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Pankreaserkrankungen beim Hund – was sie für Verdauung und Fütterung bedeuten

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • 5. Dez. 2021
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Apr.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehören zu den Situationen, bei denen viele Hundehalter schnell an ihre Grenzen stoßen. Die Symptome sind häufig unspezifisch, die Diagnose nicht immer eindeutig – und auch die Fütterung wirkt plötzlich deutlich komplizierter. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Funktion des Pankreas beim Hund und darauf, was sich verändert, wenn es nicht mehr zuverlässig arbeitet.


Kleiner Hund liegt mit traurigem Gesicht in einem Körbchen
Eine Pankreatitis ist für Hunde oft mit starken Schmerzen verbunden.

Das Pankreas beim Hund – Funktion und Bedeutung für die Verdauung

Alle Haussäugetiere besitzen ein Pankreas. Seine Ausprägung unterscheidet sich jedoch je nachdem, ob es sich um Fleischfresser, Pflanzenfresser, Wiederkäuer oder Omnivoren handelt.

Die U-förmige, lappige Drüse liegt zwischen Magen und Leber und erstreckt sich auf Höhe des Zwölffingerdarms (Duodenum) bis zur Milz. Sie besitzt zwei Ausgänge: Einer mündet in den Gallengang der Leber, der andere unterhalb des Magenpförtners direkt in den oberen Abschnitt des Dünndarms (Duodenum).


Die Bauchspeicheldrüse ist sowohl eine exokrine als auch eine endokrine Drüse.

Das bedeutet: Sie erfüllt zwei unterschiedliche Aufgaben im Körper des Hundes.

Zum einen produziert sie Hormone, die direkt in den Blutkreislauf abgegeben werden (endokrine Funktion). Zum anderen bildet sie Verdauungssäfte, die in den Dünndarm gelangen und dort an der Aufspaltung der Nahrung beteiligt sind (exokrine Funktion).

Zusätzlich produziert das Pankreas Natriumbikarbonat, das den sauren Speisebrei aus dem Magen im Dünndarm neutralisiert.

Das Pankreas gibt dabei unter anderem folgende Stoffe ab:

  • Insulin und Glucagon zur Regulation des Blutzuckers

  • Bauchspeichel (pH-Wert 7–8) mit verschiedenen Verdauungsenzymen

  • Natriumbikarbonat zur Abpufferung des sauren Mageninhalts


Aufgaben der Bauchspeicheldrüse beim Hund

Die Bauchspeicheldrüse erfüllt im Körper des Hundes zwei zentrale Funktionen: Sie reguliert den Stoffwechsel über Hormone und unterstützt gleichzeitig die Verdauung über die Bildung von Enzymen. Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.


Die Regulation des Blutzuckers

Über die sogenannten Langerhans-Inseln werden die Hormone Insulin und Glucagon gebildet. Insulin ermöglicht es den Zellen, Glukose aus dem Blut aufzunehmen und zu verwerten. Glucagon wirkt als Gegenspieler und sorgt dafür, dass bei Bedarf gespeicherte Glukose wieder freigesetzt wird. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann es zu einer dauerhaften Entgleisung des Blutzuckers kommen.


Verdauung von Nährstoffen

Gleichzeitig produziert das Pankreas Verdauungsenzyme, die über den Pankreasgang (Ductus pancreaticus) in den Dünndarm abgegeben werden. Diese Enzyme sind notwendig, um die aufgenommenen Nährstoffe in ihre kleinsten Bestandteile zu zerlegen:

  • Kohlenhydrate werden durch Amylase aufgeschlossen

  • Fette durch Lipasen

  • Eiweiße durch verschiedene Proteasen wie Trypsin

Erst durch diese Aufspaltung können die Nährstoffe über die Darmschleimhaut aufgenommen und im Körper weiterverarbeitet werden.


Neutralisation des Magensaftes

Zusätzlich produziert die Bauchspeicheldrüse Natriumbikarbonat. Diese basische Substanz neutralisiert den sauren Speisebrei aus dem Magen im Dünndarm. Diese pH-Wert-Änderung ist entscheidend, damit die Verdauungsenzyme überhaupt wirksam arbeiten können.


Aufnahme von Vitamin B12

Ein oft übersehener Aspekt ist die Bildung des sogenannten Intrinsic Factors im Pankreas. Dieser wird benötigt, damit Vitamin B12 im letzten Abschnitt des Dünndarms (Ileum) aufgenommen werden kann.


Wie sich die Bauchspeicheldrüse vor der Selbstverdauung schützt

Die Bauchspeicheldrüse produziert hochwirksame Verdauungsenzyme. Würden diese bereits im Organ selbst aktiv werden, würde das Pankreasgewebe angegriffen und geschädigt.

Um das zu verhindern, verfügt das Pankreas über mehrere Schutzmechanismen:

Ein Großteil der Enzyme wird zunächst in inaktiven Vorstufen gespeichert (Zymogene). Erst im Dünndarm, nach der Abgabe über den Pankreasgang, werden sie aktiviert.

Einige Enzyme werden zwar in aktiver Form gebildet, sind jedoch an Bedingungen gebunden, die erst im Darm erfüllt sind.

Diese räumliche und funktionelle Trennung ist entscheidend: Die Verdauung soll im Darm stattfinden – nicht im Pankreas selbst.


Was passiert, wenn dieser Schutz gestört ist

Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen.

Werden Verdauungsenzyme zu früh aktiviert, beginnen sie, das Gewebe der Bauchspeicheldrüse selbst anzugreifen. Es kommt zu einer Entzündung – der Pankreatitis.

Diese kann akut auftreten oder sich schleichend entwickeln und chronisch verlaufen.

Umgekehrt kann die Funktion des Pankreas auch nachlassen, sodass nicht mehr ausreichend Enzyme produziert werden. In diesem Fall spricht man von einer exokrinen Pankreasinsuffizienz.

Beide Formen unterscheiden sich deutlich in ihrem Verlauf und ihren Auswirkungen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass die Verdauung des Hundes erheblich gestört wird.


Pankreaserkrankungen beim Hund – Pankreatitis und Pankreasinsuffizienz

Beim Hund treten vor allem zwei Formen von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse auf:

  • die Entzündung des Organs (Pankreatitis)

  • die Unterfunktion der exokrinen Leistung (exokrine Pankreasinsuffizienz, EPI)

Beide Erkrankungen unterscheiden sich deutlich in ihrem Ursprung, führen jedoch in der Folge zu Problemen in der Verdauung und Nährstoffversorgung.


Symptome einer Pankreas-Erkrankung beim Hund


Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI)

Bei der exokrinen Pankreasinsuffizienz produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme. Die Folge ist, dass die aufgenommene Nahrung nicht vollständig aufgeschlossen werden kann. Nährstoffe bleiben unzureichend zerlegt und können über die Darmschleimhaut nicht in ausreichendem Maße aufgenommen werden.

Das betrifft alle Hauptnährstoffe:

  • Eiweiße → fehlen als Bausteine für Gewebe, Immunsystem und Regeneration

  • Fette → werden nicht gespalten, es kommt zu fettigem Kot

  • Kohlenhydrate → werden unvollständig verwertet

Typisch ist, dass betroffene Hunde trotz guter oder sogar gesteigerter Futteraufnahme an Gewicht verlieren und teilweise stark abmagern.

Ein weiterer Aspekt ist die gestörte Bikarbonatabgabe: Wird der saure Mageninhalt im Dünndarm nicht ausreichend neutralisiert, können Verdauungsenzyme zusätzlich in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden.


Auswirkungen einer Insuffizienz auf den Darm

Nicht ausreichend verdaute Nahrungsbestandteile gelangen in tiefere Darmabschnitte. Es kommt zu Fehlgärungen, vermehrter Gasbildung und einer insgesamt instabilen Verdauungssituation. In der Folge verändert sich auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, d.h. der dort angesiedelten Darmbakterien. Das erklärt, warum viele Hunde mit Pankreasproblemen gleichzeitig Auffälligkeiten im Darm zeigen.


Die Pankreatitis des Hundes – schmerzhaft und gefährlich

Im Gegensatz dazu steht die Pankreatitis – eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Sie entsteht, wenn Verdauungsenzyme zu früh aktiviert werden und beginnen, das eigene Gewebe anzugreifen. Eine Pankreatitis ist für den Hund häufig sehr schmerzhaft und kann heftig und akut oder chronisch verlaufen.


Typische Symptome bei Pankreaserkrankungen

Die Symptome sind oft unspezifisch und können je nach Erkrankungsform unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Dazu gehören unter anderem:

  • Bauchschmerzen

  • Erbrechen

  • Durchfall

  • Gewichtsverlust

  • verminderte Futteraufnahme oder wechselnder Appetit

  • Abgeschlagenheit

  • stumpfes oder struppiges Fell

  • große Mengen Kot

  • fettiger oder heller Kot

Gerade diese unscharfe Symptomatik macht die Einordnung oft schwierig.


Pankreatitis (Entzündung)

Pankreasinsuffizienz (EPI)

entzündliches Geschehen

Funktionsverlust

oft akut und schmerzhaft

meist chronisch

Enzyme greifen Gewebe an

zu wenig Enzyme vorhanden

Hund oft apathisch, frisst schlecht

Hund oft hungrig, nimmt aber ab

Verdauung sekundär gestört

Verdauung primär gestört

Pankreatitis (Entzündung)

Pankreasinsuffizienz (EPI)


Diagnostik bei Pankreaserkrankungen beim Hund

Die Diagnose von Pankreaserkrankungen beim Hund ist nicht immer einfach. Viele der beschriebenen Symptome treten auch bei anderen Erkrankungen des Verdauungstraktes auf. Zudem können Ursachen und Verlauf sehr unterschiedlich sein, und nicht selten liegen Mischformen vor. Deshalb ist es entscheidend, einzelne Befunde immer im Zusammenhang zu betrachten und nicht isoliert zu bewerten.


Wichtige Laborwerte bei Pankreaserkrankungen beim Hund

Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Parameter zum Einsatz.

Bei Verdacht auf eine Pankreatitis werden häufig Enzyme im Blut wie Lipase und Alpha-Amylase bestimmt. Diese können bei Entzündungen erhöht sein, sind jedoch nicht spezifisch für das Pankreas und müssen im Gesamtbild beurteilt werden.

Der sogenannte cPLI-Test ist deutlich spezifischer und wird gezielt zur Abklärung einer Pankreatitis eingesetzt.

Bei Verdacht auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz wird die TLI (Trypsin-like Immunreaktivität) bestimmt.

Zusätzlich können Werte wie Vitamin B12, Folsäure, Eiweißstatus und Gerinnungsparameter wichtige Hinweise zur weiteren Einordnung liefern.


Bedeutung der Befunde für die Fütterung

Unabhängig davon, ob eine Entzündung oder eine Unterfunktion vorliegt, hat eine Pankreaserkrankung immer Auswirkungen auf die Verdauung und damit auf die Versorgung des Körpers.

Das bedeutet: Die Fütterung muss an die jeweilige Situation angepasst werden.

Dabei geht es nicht nur darum, „das richtige Futter“ zu wählen, sondern zu verstehen, was der Hund aktuell überhaupt verarbeiten kann – und was nicht.


Unterstützung der Verdauung bei einer EPI

Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Enzyme produziert, ist es sinnvoll und notwendig, diese von außen zuzuführen. Hier kommen unterscheidliche Enzympräparate zum Einsatz, die die Verdauung unterstützen: z. B. Schweinepankreas oder Enzyme auf Pilzbasis. Sie unterscheiden sich teilweise deutlich in in ihrem Enzymgehalt und ihrer Verträglichkeit.

Auch pflanzliche Enzyme wie Papain (Papaya) oder Bromelain (Ananas) können ergänzend eingesetzt werden. Dabei sollte vorsichtig begonnen werden, da empfindliche Hunde auf Fruchtsäuren reagieren können.


Unterstützung bei Pankreatitis beim Hund

Im Gegensatz zur Pankreasinsuffizienz steht bei der Pankreatitis nicht der Mangel an Enzymen im Vordergrund, sondern ein entzündliches Geschehen im Organ selbst.

Das Ziel der Unterstützung liegt daher nicht in der Förderung der Verdauung, sondern in der Entlastung der Bauchspeicheldrüse. In akuten Phasen wird die Fütterung heute nicht mehr grundsätzlich – wie früher häufig empfohlen – ausgesetzt, sondern gezielt angepasst. Entscheidend ist, die Reize für die körpereigene Enzymproduktion möglichst gering zu halten und gleichzeitig eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.

Das bedeutet in der Praxis:

  • leicht verdauliche, gut verträgliche Nahrung

  • angepasster, meist reduzierter Fettgehalt

  • kleine, häufige Mahlzeiten

  • möglichst gleichbleibende Fütterung

Nach Abklingen der akuten Entzündung wird die Fütterung schrittweise weiter stabilisiert.

Im weiteren Verlauf geht es vor allem darum, erneute Belastungsspitzen zu vermeiden und die Bauchspeicheldrüse langfristig zu entlasten.

Anders als bei der Pankreasinsuffizienz steht hier also nicht der Ersatz fehlender Enzyme im Vordergrund, sondern die Frage, wie empfindlich das Organ aktuell reagiert und wie stark es beansprucht werden kann.


Grundprinzipien der Fütterung bei Pankreasproblemen

Die Fütterung eines Hundes mit Pankreasproblemen sollte darauf ausgerichtet sein, das Verdauungssystem möglichst wenig zu belasten und gleichzeitig eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Wichtige Punkte sind:

  • mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt

  • gut verdauliche, hochwertige Zutaten (z. B. Schonkost bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen)

  • reduzierte Fettmengen bei gleichzeitig gesicherter Versorgung mit essenziellen Fettsäuren

  • leicht verdauliche Eiweißquellen

  • gut aufgeschlossene Kohlenhydrate

  • möglichst fein zerkleinerte oder gekochte Nahrung

In vielen Fällen wird gekochte Nahrung besser vertragen als Trockenfutter oder Rohfütterung. Wichtig ist außerdem, die Fütterung möglichst konstant zu halten, häufige Wechsel zu vermeiden und insgesamt weitere Belastungen, bspw. durch Keime (BARF!) zu vermeiden.


Zusammenhang der EPI mit der Darmflora

Durch die unzureichende Verdauung kommt es häufig zu Veränderungen im Darm.

Nicht vollständig aufgeschlossene Nahrungsbestandteile fördern Fehlgärungen und können die Zusammensetzung des Mikrobioms verändern. Das erklärt, warum viele Hunde mit Pankreasproblemen gleichzeitig Auffälligkeiten im Darm zeigen.

Daher kann es sinnvoll sein, auch den Darm gezielt zu unterstützen – beispielsweise durch Präbiotika oder andere individuell abgestimmte Maßnahmen.


Vitalpilze und Heilpflanzen bei EPI

Einige Heilpflanzen und Vitalpilze können begleitend eingesetzt werden, um die Verdauung zu unterstützen oder entzündliche Prozesse zu beeinflussen.

Zu den häufiger verwendeten Heilpflanzen gehören unter anderem:

  • Bitterstoffe wie Tausendgüldenkraut (Vorsicht bei Pankreatitis)

  • verdauungsanregende Pflanzen wie Wermut oder Beifuß (geringe Dosierung, vorsichtig einschleichen)

  • klassische Leberpflanzen wie Mariendistel oder Löwenzahn

  • Klettenlabkraut (frisch, mild)

Auch bestimmte Vitalpilze werden in diesem Zusammenhang eingesetzt, insbesondere bei komplexen oder chronischen Verläufen.

Ihr Einsatz sollte immer im Zusammenhang mit der Gesamtsituation des Hundes betrachtet werden.


Vitalpilze im Detail

Eine Pankreatitis oder EPI kann in Verbindung mit Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes stehen oder von diesen beeinflusst werden. Vitalpilze werden in solchen Fällen aufgrund ihres breiten Wirkspektrums eingesetzt.

  • Coprinus comatus  gilt als wichtiger Pilz bei diabetischen Pankreaserkrankungen und kann in der Regel ohne Einschleichphase gegeben werden.

  • Agaricus blazei Murill wird unter anderem wegen seiner entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften eingesetzt.

  • Hericium erinaceus kann die Regeneration der Magen- und Darmschleimhaut unterstützen und wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus.

Eine Pankreatitis kann chronisch verlaufen und langfristig in eine Pankreasinsuffizienz übergehen. In solchen Fällen kann eine dauerhafte Anpassung der Fütterung sowie eine


Einordnung zum Schluss

Bei Pankreaserkrankungen zeigt sich besonders deutlich, wie eng Verdauung, Fütterung und allgemeiner Gesundheitszustand miteinander verknüpft sind.

Einzelne Maßnahmen greifen hier oft zu kurz. Entscheidend ist, die Situation des Hundes insgesamt zu betrachten und daraus passende, umsetzbare Schritte abzuleiten.



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