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Pankreas bei Hunden: Enzyme richtig verstehen

Autorenbild: Sandra Orkunt
Sandra Orkunt
12. Jan.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Okt.

Warum die Frage nach „zu viel oder zu wenig“ oft in die Irre führt

Wenn Hundehalter sich mit Verdauungsproblemen beschäftigen, taucht früher oder später die Bauchspeicheldrüse auf – und damit auch die Frage nach den Enzymen. Auch bei einem Gewichtsverlust des Hundes im Zusammenhang mit weichem Kot, schlechter Fettverträglichkeit oder nach einer Erkrankung wird schnell vermutet, dass etwas mit der Enzymproduktion des Organs nicht stimmt. Die Kombination aus Pankreas bei Hunden und seinen Enzymen wirkt dabei fast wie eine einfache Erklärung für sehr komplexe Symptome der Verdauung.

In der Praxis zeigt sich jedoch, dass genau diese vereinfachte Sicht oft nicht weiterführt. Wer versucht, Probleme ausschließlich über „mehr“ oder „weniger“ Verdauungsenzyme zu lösen, greift in vielen Fällen zu kurz.


Wie die Bauchspeicheldrüse ihre Enzyme tatsächlich steuert

Die Bauchspeicheldrüse arbeitet nicht isoliert. Sie reagiert auf Signale, die bereits im Magen und im oberen Dünndarm entstehen, sobald Nahrung aufgenommen wird. Dann beginnen hormonelle und nervale Prozesse, die die Enzymsekretion im gesamten Verdauungstrakt steuern.

Vor allem Fett und Eiweiß setzen hier entscheidende Impulse. Das Hormon Cholezystokinin sorgt dafür, dass Verdauungsenzyme freigesetzt werden und gleichzeitig die Gallenblase aktiviert wird. Ergänzt wird das durch nervale Reize über den Vagusnerv. Die Bauchspeicheldrüse folgt diesen Signalen sehr präzise.

Ein wichtiger Schutzmechanismus besteht darin, dass viele Enzyme zunächst in inaktiver Form produziert und innerhalb des produzierenden Gewebes gespeichert werden. Sie werden dann erst im Dünndarm aktiviert. Dadurch wird verhindert, dass das Organ sich selbst angreift. Gleichzeitig zeigt dieses Prinzip, wie fein abgestimmt die einzelnen Schritte sind. Produktion, Transport und Aktivierung greifen ineinander.

Das bedeutet auch: Die Bauchspeicheldrüse entscheidet nicht eigenständig, wie viel sie produziert. Sie reagiert auf das, was ihr angeboten wird.


Welche Enzyme produziert das Pankreas bei Hunden?

Das Pankreas bei Hunden produziert nicht „ein Enzym“, sondern ein ganzes Set an Verdauungsenzymen, die jeweils auf unterschiedliche Nahrungsbestandteile spezialisiert sind. Erst im Zusammenspiel ergibt sich eine funktionierende Verdauung.

Vereinfacht lassen sich drei Hauptgruppen an Enzymen unterscheiden.

Für die Verdauung von Fetten ist vor allem die Lipase verantwortlich. Sie spaltet Fette in kleinere Bestandteile, die dann weiter verarbeitet und aufgenommen werden können. Unterstützt wird dieser Prozess durch Gallensäuren, ohne die die Lipase ihre Wirkung nur eingeschränkt entfalten kann.


Für Eiweiße stellt die Bauchspeicheldrüse mehrere Enzyme bereit, darunter Trypsin und Chymotrypsin. Diese zerlegen komplexe Proteinstrukturen in kleinere Bausteine. Auch hier handelt es sich nicht um ein einzelnes Enzym, sondern um eine abgestimmte Gruppe, die nacheinander wirkt.


Für Kohlenhydrate ist vor allem die Amylase zuständig. Sie beginnt mit der Aufspaltung von Stärke in kleinere Zuckerbausteine, die anschließend weiter verarbeitet werden.

Diese Aufteilung zeigt bereits, dass Verdauung nie von einem einzelnen Faktor abhängt.

Wenn ein Hund beispielsweise Fett nicht gut verträgt, bedeutet das nicht automatisch, dass „die Enzyme fehlen“. Es kann genauso gut sein, dass das Zusammenspiel zwischen Lipase, Gallensäuren und Darm nicht mehr sauber funktioniert.

Damit Verdauungsenzyme überhaupt sinnvoll wirken können, brauchen sie zudem ein passendes Milieu im Dünndarm. Die Bauchspeicheldrüse liefert deshalb nicht nur Enzyme, sondern auch Bikarbonat, das den sauren Mageninhalt nach dem Übertritt in den Dünndarm abpuffert. Auch die Galle trägt zur Stabilisierung dieses Milieus bei. Erst in diesem weniger sauren Umfeld können viele Enzyme ihre Wirkung richtig entfalten.

Das bedeutet: Nicht nur die Menge der Enzyme ist entscheidend, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten.

Wie die Enzymaktivierung abläuft – eine kurze, aber entscheidende Kaskade

Ein oft unterschätzter Punkt ist die Art und Weise, wie diese Enzyme überhaupt aktiv werden.

Die Bauchspeicheldrüse gibt wie bereits erwähnt die meisten eiweißspaltenden Enzyme zunächst in einer inaktiven Form ab. Diese Vorstufen werden dann erst im Dünndarm aktiviert. Der entscheidende Auslöser dafür ist ein Enzym der Dünndarmschleimhaut, die sogenannte Enteropeptidase.

Sie aktiviert zunächst Trypsin aus seiner Vorstufe (Trypsinogen). Dieses aktivierte Trypsin übernimmt dann eine Art Schlüsselrolle. Es aktiviert weitere Enzyme, die ebenfalls noch inaktiver Form vorliegen. Es entsteht eine Kaskade, in der ein Schritt den nächsten auslöst.

Dieses System ist sehr effizient, aber auch empfindlich. Es funktioniert nur dann zuverlässig, wenn Ort und Zeitpunkt stimmen. Wird diese Kaskade zu früh ausgelöst, etwa innerhalb der Bauchspeicheldrüse, kann das schwerwiegende Folgen haben. Genau das ist ein zentraler Mechanismus bei der Pankreatitis.

Wird sie dagegen zu spät oder unvollständig aktiviert, kann die Verdauung ebenfalls beeinträchtigt sein, obwohl die Enzyme grundsätzlich vorhanden sind.


Die einzelnen Schritte greifen dabei eng ineinander. In der folgenden Übersicht wird dieser Ablauf noch einmal vereinfacht dargestellt.


Schema zur Enzymproduktion und Aktivierung der Bauchspeicheldrüse beim Hund vom Futter bis zur Verdauung im Darm
Ablauf der Enzymarbeit der Bauchspeicheldrüse beim Hund

Wie sich die Bauchspeicheldrüse auf das Futter einstellt

Die Bauchspeicheldrüse gibt Verdauungsenzyme ab, wenn sie gebraucht werden. Dabei spielt auch die Zusammensetzung der Mahlzeit eine Rolle: Für die Verdauung von Fett werden andere Enzyme benötigt als für die Aufspaltung von Eiweiß oder Stärke.

Wenn ein Hund sein Futter plötzlich schlechter verträgt, ist deshalb die Frage berechtigt, ob ausreichend Enzyme zur Verfügung stehen. Für die Verdauung kommt es aber ebenso darauf an, was gefüttert wird und wie Magen, Galle und Darm arbeiten. Das möchte ich genauer einordnen, bevor ich eine Ergänzung empfehle.


Wenn Fett plötzlich schlechter vertragen wird

Vielleicht kennen Sie das: Ihr Hund hat sein Futter lange gut vertragen. Nach einer Erkrankung oder einer Futterumstellung wird der Kot weicher, größere Fettmengen machen ihm offenbar Probleme oder er setzt deutlich mehr Kot ab.

Dabei denkt man schnell an die Bauchspeicheldrüse. Für die Fettverdauung werden allerdings auch Gallensäuren benötigt, und die aufgespaltenen Nährstoffe müssen anschließend über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. An mehreren Stellen können also Schwierigkeiten entstehen, die sich im Alltag ähnlich zeigen.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Hat sich die Fettmenge verändert? Sind neue Kauartikel oder Leckerli dazugekommen? Bestehen weitere Beschwerden? Und welche Untersuchungen wurden bereits gemacht? Solche Informationen helfen dabei, die nächsten Schritte sinnvoll auszuwählen.


Wenn zugeführte Enzyme helfen – was sagt uns das?

Ein Hund hat seit einiger Zeit weichen, teilweise fettig wirkenden Kot. Die Besitzer geben ihm ein Enzympräparat zum Futter, und der Kot wird besser. Das ist zunächst eine hilfreiche Beobachtung, doch warum die Enzyme helfen, ist damit allerdings noch nicht geklärt. Aus der Verbesserung allein lässt sich weder ein Mangel sicher nachweisen noch erkennen, an welcher Stelle die Verdauung beeinträchtigt ist.

Auch ein einzelner Kotbefund beantwortet diese Frage nur begrenzt. Wurde beispielsweise die Pankreas-Elastase bestimmt, muss das Ergebnis zusammen mit den Beschwerden und weiteren Befunden beurteilt werden. Bei Verdacht auf eine unzureichende Enzymproduktion kann die Tierärztin oder der Tierarzt gezielt den cTLI-Wert im Blut untersuchen lassen.

Für mich gehört deshalb beides zusammen: die Beobachtung, dass es dem Hund mit Enzymen besser geht, und die Frage, was hinter seinen Beschwerden steckt. So lässt sich auch besser entscheiden, ob die Ergänzung dauerhaft gebraucht wird oder vorübergehend unterstützen kann.


Was das für die Fütterung bedeutet

In meiner Ernährungsberatung schaue ich mir zunächst an, was tatsächlich im Napf landet – einschließlich Leckerli, Kauartikeln und Ergänzungen. Dazu kommen der zeitliche Verlauf der Beschwerden und die vorhandenen tierärztlichen Befunde.

Manchmal hilft es bereits, die Fettmenge anzupassen, einzelne Zutaten auszutauschen oder die Mahlzeiten anders aufzuteilen. Bei einer nachgewiesenen Schwäche der Bauchspeicheldrüse gehören die benötigten Enzyme dagegen fest zur Behandlung. Die Fütterung wird dann insgesamt so gestaltet, dass der Hund seine Nahrung möglichst gut verwerten kann.


Welche Anpassung sinnvoll ist, ergibt sich aus der Situation des einzelnen Hundes. Gerade wenn schon vieles ausprobiert wurde, kann eine übersichtlichere Fütterung helfen, Veränderungen wieder besser zu beurteilen.


Wenn Sie bei der Fütterung nicht weiterkommen

Wiederkehrende Verdauungsbeschwerden können verunsichern, besonders wenn eine Maßnahme zunächst hilft und die Probleme später doch wieder auftreten.

In meiner Ernährungsberatung für Hunde sehe ich mir die Fütterung, den bisherigen Verlauf und die vorhandenen Befunde gemeinsam mit Ihnen an. Mir ist wichtig, die Beschwerden zunächst richtig einzuordnen. Darauf aufbauend besprechen wir, welche Änderungen für Ihren Hund sinnvoll sind und ob ergänzend noch etwas tierärztlich abgeklärt werden sollte.


napfnatura - nachvollziehbar füttern

Ernährungsberatung für Hunde


Sandra Orkunt

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