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Bandwürmer beim Hund

  • Autorenbild: Sandra Orkunt
    Sandra Orkunt
  • 18. Mai 2024
  • 10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Juli

Fuchsbandwurm, Hundebandwurm und Gurkenkernbandwurm

Auf Kräuterwanderungen dauert es meist nicht lange, bis die Frage gestellt wird:

"Kann ich die Beeren und Wildkräuter hier wirklich essen – oder könnten daran Eier des Fuchsbandwurms haften?"

Die Sorge ist verständlich. Schließlich sind die Eier des Fuchsbandwurms mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Sie können in der Umwelt lange überleben, und die Erkrankung, die sie beim Menschen hervorrufen können, ist selten, aber schwerwiegend.

Doch die pauschale Angst vor jeder bodennahen Beere und jedem Blatt hilft wenig. Wer das tatsächliche Risiko verstehen möchte, muss den Blick zunächst vom Waldweg weg und auf einen ungewöhnlichen Lebenszyklus richten. Denn Bandwürmer wechseln zwischen verschiedenen Tieren – und manchmal kann selbst ein Hund innerhalb desselben Parasitenzyklus zwei völlig unterschiedliche Rollen einnehmen.

In diesem Beitrag geht es deshalb nicht einfach um „die drei häufigsten Bandwürmer“. Der Fuchsbandwurm und der Hundebandwurm sind bei Hunden in Deutschland vergleichsweise selten, besitzen aber wegen ihrer möglichen Übertragung auf den Menschen eine besondere Bedeutung. Der Gurkenkernbandwurm ist dagegen weltweit verbreitet und führt uns zu einem ganz anderen Zwischenwirt: dem Floh.

Wer ihre Wege versteht, kann Risiken besser einordnen – ohne Sorglosigkeit, aber auch ohne bei jedem Waldspaziergang den Boden unter den Füßen zu fürchten.


Kleiner Fuchs auf einem Waldweg
Fuchsbandwurm: Risiken für Hunde und Menschen im Blick behalten!


Der Fuchsbandwurm – Echinococcus multilocularis

Ein Bandwurm braucht mehr als einen Wirt: Bandwürmer beim Hund führen ein Leben in mehreren Körpern.

Der ausgewachsene Wurm lebt im sogenannten Endwirt. Dort sitzt er meist im Dünndarm und bildet Eier oder eihaltige Glieder, die mit dem Kot in die Umwelt gelangen.

Damit daraus eine neue Generation erwachsener Würmer entstehen kann, müssen die Eier zunächst von einem geeigneten Zwischenwirt aufgenommen werden. In dessen Organen entwickeln sich Larvenstadien. Frisst anschließend der passende Endwirt diesen Zwischenwirt oder dessen befallene Organe, schließt sich der Kreis.

Das klingt zunächst kompliziert. In der Natur ist dieser Wechsel jedoch erstaunlich präzise auf die Ernährungsbeziehungen zwischen den Tieren abgestimmt:

  • Der Fuchs frisst die Maus.

  • Der Hund frisst rohe Innereien eines befallenen Nutztieres.

  • Der Hund verschluckt beim Putzen einen Floh.

Der Bandwurm nutzt damit Wege, die ohnehin vorhanden sind.

Für den Menschen wird es dann problematisch, wenn er versehentlich die Rolle eines Zwischen- oder Fehlwirts übernimmt. Bei den Echinokokken – dem Fuchs- und dem Hundebandwurm – geschieht das durch die Aufnahme mikroskopisch kleiner Eier.


Der Fuchsbandwurm – Echinococcus multilocularis

Der Fuchsbandwurm ist nur wenige Millimeter lang. Sein ausgewachsener Körper besteht aus einem Kopf und wenigen Gliedern. Im Dünndarm eines Fuchses kann er nahezu unbemerkt leben, während seine Eier mit dem Kot in die Umwelt gelangen.

Hauptendwirt ist in Mitteleuropa der Rotfuchs. Auch Hunde und seltener Katzen können erwachsene Fuchsbandwürmer im Darm beherbergen und Eier ausscheiden. Als natürliche Zwischenwirte dienen vor allem kleine Nagetiere.

Der Lebenszyklus folgt einem vertrauten Bild aus Feld und Waldrand:

Ein infiziertes Tier scheidet Eier aus.Eine Maus nimmt sie beim Fressen auf. In ihren Organen – besonders in der Leber – entwickelt sich das Larvengewebe. Ein Fuchs oder Hund frisst die Maus. Im Darm des Fleischfressers entstehen daraus erwachsene Bandwürmer.

Gerade für Hunde, die regelmäßig Mäuse fangen und fressen, ist dieser Zusammenhang bedeutsam. Der Hund wird nicht dadurch zum typischen Endwirt, dass er Fuchskot aufnimmt. Erwachsene Fuchsbandwürmer entwickeln sich vor allem dann, wenn er einen infizierten Nager frisst.


Der Hund kann beim Fuchsbandwurm zwei Rollen spielen

Beim Fuchsbandwurm ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Ein Hund kann sowohl Endwirt als auch Fehl- beziehungsweise Zwischenwirt sein.


Der Hund als Endwirt für Würmer

Frisst ein Hund einen Nager, der das Larvenstadium des Fuchsbandwurms trägt, können sich in seinem Dünndarm erwachsene Bandwürmer entwickeln. Der Hund selbst zeigt dabei häufig keine auffälligen Beschwerden. Er kann jedoch Eier mit dem Kot ausscheiden und dadurch die Umwelt kontaminieren.

Diese Eier sind unmittelbar nach ihrer Ausscheidung infektiös. Sie lassen sich mit bloßem Auge weder im Kot noch auf Pflanzen, Erde oder Fell erkennen.


Der Hund als Fehl- oder Zwischenwirt für Würmer

Nimmt ein Hund dagegen die Eier des Fuchsbandwurms auf – beispielsweise über kontaminierte Erde, Losung oder möglicherweise bei der Fellpflege –, können die Larven die Darmwand durchdringen und in innere Organe gelangen.

Dort kann sich eine alveoläre Echinokokkose entwickeln. Das Larvengewebe wächst vor allem in der Leber infiltrativ weiter und kann sich ähnlich wie ein Tumor in das umliegende Gewebe ausbreiten. Die Erkrankung ist beim Hund selten, aber schwerwiegend. Fallserien und Übersichtsarbeiten beschreiben unter anderem Mattigkeit, Gewichtsverlust, Erbrechen, Bauchumfangszunahme sowie Veränderungen, die aus der fortschreitenden Lebererkrankung entstehen.

Der Hund trägt dann nicht einfach einen erwachsenen Bandwurm im Darm. Er erkrankt an dessen Larvenstadium.

Das ist derselbe biologische Irrweg, der auch beim Menschen zur alveolären Echinokokkose führen kann.


Wie gefährlich sind Waldbeeren und Wildkräuter?

Der Mensch infiziert sich mit dem Fuchsbandwurm, indem er dessen Eier über den Mund aufnimmt. Als mögliche Quellen gelten kontaminierte Hände nach Kontakt mit Erde oder infizierten Endwirten sowie Lebensmittel oder Wasser, auf denen Eier liegen könnten.

Wie häufig einzelne Übertragungswege tatsächlich sind, lässt sich jedoch nicht zuverlässig bestimmen. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass eine Übertragung durch kontaminierte Waldbeeren, Pilze oder Wasser möglich erscheint, ihre konkrete Bedeutung aber nicht abschließend geklärt ist.

Das bedeutet weder, dass bodennah wachsende Beeren und Kräuter grundsätzlich gefährlich sind, noch dass eine Kontamination ausgeschlossen werden kann.

Für das Sammeln in der Natur sind deshalb einfache Hygieneregeln sinnvoll:

  • nicht unmittelbar neben sichtbarer Fuchs- oder Hundelosung sammeln,

  • stark verschmutzte Pflanzen stehen lassen,

  • Wildkräuter und Beeren vor dem Verzehr gründlich reinigen,

  • nach dem Sammeln und nach Arbeiten mit Erde die Hände waschen,

  • Kinder beim Naschen und beim anschließenden Händewaschen begleiten.

Das Waschen kann sichtbare Erde und einen Teil möglicher Verunreinigungen entfernen. Eine Garantie, jedes mikroskopische Ei zu beseitigen, gibt es dadurch jedoch nicht.

Wer Wildkräuter zu Hause trocknet oder erhitzt, verändert die Situation zusätzlich. Echinokokkeneier sind gegenüber Kälte widerstandsfähig; gewöhnliches Einfrieren im Haushalt gilt daher nicht als verlässliche Abtötungsmethode. Ausreichende Hitze ist wesentlich wirksamer.

Für eine Kräuterwanderung ist die wichtigste Botschaft deshalb nicht: „Nichts mehr aus dem Wald essen.“

Sie lautet:

Bewusst sammeln, sichtbare Kontamination meiden, reinigen und das reale Risiko weder verharmlosen noch dramatisieren.


Kann der Hund Fuchsbandwurmeier am Fell tragen?

Theoretisch können Eier aus kontaminierter Erde oder Losung am Fell eines Hundes haften. Auch ein Hund, der selbst erwachsene Fuchsbandwürmer trägt, kann seine unmittelbare Umgebung mit Eiern kontaminieren.

Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Hund nach einem Waldspaziergang eine erhebliche Gefahr darstellt. Entscheidend ist, ob überhaupt Kontakt mit infektiösem Material bestand.

Hat sich ein Hund in Fuchs- oder anderer Wildtierlosung gewälzt, sollte das Fell gründlich gereinigt werden. Nach dem Entfernen von Losung und nach engem Kontakt mit einem stark verschmutzten Tier ist Händewaschen sinnvoll. Normales Zusammenleben und Schmusen mit einem gesunden Hund müssen dadurch nicht zu einer dauerhaften Angstquelle werden.

Besondere Vorsicht ist bei Hunden angezeigt, die regelmäßig Nagetiere fangen, unbeaufsichtigt jagen oder bekannte Endemiegebiete durchstreifen. Hier sollte das individuelle Risiko mit der Tierarztpraxis besprochen werden.


Wie wird ein Fuchsbandwurmbefall beim Hund erkannt?

Der Nachweis ist schwieriger, als einen sichtbar ausgeschiedenen Wurm zu entdecken.

Die Eier von Echinococcus multilocularis sind mikroskopisch klein und lassen sich anhand ihres Aussehens nicht zuverlässig von den Eiern anderer Taeniiden unterscheiden. Hinzu kommt, dass Eier nicht ständig und gleichmäßig ausgeschieden werden.

Für einen spezifischen Nachweis sind daher weiterführende Verfahren erforderlich, etwa molekularbiologische Untersuchungen. Eine gewöhnliche negative Kotprobe kann einen Echinokokkenbefall nicht in jeder Situation sicher ausschließen. Die aktuelle ESCCAP-Empfehlung sieht die Beurteilung deshalb risikobasiert und berücksichtigt Jagdverhalten, Nageraufnahme, Aufenthaltsregion und mögliche Gefährdung von Menschen im Haushalt.

Beim Verdacht auf alveoläre Echinokokkose – also die seltene Organerkrankung des Hundes – sind bildgebende Untersuchungen, Laborwerte und spezifische weiterführende Diagnostik notwendig.


Der Hundebandwurm – Echinococcus granulosus sensu lato

Der deutsche Name „Hundebandwurm“ klingt zunächst so, als handle es sich um einen gewöhnlichen Darmparasiten des Hundes. Biologisch ähnelt sein Lebenszyklus jedoch dem des Fuchsbandwurms.

Hunde und andere Caniden sind die Endwirte. Als Zwischenwirte dienen vor allem pflanzenfressende Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Rinder oder Schweine – je nach beteiligter Echinococcus-Art beziehungsweise genetischer Variante.

In den Organen dieser Zwischenwirte bilden sich flüssigkeitsgefüllte Zysten, die Larvenstadien des Bandwurms enthalten. Frisst ein Hund rohe, befallene Organe, entwickeln sich in seinem Darm erwachsene Bandwürmer. Er kann anschließend Eier ausscheiden.

Der Mensch kann die Eier ebenfalls versehentlich aufnehmen. Dann entsteht die zystische Echinokokkose, bei der sich meist langsam wachsende Zysten in Leber, Lunge oder anderen Organen bilden.


Wo kommt der Hundebandwurm vor?

In Deutschland und weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas kommt die klassische zystische Echinokokkose bei Hunden und Nutztieren deutlich seltener vor als in vielen Regionen Südosteuropas, des Mittelmeerraums, Nordafrikas, Asiens und anderer Gebiete mit engem Hund-Nutztier-Zyklus.

Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere dort, wo Hunde Zugang zu rohen Schlachtabfällen oder Innereien von Schafen, Ziegen oder anderen möglichen Zwischenwirten erhalten. Auch bei importierten Hunden aus entsprechenden Regionen kann die Vorgeschichte eine Rolle spielen.

Das Risiko entsteht also nicht allein dadurch, dass ein Hund „rohes Fleisch“ frisst. Entscheidend sind Tierart, Organ, Herkunft, Schlachtkontrolle und Vorbehandlung.

Muskelfleisch aus kontrollierter Lebensmittelproduktion ist anders zu beurteilen als rohe Lunge, Leber oder andere Schlachtabfälle aus einer privaten Schlachtung in einem Endemiegebiet.


Rohfütterung und Bandwürmer

Die aktuelle ESCCAP-Empfehlung ordnet Hunde, die rohes Fleisch, Innereien, Schlachtabfälle oder Beutetiere aufnehmen, einer erhöhten Bandwurm-Risikogruppe zu, sofern das Material nicht ausreichend erhitzt oder tiefgefroren wurde.

Als risikomindernde Vorbehandlung nennt ESCCAP ausreichend langes Tiefgefrieren beziehungsweise eine sichere Erhitzung. Die deutsche Empfehlung von 2025 arbeitet mit deutlich vorsichtigeren Angaben als die frühere, häufig zitierte Faustregel von lediglich drei Tagen bei −18 °C. Für Rohfleischkomponenten werden etwa mindestens eine Woche bei Temperaturen um −17 bis −20 °C oder eine ausreichende Erhitzung zugrunde gelegt.

Wichtig bleibt jedoch: Auch eine technische Vorbehandlung ersetzt keine sorgfältige Auswahl der Herkunft. Bei unbekannten Schlachtabfällen oder Organen aus Risikoregionen ist Zurückhaltung sinnvoll.

Für Hunde, die Beutetiere oder nicht ausreichend vorbehandelte rohe Innereien fressen, empfiehlt ESCCAP eine engmaschigere Kontrolle beziehungsweise Behandlung gegen Bandwürmer als für Hunde ohne diese Risiken.


Der Gurkenkernbandwurm – Dipylidium caninum

Der Gurkenkernbandwurm führt ein ganz anderes Leben.

Sein Zwischenwirt ist weder Maus noch Schaf, sondern meist ein Floh. Auch der Hundehaarling kann beteiligt sein.

Die Eier des Bandwurms werden in kleinen Paketen ausgeschieden. Flohlarven nehmen diese Eier in ihrer Umgebung auf. Während sich aus der Flohlarve ein erwachsener Floh entwickelt, reift in seinem Körper das infektiöse Larvenstadium des Bandwurms heran.

Der Hund infiziert sich nicht durch einen Flohbiss.

Er muss den Floh verschlucken.

Das geschieht leicht beim Putzen, Knabbern oder Belecken eines juckenden Hautbereichs. Im Verdauungstrakt wird der Floh zerlegt, das Larvenstadium des Bandwurms wird frei und entwickelt sich im Dünndarm zum erwachsenen Wurm.

Damit wird verständlich, warum eine reine Bandwurmbehandlung bei Dipylidium caninum nicht genügt. Bleiben infizierte Flöhe am Tier oder in der Umgebung, kann sich der Hund kurze Zeit später erneut anstecken.


Warum heißen sie Gurkenkernbandwürmer?

Der Name bezieht sich auf die beweglichen Bandwurmglieder, die sogenannten Proglottiden.

Frisch ausgeschieden sind sie weißlich bis cremefarben und erinnern in ihrer Form an kleine Gurkenkerne. Getrocknet sehen sie eher wie Reiskörner aus. Man findet sie gelegentlich auf dem Kot, im Schlafplatz oder im Fell rund um den After.

Ihre Eigenbewegung kann Juckreiz verursachen. Manche Hunde lecken oder beknabbern den Analbereich oder rutschen mit dem Hinterteil über den Boden. Dieses sogenannte Schlittenfahren ist allerdings nicht beweisend für einen Bandwurmbefall; auch volle Analbeutel, Hautreizungen und andere Ursachen kommen infrage.

Viele Hunde mit geringem Befall zeigen überhaupt keine deutlichen Symptome. Bei stärkerem Befall können Verdauungsbeschwerden, Gewichtsverlust oder ein beeinträchtigtes Allgemeinbefinden auftreten. ESCCAP nennt Analjuckreiz als mögliche Begleiterscheinung, betont aber vor allem die Bedeutung der Floh- und Haarlingskontrolle.

Die früher häufig wiederholte Behauptung, der Gurkenkernbandwurm führe bei Hunden typischerweise zu Krampfanfällen oder schweren toxischen Störungen des Nervensystems, gehört dagegen nicht in eine allgemeine Beschreibung des üblichen Befalls. Solche extremen Verläufe sind nicht das klinische Bild, an dem Hundehalter diesen Parasiten erkennen sollten.


Können Menschen sich mit dem Gurkenkernbandwurm anstecken?

Eine Übertragung auf den Menschen ist möglich, betrifft aber vor allem kleine Kinder. Auch der Mensch muss dabei einen infizierten Floh verschlucken. Eine direkte Ansteckung durch das Streicheln eines Hundes oder durch die Bandwurmeier allein ist für diesen Parasiten nicht der typische Weg.

Die wichtigste Vorbeugung besteht deshalb wiederum in einer wirksamen Flohkontrolle – am Tier und, bei einem vorhandenen Befall, in seiner Umgebung.


Bandwürmer bleiben häufig unbemerkt

Ein Bandwurmbefall verursacht nicht zwangsläufig Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, stumpfes Fell oder einen aufgeblähten Bauch. Solche Symptome sind unspezifisch und können zahlreiche andere Ursachen haben.

Viele Darmbandwürmer bleiben bei erwachsenen Hunden mit geringer Wurmlast klinisch unauffällig. Sichtbare Proglottiden können einen Hinweis liefern, fehlen aber bei vielen Infektionen.

Auch eine einzelne Kotuntersuchung besitzt Grenzen. Bandwurmeier oder -glieder werden nicht immer kontinuierlich ausgeschieden. Bei Echinokokken kommt hinzu, dass die Eier mikroskopisch nicht sicher von denen verwandter Bandwürmer unterschieden werden können.

Deshalb sollte die Parasitenvorsorge nicht allein davon abhängen, ob im Kot etwas sichtbar ist.


Entwurmen oder Kot untersuchen?

Die aktuelle ESCCAP-Empfehlung verfolgt keinen starren Plan, der für jeden Hund gleich aussieht. Entscheidend sind seine individuellen Risiken. Dazu gehören unter anderem:

  • freier Auslauf und Jagdverhalten,

  • Fressen von Mäusen oder anderen Beutetieren,

  • Aufnahme von Aas oder Kot,

  • Fütterung roher, nicht ausreichend vorbehandelter Innereien,

  • Reisen oder Herkunft aus Risikoregionen,

  • Flohbefall,

  • enger Kontakt zu kleinen Kindern oder immungeschwächten Menschen.

Bei geringem Risiko können weniger häufige Untersuchungen oder Behandlungen genügen. Bei durchschnittlichem Risiko werden häufig mindestens vier Kontrollen oder Entwurmungen pro Jahr empfohlen. Hunde mit hohem Bandwurmrisiko – etwa regelmäßige Mäusefänger oder Tiere mit Zugang zu rohen Schlachtabfällen – benötigen gegebenenfalls deutlich engmaschigere Maßnahmen.

Kotuntersuchung und Entwurmung sind dabei keine ideologischen Gegensätze. Beide haben Vor- und Nachteile.

Eine Kotuntersuchung kann einen vorhandenen Befall nachweisen und eine gezielte Behandlung ermöglichen. Sie erfasst jedoch nicht jede Infektion zuverlässig. Eine strategische Behandlung kann den Entwicklungszyklus bestimmter Würmer frühzeitig unterbrechen, behandelt aber nur die Parasiten, gegen die der verwendete Wirkstoff tatsächlich wirksam ist.

Gerade beim möglichen Echinokokkenrisiko sollte die Entscheidung gemeinsam mit einer Tierarztpraxis getroffen werden.


Warum natürliche Entwurmung hier keine Alternative ist

Bei einem nachgewiesenen oder ernsthaft vermuteten Bandwurmbefall braucht der Hund ein nachweislich wirksames Anthelminthikum.

Kräuter, Kokosprodukte, Möhren, Kürbiskerne oder andere naturheilkundlich beworbene Mittel können eine zuverlässige Behandlung von Echinococcus, Dipylidium oder anderen Bandwürmern nicht ersetzen. Besonders bei zoonotischen Parasiten wäre eine unsichere Behandlung nicht nur für den Hund, sondern auch für Menschen in seiner Umgebung problematisch.

Naturheilkundliches Denken bedeutet nicht, jede Erkrankung mit einer Pflanze behandeln zu müssen. Es bedeutet auch, die Grenzen einer Methode zu kennen.

Pflanzliche Wurmmittel wie Kamala wurden historisch vor allem gegen Bandwürmer eingesetzt. Wie solche Mittel einzuordnen sind und wo ihre Grenzen liegen, lesen Sie im Beitrag „Natürliche Entwurmung beim Hund“.

Eine begleitende Unterstützung von Ernährung und Darmgesundheit kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Sie darf jedoch nicht mit dem Abtöten eines vorhandenen Bandwurms verwechselt werden.


Praktische Schutzmaßnahmen im Alltag gegen Bandwürmer beim Hund

Nicht jeder Hund benötigt dieselben Maßnahmen. Einige Grundregeln reduzieren das Risiko jedoch deutlich:

  • Hunde möglichst keine Mäuse, Aas oder Wildtierinnereien fressen lassen.

  • Keine rohen Schlachtabfälle unbekannter Herkunft verfüttern.

  • Rohfutter sorgfältig auswählen und angemessen vorbehandeln.

  • Hundekot zeitnah aufnehmen und entsorgen.

  • Flohbefall konsequent am Tier und in der Umgebung behandeln.

  • Nach Kontakt mit Losung, Erde oder stark verschmutztem Fell Hände waschen.

  • Hunde nach dem Wälzen in Wildtierkot gründlich reinigen.

  • Wildkräuter und Beeren nicht direkt an Losungsplätzen sammeln und vor dem Verzehr säubern.

  • Das individuelle Entwurmungs- oder Untersuchungsschema mit der Tierarztpraxis abstimmen.

Der Versuch, jedes theoretische Risiko auszuschließen, würde das Leben mit Hund und das Sammeln in der Natur nahezu unmöglich machen. Sinnvoller ist eine Vorsorge, die sich an tatsächlichen Übertragungswegen orientiert.


Was der Wald über Bandwürmer erzählt

Der Fuchsbandwurm ist nicht einfach „auf den Beeren“. Er bewegt sich in einem Kreislauf zwischen Fuchs, Nager und Landschaft.

Der Hundebandwurm entsteht nicht aus dem rohen Fleisch als solchem. Sein Weg führt über befallene Organe eines Zwischenwirts und den Zugang des Hundes zu diesen Organen.

Und der Gurkenkernbandwurm springt nicht vom Hund auf den nächsten Wirt. Er reist im Körper eines verschluckten Flohs.

Diese Lebenszyklen machen Parasiten nicht weniger ernst. Aber sie nehmen ihnen etwas von jener unscharfen Bedrohlichkeit, die entsteht, wenn alles überall lauern könnte.

Wer bei einer Kräuterwanderung einen kräftigen Löwenzahn, eine Brombeere oder ein Blatt vom Wegesrand betrachtet, darf deshalb weiterhin neugierig bleiben. Aufmerksamkeit ist sinnvoll. Panik ist es nicht.

Die Natur ist kein keimfreier Raum. Sie ist ein Geflecht aus Beziehungen – zwischen Pflanzen, Beutetieren, Jägern, Parasiten und auch uns selbst.

Je genauer wir diese Beziehungen verstehen, desto vernünftiger können wir uns darin bewegen.


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