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  • Sandra

Fütterung bei Giardien

Aktualisiert: 8. Sept. 2022


Dein Hund hat die Diagnose "Giardienbefall" erhalten?

Kein Grund zur Panik! Bevor es daran geht, den Giardien den Garaus zu machen, solltest Du verstehen, was Giardien sind, wie und wo sie leben, wie sie sich vermehren und warum dein Hund gerade jetzt diese Diagnose erhalten hat.


Grundsätzliches zu Giardien

Giardien sind Einzeller (Protozoen) und zählen zu den Flagelatten. Sie sind sehr klein, fast durchsichtig und bewegen sich mit ihren kleinen Geißeln fort. Giardien gibt es schon seit Jahrmillionen auf der Erde und nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch viele andere Säugetierarten, Amphibien, Vögel und Reptilien werden von spezifischen Giardien-Arten befallen. Als Parasiten leben sie im Darm ihres Wirtes und durchlaufen einen interessanten Lebenszyklus.



So infiziert sich dein Hund mit Giardien

Die Infektion erfolgt mit infektiösen Zysten über kontaminiertes Wasser, Futter oder per Schmierinfektionen.


Der Hund infiziert sich mit Giardien oral, d. h. er nimmt Giardien Zysten über das Maul auf und schluckt sie ab. Zysten sind die widerstandsfähigen Formen der Giardien, geschützt durch eine Hülle, die sie vor Umwelteinflüssen wie Hitze, Kälte, Nässe und Austrocknung schützt.

Im Magen des Hundes greift die Magensäure die Hülle an, die daraufhin ein bis zwei vegetative Formen der Giardie entlässt. Im Zwölffingerdarm (Duodenum) und im vorderen Leerdarm (Jejunum) haften sich diese Formen mit kleinen Bauchsaugscheiben an die Darmwand des Hundes.


Während der Anhaftung reagieren die Lymphozyten der Darmschleimhaut, die Mikrovilli verkürzen sich, die Zellen sind gereizt und können Nährstoffe aus dem Darm nicht mehr gut aufnehmen. Es kommt zur Malabsorption, d. h. dein Hund kann weniger Nährstoffe durch die Darmschleimhaut aufnehmen. Die Anhaftung der Giardien führt zu einem komplexen Geschehen, bei dem Enzyme vermindert aktiviert werden, die Zellkontakte der Darmwand aufgebrochen werden, sich dadurch ihre Permeabilität erhöht und die Darmzellen durch eiweißspaltende Enzyme geschädigt werden.


Günstige Lebensbedingungen für Giardien

Unter günstigen Bedingungen können sich die Giardien ausgesprochen stark vermehren. Günstige Bedingungen sind für sie immer dann gegeben, wenn der Darm, bzw. die ihn besiedelnden physiologischen (gutartigen) Keime bspw. durch eine vorausgegangene Antibiotika-Behandlung oder eine Entwurmung vorgeschädigt sind. Sind die Darmzellen oder die Schleimhaut geschädigt – ebenfalls z. B. durch eine Antibiose oder die Behandlung mit Anthelminthika, falsches Futter, künstliche Zusatzstoffe und Aromen oder eben durch eine Fehlbesiedlung etc. so kommt es zur vermehrten Durchlässigkeit der Darmhäute und damit zu Immunreaktionen. Hält dieser Zustand länger an, so befinden sich pathologische und physiologische Keime im Ungleichgewicht und die Giardien finden genug "freie Plätze", um sich an der nicht mehr abwehrfähigen Darmschleimhaut festzusetzen und zu vermehren.


Giardien sind Einzeller, die sich von Kohlenhydraten ernähren und sie benötigen sehr viel davon. Eine Fütterung mit stark kohlenhydrathaltigem Futter begünstigt die Vermehrung der Giardien. Industrielles Trockenfutter ist häufig sehr kohlenhydratreich.


Fütterung bei Giardien

Eine angepasste Fütterung kann mithelfen, den Giardien schnell den Garaus zu machen:

  • Frische Futtermittel bevorzugen – sie sind vitamin- und enzymreicher als Fertigfutter und unterstützen das Immunsystem des kranken Tieres

  • auf Fertigfutter verzichten – es enthält herstellungsbedingt viele Kohlenhydrate, die Nahrungsgrundlage der Giardien

  • getreidefreie Futtermittel auswählen

  • das Magen-Darmsystem keinem weiteren Stress aussetzen, d. h. keine radikale Futterumstellung vornehmen (bspw. von Trockenfutter zu BARF)

  • Trockenfutter auf ein hochwertiges Dosenfutter umstellen

  • Dosenfütterung auf gekochte Nahrung oder BARF umstellen

Darüber hinaus können darmpflegende Nahrungsergänzungsmittel zugefüttert werden:

  • Heilmoor – die enthaltenen Säuren pflegen die geschädigte Darmschleimhaut

  • Probiotika wie Symbiopet®, um das Ungleichgewicht zugunsten einer physiologischen Darmflora zu verschieben

  • Aloe vera Gel (Schleimhaut pflegend)

  • Kräuter wie Wermut, Oregano, Thymian (Bitterstoffe, Flavonoide, antibakteriell)

  • Ingwer, Kurkuma und Walnuss (Scharfstoffe, antientzündlich, gerbstoffhaltig)

  • Grapefruitkernextrakt, Apfelessig (antibakteriell)

  • Propolis (antibakteriell)


Das Futter sollte leicht verdaulich sein, damit der geschädigte Darm das Futter gut aufnehmen kann. Hierzu eignet sich leicht verdauliches Fleisch wie Hühnerfleisch. Dagegen sollten Bindegewebe und Häute (z. B. Kaninchenohren oder Kopfhautstreifen mit Fell) im akuten Stadium gemieden werden. Pansen und Blättermagen unterstützen zwar mit ihren probiotischen Bakterien und präbiotischen Pflanzenfasern die Darmflora des Hundes, doch können diese Futtermittel durchaus schwer verdaulich sein. Hier ist etwas Vorsicht geboten.

Auch der vollständige Verzicht auf Kohlenhydrate kann für einen geschwächten Hund problematisch sein. Dennoch sind alle Futtermittel zu vermeiden, die besonders viele und besonders leicht zu verdauende Kohlenhydrate liefern. Das sind Getreide, zuckerhaltiges Obst, schnell aufzuschließender Reis etc.



Wie sieht die häusliche Hygiene während einer Giardienbehandlung aus?

Immungeschwächte Hunde sollten nicht aus Pfützen und stehenden Gewässern trinken. Der Kot muss sofort entfernt werden und evtl. verunreinigte Stellen im Garten am besten mit heißem Wasser übergossen werden. Schlaf- und Liegeplätze kann man gut mit Laken abdecken, die täglich gewaschen werden können. Bleibt Kot im Fell hängen, muss dieser mit Feuchttüchern entfernt werden, damit es nicht zur ständigen Re-Infizierung durch Lecken und Schnuppern (Schmierinfektion) kommt. Aus diesem Grund wird auch Duschen der Hunde empfohlen, da die Zysten gerne im Fell hängen und infektiös bleiben.



Weitere, unterstützende Maßnahmen gegen Giardien

Stress ist ein Faktor, der sich negativ auf das Immunsystem des Tieres auswirkt und der einen Giardienbefall begünstigen und verstärken kann. Dies erklärt, warum besonders Tiere aus Tierheimen, nach einem Besitzerwechsel, bei stressiger Mehrhundehaltung oder nach anderen Krankheiten von Giardien befallen werden. Die Giardien sind das Symptom, das auf eine gestörte Immunabwehr hinweist. Auch junge Tiere und Welpen erkranken besonders häufig, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Ältere Tiere sind zwar auch von diesen Einzellern befallen, aber oftmals symptomlos.

Kranke Tiere sollten nicht übermäßig durch Training gefordert werden, benötigen viel Schlaf und Ruhe zur Genesung.



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Quellen:

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