzte Wurzel für eine klar begrenzte Situation – und gerade darin liegt ihr Wert.


Quellen und Literatur

Brendieck-Worm, Cäcilia; Melzig, Matthias F.: Phytotherapie in der Tiermedizin. Thieme, Stuttgart 2021.

Reichling, Jürgen; Frater-Schröder, Margit; Saller, Reinhard u. a.: Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. Springer, Berlin/Heidelberg 2016.

Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich: Phytoarznei-Datenbank – Tormentillae rhizoma. Angaben zur veterinärmedizinischen Anwendung und Dosierung.


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page