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Fettarm füttern bei Pankreatitis beim Hund

  • Sandra
  • 1. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Apr.

Wenn „fettarm“ zur Dauerlösung wird

Die Pankreatitis beim Hund ist eine schwerwiegende und oftmals sehr schmerzhafte Erkrankung. Nahrungsfette stimulieren und aktivieren die Bauchspeicheldrüse, die im Fall einer Pankreatitis entzündet ist. Deshalb werden viele Hunde mit Neigung zu einer solchen Entzündung des Organs über Monate oder sogar Jahre fettarm gefüttert. Oft mit dem Gefühl: Das ist sicher – damit kann ich nichts falsch machen.

Gleichzeitig zeigen sich in der Praxis immer wieder ähnliche Verläufe:

  • der Hund bleibt trotzdem sehr empfindlich

  • er nimmt schlecht zu oder verliert Gewicht

  • und er reagiert auf kleinste Abweichungen.


Das wirft eine berechtigte Frage auf: Reicht es bei einer chronischen Pankreatitis beim Hund wirklich aus, fettarm zu füttern?


Was mit „fettarm“ eigentlich gemeint ist

Die gängige Vorstellung ist einfach: Durch wenig Fett im Futter erzielt man eine Entlastung der Bauchspeicheldrüse.

Das stimmt grundsätzlich, greift aber zu kurz, denn entscheidend ist nicht nur der Fettgehalt in Prozent wie er auf der Futterdose steht, sondern die tatsächliche Belastung pro Tag.

Zwei Hunde können dasselbe Futter bekommen – und völlig unterschiedlich darauf reagieren.

Faktor

Einfluss

Fettgehalt im Futter

gibt eine grobe Orientierung

Futtermenge

bestimmt die tatsächliche Fettaufnahme

Energiebedarf

beeinflusst, wie viel gefüttert werden muss

Verdaulichkeit

entscheidet, wie stark die Verdauung belastet wird

Ein Futter mit moderatem Fettgehalt kann deshalb durchaus gut verträglich sein und ein „fettarmes“ Futter kann Probleme machen, wenn die Gesamtmenge zu hoch ist.


Merksatz: "Fettarm" ist keine feste Zahl – sondern eine Frage der Gesamtbelastung.

Warum Fett bei Pankreatitis überhaupt eine Rolle spielt

Fett wirkt im Körper nicht passiv.

Sobald Fett in den Dünndarm gelangt, wird ein Signal ausgelöst udn es kommt zur Ausschüttung des Hormons CCK (Cholezystokinin).

Dieses bewirkt zweierlei:

  • Ausschüttung von Verdauungsenzymen aus der Bauchspeicheldrüse

  • Aktivierung der Galle

Bei einer gesunden Verdauung ist das sinnvoll. Bei einer gereizten oder vorgeschädigten Bauchspeicheldrüse kann genau dieser Reiz problematisch sein.


Deshalb wird Fett reduziert – nicht, weil es „schlecht“ ist, sondern weil es ein starker Stimulus ist.


Fettarm bedeutet nicht automatisch gut verträglich

Ein häufiger Denkfehler ist auch eine fettarme Fütterung mit einer leicht verdaulichen Fütterung gleichzusetzen. Das ist nicht automatisch der Fall.

Ein Futter kann fettarm sein und trotzdem:

  • schwer verdauliche Bestandteile enthalten

  • große Mengen erfordern

  • die Verdauung insgesamt stark beanspruchen.


Die Bauchspeicheldrüse reagiert nämlich nicht nur auf das Fett in einer Ration sondern sie reagiert auf Verdauungsarbeit insgesamt.

Große Rationen, ungünstige Zusammensetzung oder geringe Verdaulichkeit können daher trotz wenig Fett zu Problemen führen.


Was in der Praxis häufig passiert

Ein typisches Muster kann ich recht häufig in der Praxis beobachten:

Der Fettgehalt wird zur Schonung der Bauchspiecheldrüse reduziert. Der Hund verliert Gewicht oder wird nicht satt, er bettelt und fordert abends noch mehr Futter ein. Die Futtermenge wird erhöht.

Doch damit steigt automatisch wieder die absolute Fettmenge und die gesamte Verdauungsbelastung.

Zusätzlich wird oft das durch die erhöhte Menge das gefütterte Protein erhöht.

Das kann zu neuen Problemen führen:

  • vermehrte Gasbildung

  • instabiler Kot

  • Unruhe im Bauch

Diese Symptome werden dann häufig wieder der Bauchspeicheldrüse zugeschrieben.

Tatsächlich verschieben sich die Probleme in den Bereich der Leber, Niere oder/und Darm.


Zu wenig Fett ist ebenfalls nicht sinnvoll

Fett hat im Körper wichtige Funktionen:

  • es ist Hauptsäule der Energieversorgung

  • es wird zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) benötigt

  • es dient der Unterstützung von Regeneration und Zellaufbau

  • wird zur Hormonproduktion benötigt u.v.m.


Eine langfristig sehr fettarme Fütterung kann deshalb:

  • zu Mangelzuständen führen

  • die Erholung verzögern

  • die Futtermenge unnötig erhöhen.


Fett zu reduzieren ist sinnvoll. Fett vollständig zu vermeiden ist es nicht!


Akute vs. chronische Situation

Hier lohnt sich eine klare Unterscheidung:

Situation

Umgang mit Fett

akute Pankreatitis

vorübergehend konsequent reduzieren

stabile / chronische Situation

individuell anpassen

Viele Hunde bleiben dauerhaft auf einer sehr strengen fettarmen Fütterung, obwohl sich die Situation längst verändert hat.

Das führt häufig dazu, dass die Fütterung nicht mehr zur aktuellen Lage passt.


Was bedeutet richtig fettarm füttern bei einer Pankreatitis beim Hund?

Fettarm zu füttern kann sinnvoll sein – aber nur im richtigen Kontext.

Wichtige Fragen sind:

  • Wie viel Fett bekommt der Hund tatsächlich pro Tag?

  • Wie groß ist die Gesamtfuttermenge?

  • Wie gut ist die Verdaulichkeit der Ration?

  • Passt die Fütterung noch zur aktuellen Situation des Hundes?

Erst aus dieser Einordnung entsteht eine sinnvolle Anpassung.


Grenzen und realistische Erwartungen

„Fettarm füttern“ ist ein wichtiger Ansatz bei Pankreatitis. Aber erst die genaue Einordnung im weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidet, ob er dem Hund wirklich dauerhaft hilft.


Fettarm füttern kann bei einer Pankreatitis

  • die Symptome beim Hund signifikant reduzieren

  • die Bauchspeicheldrüse entlasten


Sie kann aber nicht:

  • jede Empfindlichkeit verhindern

  • eine bestehende Erkrankung „lösen". Es geht nicht darum, Fett möglichst stark zu reduzieren, sondern darum, die Fütterung so anzupassen, dass sie zur aktuellen Belastbarkeit des Hundes passt.

    Wenn ein Hund trotz fettarmer Fütterung instabil bleibt, liegt das häufig daran, dass weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen.



Wenn Sie unsicher sind, ob die aktuelle Fütterung Ihres Hundes wirklich zu seiner aktuellen Situation passt, kann eine strukturierte Analyse helfen, die einzelnen Faktoren verständlich einzuordnen und daraus sinnvolle nächste Schritte abzuleiten.

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